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Selectrona investiert wieder

Die Insolvenz des Zulieferbetriebs liegt über ein Jahr zurück. Jetzt wird aufgeholt, aber dabei gibt es unerwartete Hindernisse.

Diese Produktionslinie mit über 60 Arbeitsplätzen hat Selectrona aus seinem tschechischen Betriebsteil in Koŝtany an den Hauptsitz in Reinholdshain verlagert.
Diese Produktionslinie mit über 60 Arbeitsplätzen hat Selectrona aus seinem tschechischen Betriebsteil in Koŝtany an den Hauptsitz in Reinholdshain verlagert. © Egbert Kamprath

Der Technische Ausschuss der Stadt Dippoldiswalde hat auf seiner jüngsten Sitzung einem Bauvorhaben der Selectrona GmbH im Gewerbegebiet Reinholdshain zugestimmt. Das Unternehmen will den Bereich, wo die Lkws anliefern, überdachen. Das ist ein gutes Zeichen: Selectrona investiert wieder.

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Das war vor allem im Jahr 2019 gar nicht möglich. 2018 ist Selectrona in Schwierigkeiten geraten und musste Insolvenz anmelden. Der Betrieb lief zwar weiter, die Arbeitsplätze blieben erhalten, aber in dieser Zeit war kein Geld für Investitionen da. „Aus der Insolvenz sind wir jetzt definitiv raus“, sagt Geschäftsführer Walter Gebert, der das Ruder bei Selectrona Anfang letzten Jahres übernommen hat. Er berichtet, dass Selectrona bei Kreditversicherungen und Kunden wieder gut eingestuft sei. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 54 Millionen Umsatz gemacht mit einem guten Betriebsergebnis. Dieses Jahr peilt er 60 bis 62 Millionen Umsatz an. Selectrona produziert komplizierte Teile aus Kunststoff und Metall, die vor allem in Autos eingesetzt werden.

Mit Corona wurde die Grenze wieder zur ernsten Hürde

2020 stand im Zeichen von Corona. Das hat vergangenes Frühjahr einen deutlichen Auftragsrückgang gebracht und vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Standorten von Selectrona gestört. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Reinholdshain und je einen Betriebsteil im Glashütter Ortsteil Schlottwitz sowie in Tschechien in Koŝtany.

Durch Corona ist die deutsch-tschechische Grenze aber wieder zur ernsthaften Hürde geworden. Normalerweise haben Techniker aus Reinholdshain die Abteilung in Tschechien unterstützt. Aber das war nicht mehr möglich. Es kam sogar soweit, dass eine Maschine in Tschechien auf den Lkw geladen wurde, nach Reinholdshain gefahren, repariert und wieder zurückgefahren wurde. Der einfachere Weg, dass ein Mitarbeiter im Pkw nach Tschechien fährt, war versperrt. Deswegen hat Gebert entschieden, wieder mehr Arbeiten in Reinholdshain zu konzentrieren.

Montagelinie und Lager kehren nach Reinholdshain zurück

Eine Montagelinie mit über 60 Arbeitsplätzen hat er in einer Wochenendaktion aus Koŝtany nach Reinholdshain verlagert. Der tschechische Betriebsleiter hatte auch angezeigt, dass Leiharbeiter aus der Ukraine, die er benötigt, nicht mehr ins Land kommen durften. Mitarbeiter zu finden ist auch in Tschechien nicht einfach.

Außerdem gibt Selectrona das Lager auf, das sie 2015 nach Dubí verlegt hatte. Jetzt wird alles wieder in Reinholdshain eingelagert. Deswegen ist erst die kleinere Investition von rund einer halben Million Euro erforderlich, um den Anlieferbereich zu überdachen, berichtet Herbert Bender, der technische Leiter. Darüber hinaus ist der Neubau einer Logistikhalle für knapp zwei Millionen Euro geplant. Weitere Investitionen sind die nächsten zwei Jahren vorgesehen. Es geht hier um den Ersatz vorhandener Anlagen, für den in Zeiten der Insolvenz keine Mittel da waren. So wird eine neue Software für die Planung des Materialeinsatzes im Betrieb angeschafft.

Kunststoff und Arbeitskräfte sind knapp

Im Coronajahr 2020 schlug ab September die Stimmung wieder um. Die Aufträge zogen an. Plötzlich hatte die Geschäftsleitung mit Materialengpässen zu kämpfen. Kunststoffgranulat wurde auf dem Weltmarkt knapp. Und ein Produkt, das Daimler in seine Elektro- und Hybridautos einbaut, ist äußerst gefragt. „Die Produktion läuft dort die ganze Woche rund um die Uhr“, sagt Gebert. Diese Situation hält immer noch an.

Die Probleme auf der Materialseite hängen mit den weltweiten Lieferwegen zusammen. So hatte Texas im vergangenen Frühjahr einen schweren Wintereinbruch, der unter anderem einen großen Kunststoffhersteller lahmlegte. Die Folgen davon sind bis ins Osterzgebirge zu merken.

Außerdem spürt auch Selectrona, dass gute Mitarbeiter knapp sind. Bei Selectrona sind rund 360 Menschen beschäftigt, dazu kommen 15 Auszubildende, 66 Leiharbeiter sowie acht Aushilfen. „Der Arbeitsmarkt ist tot“, stellt Gebert fest. Über Leiharbeitsfirmen bekommt er noch Mitarbeiter. Darunter sind inzwischen auch eine Reihe von Geflüchteten, die in den letzten Jahren neu ins Land gekommen sind. „Da gab es erst Skepsis bei uns. Aber die sind relativ zuverlässig“, beobachtet der Geschäftsführer. Die Firma hat sich auch auf die muslimischen Gebetszeiten eingerichtet und dafür einen Raum zur Verfügung gestellt.

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