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Neue Eigentümer für die Sauna-Manufaktur

Der Generationswechsel ist für Betriebe eine Hürde. Zwei Handwerksbetriebe in den Klingenberger Ortsteilen Borlas und Ruppendorf haben eine Lösung gefunden.

Der alte und die neuen Chefs der Sächsischen Saunamanufaktur, v.l. René Ebert, Heiner Lehmann und Manuel Reichelt.
Der alte und die neuen Chefs der Sächsischen Saunamanufaktur, v.l. René Ebert, Heiner Lehmann und Manuel Reichelt. © Egbert Kamprath

Die „Sächsische Saunamanufaktur“ im Klingenberger Ortsteil Borlas wechselt die Besitzer. Heiner Lehmann, der bisherige Inhaber, ist vergangenes Jahr 65 Jahre alt geworden. Er zieht sich zurück und übergibt den Handwerksbetrieb an die Firma Reichelt – die Einrichter aus dem Nachbarort Ruppendorf.

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Damit bleibt eine Handwerkstradition erhalten, die mehrere Generationen zurückreicht. Früher war der Borlaser Betrieb eine Stellmacherei, die hölzerne Fuhrwerke für die Bauern gefertigt hat. Als die vor einer Generation umgestellt haben auf Metallwagen mit Gummireifen, mussten sich die Stellmacher neu ausrichten. Lehmanns Vater hat zeitweise Ski hergestellt und Gestelle für Möbel.

Hier erneuerte Heiner Lehmann 2014 Teile der Sauna im Erlebnisbad Paulsdorf an der Talsperre Malter.
Hier erneuerte Heiner Lehmann 2014 Teile der Sauna im Erlebnisbad Paulsdorf an der Talsperre Malter. © Egbert Kamprath
Ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte. Der SZ-Bericht dokumentiert die Situation, nachdem im Juni 2006 nach einem Blitzschlag die Werkstatt abgebrannt ist.
Ein Tiefpunkt in der Firmengeschichte. Der SZ-Bericht dokumentiert die Situation, nachdem im Juni 2006 nach einem Blitzschlag die Werkstatt abgebrannt ist. © Screenshot SZ/Herz

Zweites Standbein gesucht und den Saunabau begonnen

Heiner Lehmann hat erst woanders gearbeitet und ist 1989 in den väterlichen Betrieb eingestiegen, ehe er diesen 1994 selbst übernommen hat. In den ersten Jahren hat er für eine Firma Treppen eingebaut. Daneben hat er sich nach einem zweiten Standbein umgesehen, weil der Bedarf an neuen Treppen zurückgegangen ist. So kam er in Kontakt zu einem schwedischen Sauna-Hersteller. Lehmann ist auch mal nach Schweden gefahren, um sich den Betrieb anzusehen und hat begonnen für diesen Saunen einzubauen.

Aber dabei kamen immer mehr Spezialwünsche auf ihn zu. Sondermaße wurden verlangt. „Versuchen sie das einmal am Telefon nach Schweden durchzugeben“, sagt er und schüttelt den Kopf. So hat er begonnen, die Sonderwünsche selbst zu erfüllen und hat sich seine eigene Saunawerkstatt eingerichtet. 2011 ließ sich Lehmann auch die Marke „Sächsische Saunamanufaktur“ beim Deutschen Patent- und Markenamt schützen.

Kunden bis in Brandenburg und Thüringen

Lehmann ging auf die Haus-Messe nach Dresden, um sich bekannt zu machen. Er hat seine Kunden gefunden, schwerpunktmäßig in Sachsen, viele in den Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz. Aber er und seine Mitarbeiter sind zur Montage auch mal nach Brandenburg oder Thüringen gefahren.

„Es gab Höhen und Tiefen, aber die letzten Jahre hatten wir gut zu tun“, erzählt er. Ein besonderer Tiefpunkt der Firmengeschichte war der Montag im Juni 2006, als ein schweres Gewitter über Borlas stand und ein Blitz die Werkstatt traf. Sie brannte aus und es hat mehrere Monate gedauert, bis die Borlaser Saunabauer wieder arbeitsfähig waren. „Eine Kundin wartete auf ihre Sauna. Die stand schon fertig in der Werkstatt, ist aber mit abgebrannt“, erinnert sich Lehmann.

Kontakt kam über den Handels- und Gewerbeverein

Aber er hat diese Zeit gemeistert. Und jetzt hat er etwas geschafft, was für viele Unternehmen auch eine große Hürde ist, die Betriebsübergabe. In der eigenen Familie hat er keinen Nachfolger. Er kannte aber René Ebert und Manuel Reichelt vom Handels- und Gewerbeverein Höckendorf. „Wir sind so mal ins Gespräch gekommen“, sagt Ebert, und jetzt sind sie sich handelseins geworden. Seit diesem Monat gehört die Saunamanufaktur der Reichelt – die Einrichter OHG mit Sitz in Ruppendorf. Sie hat auch die beiden Mitarbeiter René Bleek und Robin Schmid übernommen.

Einheimische Handwerksbetriebe mit langer Geschichte

„Das passt. Wir sind beide einheimische Handwerksbetriebe und Familienunternehmen, Lehmann in der vierten Generation, Reichelt in der siebten Generation. Die Tradition geht weiter“, sagt Manuel Reichelt. Reichelt hat sich aus einer Sattlerei entwickelt. Heute hat das Unternehmen seine Werkstatt in Ruppendorf und eine Verkaufsniederlassung in Dresden am Fetscherplatz. Von dort aus bietet das Unternehmen alles an rings um die Inneneinrichtung, Fußbodenverlegung, Gardinen, Möbelpolsterei. Dieses Spektrum wird jetzt um den Saunabau ausgeweitet. Privatleute bilden den Kundenkreis ebenso wie Hotels.

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Das Einrichtungshaus beschäftigt 28 Mitarbeiter. „Wir erweitern damit unser Angebotsspektrum nicht nur für die Kunden, sondern auch für unsere Mitarbeiter. Auszubildende können damit auch die Holzverarbeitung noch intensiver kennenlernen“, sagt Reichelt.

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