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Reichstädt: So geht Online-Geschäft auf dem Dorf

Die Vorbereitungen für die neue Industriehalle haben etliche Jahre gedauert. Jetzt geht es Schlag auf Schlag.

Von Franz Herz
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Hier stehen beim Richtfest für die neue Halle in Reichstädt, Ondis24-Geschäftsführer Thomas Kreher (v.r.) und Kenneth Markert, Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Werner Gansohr, Prokurist der beauftragten Firma Freyler Industriebau.
Hier stehen beim Richtfest für die neue Halle in Reichstädt, Ondis24-Geschäftsführer Thomas Kreher (v.r.) und Kenneth Markert, Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Werner Gansohr, Prokurist der beauftragten Firma Freyler Industriebau. © Egbert Kamprath

Es war ein etwas anderes Richtfest, das der Onlineversand Ondis24 diese Woche auf dem Industriegebiet in Reichstädt ausgerichtet hat. Hier steht kein Zimmermann auf dem Dachstuhl. Denn Holz spielt auf dieser Baustelle kaum eine Rolle. Gigantische Stahlbetonträger überspannen das künftige Lager des Versandunternehmens.

Die Halle wird 80 Meter lang und 60 Meter breit. Innen ist sie zwölf Meter hoch. In den letzten Wochen haben die Bauleute die Träger aufgestellt, sodass diese Ausmaße klar zu erkennen sind. Dazu kommt noch das Verwaltungsgebäude.

Zum Spatenstich im Juli war das nur zu erahnen. Damals markierten Pfähle die Ecken des Baus. Jetzt geht es zügig voran. „Wir hoffen, dass wir noch vor dem Wintereinbruch das Dach drauf bekommen“, sagt Steffen Engert, der als Projektleiter bei Freyler Industriebau aus Riesa für die Baustelle verantwortlich ist. Aber selbst wenn das nicht klappt, steht die Baustelle nicht still. „Dann wird am Verwaltungsgebäude weitergearbeitet“, sagt Thomas Kreher, Gründer und zusammen mit seinem Neffen Kenneth Markert Geschäftsführer des Onlineversands.

In der Garage angefangen, jetzt entsteht die große Halle

Er hat mit dem Online-Geschäft in seiner heimischen Garage angefangen, ist dann in Räume der ehemaligen Ratsmühle in Dippoldiswalde gezogen und von dort nach Schmiedeberg in die Industriehalle an der Bundesstraße B170, die früher zum VEB Ferdinand Kunert gehört hat. Das Unternehmen wächst stetig. Kreher will aber keine Umsatzzahlen nennen, auch nicht die Kosten des Neubaus.

Automatisiertes Hochregallager wird hier eingerichtet

Aber um das Wachstum zu bewältigen, benötigt das Unternehmen mehr Platz und muss rationalisieren, und das ist der wesentliche Zweck des Neubaus. Dort wird ein modernes Hochregallager eingebaut. Hier fahren einmal automatisierte Stapler und sammeln die Waren für die einzelnen Bestellungen ein. „Dort ist noch ein Mitarbeiter dabei. Der hat aber im Wesentlichen nur eine Überwachungsfunktion“, erzählt Kreher, wie er sich die Arbeit künftig vorstellt.

Ondis24 gibt Halle in Schmiedeberg nicht auf

Die angemietete Halle in Schmiedeberg will er aber dennoch weiter behalten. „Wir haben ja auch eine eigene Produktion, stellen selbst Paketboxen her“, sagt er. Dafür benötigt er auch Raum.

Die „Onlinediscount24 eSales GmbH“, kurz Ondis24, hat er vor zehn Jahren gegründet. Das Unternehmen vertreibt Garten- und Werkstattmöbel sowie Aufbewahrungssysteme. Heute beschäftigt es 35 Mitarbeiter und ist laufend weiter auf der Suche. Mitarbeiter im Lager sind dabei nur ein Profil. Ondis24 benötigt Konstrukteure, Kaufleute für E-Commerce und Informatiker. Sie alle sollen in dem Neubau moderne und interessante Arbeitsplätze bekommen. Um Nachwuchs zu gewinnen, beteiligt sich Ondis24 auch an der Fachkräfteallianz des Landkreises mit einem Projekt, bei dem Arbeitsabläufe in der Logistik digitalisiert werden.

In Reichstädt werden in den kommenden Wochen die Außenwände zwischen die Betonträger gesetzt. Das werden Sandwichpaneelen, in die schon die Wärmedämmung eingebaut ist. Und das Dach wird montiert. Dann beginnt parallel mit dem Baufortschritt auch schon die Installation der gesamten Technik. Davon muss einiges unter der Bodenplatte eingebaut werden, bevor diese betoniert werden kann. Wenn in der Halle künftig ein Hightech-Unternehmen arbeitet, stellt das auch ebensolche Anforderungen an den Bau.