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Wie Sachsenküchen durch Corona kommt

Wenn die Menschen mehr zu Hause leben müssen, gewinnt die Küche an Bedeutung für den Alltag. Darauf baut Geschäftsführer Elko Beeg seinen Grundoptimismus.

Hier sitzt Elko Beeg, der Geschäftsführer von Sachsenküchen in Obercarsdorf in einer Wohnküche in der Musterausstellung seines Unternehmens.
Hier sitzt Elko Beeg, der Geschäftsführer von Sachsenküchen in Obercarsdorf in einer Wohnküche in der Musterausstellung seines Unternehmens. © Karl-Ludwig Oberthür

Elko Beeg, Geschäftsführer der Sachsenküchen Hans-Joachim Ebert GmbH im Dippoldiswalder Ortsteil Obercarsdorf, hat im vergangenen Jahr weniger Zeit in seiner Küche zu Hause verbracht als in Vor-Corona-Zeiten. Er ist damit ein Ausnahmefall. Viele Menschen sind jetzt öfter zu Hause, kochen mehr selbst, und das ist ein Glück für Sachsenküchen.

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Sachsenküchen ist bisher gut durch die Coronazeit gekommen und hatte ab Juni 2020 nach einer Delle wieder viel Arbeit. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 3,2 Prozent auf 47,2 Millionen Euro gesteigert. Dem gingen aber zwölf Monate mit Höhen und Tiefen voraus.

Grenzschließungen trafen hart

Es ging los, als im vergangenen März der erste Lockdown kam. „Da haben wir in alle Richtungen gedacht. Wir wussten, die nächste Zeit wird speziell“, formuliert Beeg die Unsicherheit, die damals herrschte. Es ging dann erstmal nach unten. „Im April haben wir über einen Plan B nachgedacht“, erinnert er sich. Manche Länder haben ihre Grenzen geschlossen. Das traf den Betrieb hart, der 50 Prozent seines Umsatzes im Export macht. Frankreich ist beispielsweise ein wichtiger Absatzmarkt.

Ende März ging der Betrieb in Kurzarbeit. Es gab aber Abteilungen, die besonders gefordert waren. „Es gab ja Unsicherheiten, ob unsere Lkw über die Grenzen kommen. Wir haben vor jeder einzelnen Lieferung telefoniert, damit sie auch sicher ankommt“, erinnert sich Beeg. Es hätte ja sein können, dass ein Küchenstudio in Quarantäne ist und keine Ware annehmen kann.

Die Küche hat eine Aufwertung erfahren

Zur gleichen Zeit saßen aber viele Menschen öfter zu Hause als in Vor-Corona-Zeiten. Sie bereiteten sich ihr Essen selbst zu, anstatt in die Kantine oder ins Restaurant zu gehen. Dabei entdeckten Sie ihre engste Umgebung und auch ihre Küche neu. „Es hat sich gezeigt: Das eigene Zuhause als Rückzugsmöglichkeit ist von unschätzbarem Wert“, sagt Beeg. „Unser Produkt Küche hat eine Aufwertung erfahren. Es ist mehr als nur ein Ort zur Speisenzubereitung, es ist ein Lebensraum, ein Wohlfühlbereich.“

Und zugleich gibt es viele Wirtschaftsbereiche, die auch in der Pandemie funktionieren, ihren Mitarbeitern weiter ihr Einkommen sichern. Viele Möglichkeiten, um dieses Geld auszugeben, sind aber eingeschränkt. Fernreisen beispielsweise fallen aus. So bleibt Geld übrig in der Urlaubskasse, das mancher in seine Küche investiert.

Ab Anfang Juni Vollgas gefahren

Das spürte das Obercarsdorfer Unternehmen ab Mai. „Es ging rapide bergauf“, sagt Beeg. Neue Aufträge liefen ein. „Ab Anfang Juni sind wir Vollgas gefahren und hatten über den Sommer richtig viel zu tun.“ So wurden die Verluste aus dem Frühjahr ausgeglichen und am Jahresende ein Plus erwirtschaftet. Das verteilte sich aber ungleich. Im Inland gingen die Absätze um 12,8 Prozent nach oben, im Ausland um 5,5 Prozent zurück.

Dennoch bleibt der Export ein wichtiges Standbein für die Obercarsdorfer. Ihre Küchen gehen in 22 Länder. Wichtig sind die Nachbarländer Frankreich, Niederlande, Belgien, Österreich oder die Schweiz. Seit letztem Jahr ist Sachsenküchen auch in Spanien vertreten. „Küchen aus Deutschland ist aber weltweit ein Qualitätsbegriff“, sagt Beeg. Sachsenküchen stehen auch in Russland oder Dubai.

Moderne Fertigung für individuelle Küchen

Sachsenküchen ist einer von rund 50 Küchenherstellern in Deutschland. Das Unternehmen will sich vor allem durch die individuelle Fertigung von den Wettbewerbern absetzen. Seit 2018 ist die gesamte Produktion auf die Stückzahl-Eins-Fertigung ausgerichtet. Es wird also keine Küche vorgefertigt, sondern jede wird einzeln nach den Wünschen der Kunden produziert. "Da spielt der Manufakturgedanke mit hinein", sagt Beeg.

Mit einer hochmodernen Produktionsanlage ist das möglich. Sachsenküchen will hier dieses und nächstes Jahr rund zwölf Millionen Euro investieren. Der Aufbau einer neuen automatischen Montagelinie und einer Sortieranlage für Küchenteile sind geplant.

Diese Produktion erfordert qualifizierte Mitarbeiter. Insgesamt hat das Unternehmen 240 Beschäftigte, davon sind 15 in Ausbildung. Wichtigster Lehrberuf ist dabei der Möbeltischler. Zwei Studenten für Holztechnik absolvieren ein duales Studium parallel im Betrieb und an der Berufsakademie in Dresden.

Alle sind jetzt gespannt, wie es weitergeht. Wesentliches Hemmnis für die Branche sind die Einschränkungen im Einzelhandel. Im Dezember, als die Geschäfte in den zweiten Lockdown gehen mussten, waren die Auftragsbücher vieler Möbelhersteller noch gut gefüllt. „Jedoch hätte keiner damit gerechnet, dass diese Maßnahme bis Mitte März verlängert wird“ sagt Beeg. Mittlerweile sind die Auftragsbücher leer. Die Händler kämpfen teilweise um ihre Existenz und in vielen Bereichen der Möbelindustrie herrscht Kurzarbeit.

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Bisher kann niemand sagen, ob es wieder zu einem Aufschwung wie im Sommer 2020 kommen wird. Die Bedeutung der Küche als zentraler Raum in den Wohnungen bleibt. Der Küchenfachhandel kann sich auch während des Lockdowns durch telefonische Beratung und Online-Service behelfen. Dennoch hat die Schließung der Geschäfte ihre Spuren hinterlassen. "Hochwertige Möbel muss man sehen und fühlen. Der Eindruck von Farben und Materialien lässt sich nur schwer beschreiben. Auch der persönliche Kontakt mit dem Küchenplaner hat einen hohen Stellenwert bei den Kunden", teilt Beeg mit. Aber Beeg behält seinen Grundoptimismus für Sachsenküchen, auch wenn er in diesen schwierigen Zeiten weiter viel Arbeit und wenig Gelegenheit hat, die eigene Küche zu genießen.

Der letzte Abschnitt wurde gegenüber der ersten Version des Artikels um eine Einschätzung von Elko Beeg ergänzt.

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