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Schmiedeberg: Trauer um früheren Gießerei-Chef

Dietrich Haselwander hat die Schmiedeberger Gießerei durch eine schwere Zeit geführt und sich vielfältig im Ort und in Sachsen engagiert. Ein Nachruf.

Dietrich Haselwander in der Schmiedeberger Gießerei. Ihm ist wesentlich zu verdanken, dass der Betrieb den Umbruch der 1990er-Jahre gut überstanden hat.
Dietrich Haselwander in der Schmiedeberger Gießerei. Ihm ist wesentlich zu verdanken, dass der Betrieb den Umbruch der 1990er-Jahre gut überstanden hat. © Egbert Kamprath

Dietrich Haselwander, der frühere Chef der Schmiedeberger Gießerei, ist am 17. April im Alter von 83 Jahren gestorben, wie seine Familie informiert. Er war Ehrenbürger der Gemeinde Schmiedeberg und in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens aktiv. Die Bandbreite reicht vom Sport, dem er als Vorsitzender der SG Stahl Schmiedeberg verbunden war, bis zur Tarifpolitik, die er als Vorsitzender des Verbands der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie und Präsident der Vereinigung der Arbeitsgeberverbände in Sachsen mit prägte.

Ehrenbürger wegen Rettung der Gießerei

„Sein wesentlicher Verdienst war, dass er die Schmiedeberger Gießerei erhalten und zu einem modernen Industriebetrieb umgestaltet hat. Deswegen haben wir ihn 2005 zum Ehrenbürger ernannt“, sagt Karl-Günter Schneider, Altbürgermeister von Schmiedeberg.

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Die Gießerei war Teil des VEB Ferdinand Kunert. Davon wurde 1991 der Maschinenbau privatisiert und die Gießerei blieb bei der Treuhand. Viele fürchteten schon das Aus. Doch es kam anders.

Konzept für eine moderne Gießerei ausgearbeitet

Damals hat Haselwander ein Konzept für eine moderne Gießerei ausgearbeitet. Dabei ist es ihm gelungen, die Treuhand zu überzeugen, sodass die Bundesbehörde Investitionsmittel bereitstellte. Er lehnte auch Übernahmen ab, solange Interessenten ein tragfähiges Konzept fehlte. Schließlich fiel 1996 die Entscheidung, dass die Schmiedeberger Gießerei mit damals 115 Mitarbeitern und zwölf Lehrlingen an die Geko-Holding in Essen mit mehreren Gießereibetrieben geht. Daraus ist die Dihag entstanden, zu der die Gießerei heute noch gehört. Zum Jahresende 1998 war die Sanierung abgeschlossen und in Schmiedeberg stand eine der modernsten Gießereien Deutschlands. "Er hat die Investitionen so vorangetrieben, dass die Gießerei heute am globalen Markt bestehen kann", sagt Andreas Mannschatz, sein Nachfolger an der Unternehmensspitze. Noch vor dem EU-Beitritt Tschechiens hat Haselwander auch Kooperationen mit Partnern im Nachbarland begonnen.

Engagiert für die Ausbildung des Nachwuchses

So war der Betrieb gesichert. Die Gießerei hat dann mit dem Projekt „Schule im Betrieb“, das Haselwander mit dem damaligen örtlichen Schulleiter Karl-Heinz Jungnickel auf den Weg gebracht hat, wesentlich zum Erhalt der Oberschule Schmiedeberg beigetragen. Diese stand einige Jahre auf der Kippe, hatte aber mit ihrem engen Kontakt zur Gießerei ein Alleinstellungsmerkmal, das sie attraktiv machte. Haselwander hat sich auch an der Spitze des Ausbildungsrings Arimes der sächsischen Metall- und Elektroindustrie für den Berufsnachwuchs stark gemacht.

Ausgezeichnet mit Löwe, Oskar und Weißeritztaler

2005 zog er sich aus der Geschäftsleitung zurück. Er war hochdekoriert, unter anderem mit Sachsens Managementpreis „Silberner Löwe“, dem Oskar für den Mittelstand, der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde und einem Weißeritztaler vom Landrat.

Haselwander stammte aus Thüringen, wo er 1937 in Leinefelde zur Welt kam. 1950 zog die Familie nach Geising und Dietrich Haselwander, den seine Freunde meist „Herbert“ nannten, besuchte in Altenberg die Oberschule. An der TU Dresden studierte er Ingenieurökonomie mit der Ausrichtung auf Maschinenbau. Von 1962 bis 1965 arbeitet er beim VEB Rechenelektronik in Glashütte und wechselte dann zum Ferdinand-Kunert-Werk nach Schmiedeberg. Er hinterlässt seine Frau, zwei Kinder und Enkel. Das Begräbnis findet jetzt in der Corona-Zeit im engen Rahmen der Familie statt.

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