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Stoßen sich Bergbau und Windkraft?

Die neuen Pläne zur Rohstofferkundung in Sadisdorf reichen weiter als die bisherigen. Auf Teilen der Fläche gibt es aber schon andere Planungen.

Anja Ehser steht hier vor der Pinge in Sadisdorf. Dieses Foto entstand vor drei Jahren, als ihr Unternehmen Tin International dort Probebohrungen gemacht hat. Jetzt will es das Vorhaben wieder aufgreifen.
Anja Ehser steht hier vor der Pinge in Sadisdorf. Dieses Foto entstand vor drei Jahren, als ihr Unternehmen Tin International dort Probebohrungen gemacht hat. Jetzt will es das Vorhaben wieder aufgreifen. © Frank Baldauf

In der Nähe des Dippser Ortsteils Sadisdorf liegt zum einen die Pinge, auf die sich das Interesse von zwei Rohstofffirmen richtet. Dort befindet sich aber auch ein Vorranggebiet für Windkraft. Diese Flächen überlappen sich teilweise. Darauf hat der Hennersdorfer Ortsvorsteher Henry Krenz (Freie Wähler) auf der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses Dippoldiswalde hingewiesen.

Zwei Interessenten stehen in Konkurrenz

Die Stadt Dippoldiswalde ist vom Oberbergamt informiert worden, dass zwei Anträge für die Erkundung von Rohstoffen bei Sadisdorf vorliegen. Zum einen will Tin International das Projekt in Sadisdorf wiederaufnehmen. Das Leipziger Unternehmen, das zur Deutschen Rohstoff AG gehört, war schon einmal in Sadisdorf aktiv. Es hat die Rechte dann aber an Lithium Australia abgegeben, die sich anders ausgerichtet hat und das Projekt Sadisdorf 2020 aufgegeben hat.

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Zum anderen hat die Deutsche Lithium, die in Freiberg ansässig ist, und zur Zinnwald Lithium PLC gehört, Interesse angemeldet. Sie will in Zinnwald ein Bergwerk mit Aufbereitungsanlage bauen. Die Anlagen dort könnten besser ausgelastet werden, wenn weiteres Erz dort verarbeitet würden. Sadisdorf könnte das liefern. Die jetzt beantragten Erkundungsgebiete sind größer als das bisherige. Daher kommt es zu der Überschneidung mit dem Windgebiet.

Stadt Dipps erwartet gute Außenwirkung vom Bergbau

Wer von beiden Unternehmen den Zuschlag bekommt, entscheidet das Oberbergamt. Allerdings hört dies dazu eine Reihe betroffener Behörden vor der Entscheidung an. Die Stadt Dipps gehört auch dazu, schließlich spielen die Planungen innerhalb ihrer Grenzen. Also beschäftigte das auch die Stadträte im Ausschuss.

Der Beigeordnete Peter Antoniewski sagte: „Das kann etwas sehr Positives sein, wenn die Region wieder Bergbaugebiet ist.“ Er erwartet davon einen Gewinn für die Außenwirkung der Stadt und stellte in Aussicht, dass die Stadtverwaltung das Vorhaben positiv begleiten werde.

Dippoldiswalde wurde ja wegen seines mittelalterlichen Bergbaus in das UNESCO-Welterbe-Projekt Montanregion Erzgebirge aufgenommen. Wenn der historische Bergbau durch aktuelle Aktivitäten ergänzt würde, wäre das ein Gewinn für die Bergstadt Dippoldiswalde.

Wo werden die Steuern bezahlt?

Kritik kam von Michael Heyde (AfD), dass ein Unternehmen aus Leipzig sich für das Sadisdorfer Projekt bewirbt. „Dann gehen die Gewerbesteuern ja nach Leipzig, und bleiben nicht in Dipps“, sagt er. Der Dippser Ortsvorsteher Dirk Massi (Freie Wähler) entgegnete dem, dass kein einheimisches Unternehmen ein Projekt in dieser Größenordnung bewältigen kann, aber dabei Arbeitsplätze geschaffen werden.

Letztlich gestand Hans-Jürgen Czwink (Unabhängige Bürger) ein, dass ihm als Stadtrat das Wissen fehlt, um hier Vorschläge für eine Entscheidung zu machen. Antoniewski sagte, dass auch er dabei voll auf die Experten im Oberbergamt in Freiberg vertrauen werde.

Schürfungen und Probebohrungen erwartet

Die jetzt beantragte Lizenz wird noch keine allzu großen Auswirkungen auf die Umgebung haben. Es geht um das Zusammentragen vorhandener Informationen aus den Archiven in Freiberg sowie um die Ergänzung der Unterlagen durch eigene Forschungen. „Das kann von Schürfungen bis zu Probebohrungen reichen“, sagte Antoniewski. Solche Vorhaben bringen normalerweise keine großen Belastungen für die Umgebung. Das würde sich erst ändern, wenn die Erkundungen positiv ausgingen und in Sadisdorf der Bergbau wiederauflebt.

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Dazu muss aber erst auch geklärt werden, inwieweit sich die Windkraftpläne und die Bergbaupläne ohne gegenseitigen Schaden vertragen. „Wir werden beim Oberbergamt wegen dieser Überlappung nachfragen“, kündigte Antoniewski an.

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