SZ + Dippoldiswalde
Merken

Klingenberg: Mit neuem Namen ins neue Jahr

Aus AB Elektronik wird Kyocera AVX. Das soll den Zugang zu den internationalen Märkten erleichtern. Für einen Neubau wird jetzt ein Grundstück gekauft.

Von Bettina Klemm
 4 Min.
Teilen
Folgen
Werkleiter Thorsten Bick enthüllt die Stele am Eingang mit dem Schriftzug Kyocera AVX.
Werkleiter Thorsten Bick enthüllt die Stele am Eingang mit dem Schriftzug Kyocera AVX. © Egbert Kamprath

Gesichert mit Helm und Gurt fährt Werkleiter Thorsten Bick die Hebebühne hoch, um die weiße Abdeckung vom neuen Firmenschild abzunehmen. Seit Dezember war die Stele verhüllt. Nun ist das Geheimnis gelüftet: In etwa fünf Metern Höhe ist „Kyocera AVX“ zu lesen. An den einstigen Namen AB Elektronik erinnert im Gewerbegebiet in Klingenberg nur noch eine Halterung auf dem Firmendach, die in den kommenden Tagen entfernt werden soll.

Warum der neue Name? Die verschiedenen Sensoren und Elektronikbauteile des Unternehmens sind schließlich seit 30 Jahren in der Automobilindustrie sehr gefragt. Werkleiter Bick räumt gern ein, dass der neue Name etwas ungewohnt für unsere Ohren klingt. Die AB Elektronik ist jedoch bereits seit 2017 ein Unternehmen der heutigen Kyocera AVX Gruppe. Nun sollen die einzelnen globalen Niederlassungen des Konzerns auch unter einer Marke auftreten und einheitlich den Namensbestandteil Kyocera AVX Components tragen.

Das Werk im Tharandter Wald hat diese Änderung ebenso vollzogen wie beispielsweise die Betriebe in Werne im Münsterland und im österreichischen Salzburg. Der neue Name ändert nichts am Produktionsprofil, bei dem Temperatur-, Druck- und Qualitätssensoren im Mittelpunkt stehen. Mehr als 90 Prozent der Produktion gehen an namhafte Automobil- und Nutzfahrzeughersteller, und so fahren auch in vielen Modellen deutscher Automobilhersteller die Sensoren aus Sachsen mit.

Kyocera setzt auf Märkte in Asien

Mit dem neuen Namen sieht Bick für sein Werk deutliche Vorteile: „Damit werden bestehende Synergien vertieft, das breitgefächerte Vertriebsnetz genutzt und uns zusätzliche Märkte beispielsweise in Asien erschlossen.“ Durch die neue Markenstruktur und die Vereinheitlichung der Firmennamen erfolge zudem eine noch engere Verknüpfung mit dem industriellen Markt, auf dem Kyocera AVX mit elektronischen Komponenten wie Steuerung, Steckverbindungen und Antennenlösungen eine marktführende Position innehat, erläutert er. Mit der größeren Gruppe wachse auch die Strahlkraft des einzelnen Unternehmens. Für die Belegschaft und die Kunden kam die Umbenennung nicht überraschend. Alle Geschäftspartner wurden bereits im Sommer über die Namensänderung informiert.

Weil es im Frankfurter Raum auch ein Klingenberg gibt und das zu Verwechslungen führt, nutzt das Werk die Nähe zur Landeshauptstadt und nimmt Dresden in den Firmennamen. Was sind schon knapp 30 Kilometer Entfernung, wenn man weltweit denkt?

Perspektivisches Denken ist ohnehin ein Qualitätsmerkmal. Schon jetzt werden Teile entwickelt, die in etwa drei Jahren in neue Autos eingebaut werden. Die Expertise von Entwicklern und Prozessexperten ist weltweit anerkannt. Bick geht davon aus, dass das Projektgeschäft mit dem neuen Mobilitätsverständnis und dem sich wandelnden technologischen Markt weitere Impulse erfährt.

Eines dieser neuen Produkte ist ein Hochtemperatursensor für Partikelfilter in Fahrzeugen mit Beninmotoren. Dort gibt er den Impuls für den Verbrennungsprozess der Rußpartikel und trägt damit maßgeblich zur effektiven Abgasreinigung bei. Die neuartigen Sensoren werden nicht nur an europäische Standorte, sondern auch direkt nach China geliefert. Selbstverständlich entwickeln die Klingenberger auch Sensoren und Elektronikbauteile für Hybrid- und E-Fahrzeuge.

Neue Produkte im Visier

Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Der Jahresabschluss entsprach etwa dem Ergebnis von 2019, also vor Corona. Er hätte noch besser ausfallen können, aber es gab es in der zweiten Jahreshälfte einen Dämpfer. Der coronabedingte Mangel an Chips in der Halbleiterindustrie wirkt sich auch auf den Autozulieferer aus. Die Wirtschaft erwartet nun leichte Verbesserungen und das Unternehmen will 2022 auch mit neuen Produkten weiterwachsen.

Rund 400 Frauen und Männer gehören zur Stammbelegschaft. Unter dem Slogan „Wir gestalten die Mobilität der Zukunft“ wirbt Kyocera AVX Components Dresden um neue Mitarbeiter. Entwicklungs-, Qualitäts- und Prozessingenieure, IT-Spezialisten werden ebenso gesucht wie Mechatroniker und Azubis. Interessante Aufgaben, flache Hierarchien und ein attraktives Vergütungssystem sollen ihnen die Entscheidung ebenso erleichtern wie Mitarbeiterkantine mit Essenszuschuss, Sportangebote und Betriebsarzt. Und wie schon gesagt, Dresden ist nur wenige S-Bahn-Minuten entfernt.

Grundstückskauf für weitere Produktionshalle

Im Büro von Thorsten Bick hängt an der Wand ein Plan der Produktionshallen. Die einzelnen Maschinen und Anlagen sind darin blau eingezeichnet. Selbst der Laie erkennt schon auf dem ersten Blick, es ist dort sehr eng. Dabei hat Kyocera AVX für die Produktion bereits weitere Hallen im Umfeld angemietet. „Wir freuen uns, dass wir jetzt kurz vor dem Zukauf eines Grundstücks für einen Neubau stehen. So schaffen wir Voraussetzungen, um die Produktionsfläche zu erweitern“, sagt Bick. 18.000 Quadratmeter ist das Grundstück neben dem Produktionsgebäude groß. Nach dem Kauf können die Planungen vertieft werden. Für mehr Details sei es jedoch noch zu früh, findet der Werkleiter.