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Wer adoptiert die Dippser Blumenkinder?

Eva und Thomas Fröde, die Hersteller der Holzfiguren von Weha-Kunst, wollen in den Ruhestand wechseln. Die Produktion geht wahrscheinlich nach Seiffen.

Eva und Thomas Fröde, die Inhaber von Weha-Kunst in Dippoldiswalde, verhandeln aus Altersgründen über die Übergabe ihrer Volkskunstproduktion.
Eva und Thomas Fröde, die Inhaber von Weha-Kunst in Dippoldiswalde, verhandeln aus Altersgründen über die Übergabe ihrer Volkskunstproduktion. © Egbert Kamprath

Die Blumenmädchen und Osterfiguren von Weha-Kunst in Dippoldiswalde erleben jetzt, wenige Wochen vor Ostern ihre jährliche Hochsaison. Es kann aber sein, dass es ihr letzter Frühling in Dippoldiswalde ist. Denn ihre Hersteller, Eva und Thomas Fröde, wollen sich aus dem Geschäft zurückziehen. „Aus Altersgründen. Wir sind beide 66 Jahre alt“, sagt Thomas Fröde.

Produktion soll erhalten bleiben

Sie stehen in Verhandlungen mit Volkskunstbetrieben aus dem Seiffener Raum, welche die Tradition von Weha-Kunst weiterführen sollen. „Wir haben mehrere Interessenten. Voraussichtlich wird im März die Entscheidung fallen“, sagt Thomas Fröde. Danach soll die Zeit noch genutzt werden, um die neuen Inhaber in die Besonderheiten von Weha-Kunst einzuführen, ihre Beschäftigten einzuarbeiten. „Es geht uns darum, dass die Figuren erhalten bleiben und weiter hergestellt werden“, sagt Thomas Fröde.

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Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das dann aber nicht mehr in Dippoldiswalde geschehen. Die Räume an der Niedertorstraße müssten dafür gründlich modernisiert werden. „Das hätten wir gemacht, wenn wir in der Familie eine Nachfolgelösung gefunden hätten“, sagt Fröde. So kam es aber nicht. Daher werden die Blumenkinder künftig woanders gedrechselt und bemalt.

Der letzte Hersteller traditioneller Volkskunst würde damit aus dem Osterzgebirge verschwinden. Der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller verzeichnet außerhalb des Erzgebirges noch zwei Hersteller, einen in Pulsnitz und einen in Stolpen. Die nächstgelegenen zu Dippoldiswalde sind in Hainichen, Dorfchemnitz oder Olbernhau ansässig.

Jetzt will Fröde noch alle rechtlichen Fragen klären. „Wir lassen uns dazu von der Handwerkskammer beraten“, sagt er. Dann soll die Entscheidung fallen, wer die Figuren künftig herstellen darf, und der Vertrag wird geschlossen.

Die Idee kam von einem Architekten

Weha-Kunst ist eine Abkürzung für „Werkstatt Haupt“. Fritz Haupt, der Vater von Eva Fröde, hat die Formen entworfen. Er hat an der TU Dresden Architektur gelehrt und nach 1945 als Broterwerb begonnen, Holzfiguren herzustellen. In Zusammenarbeit mit Max Schanz, dem ehemaligen Leiter der Spielzeugmacherschule in Seiffen, hat er die Produktion der typischen Weha-Figuren aufgenommen.

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1996 sind Eva und Thomas Fröde in den väterlichen Betrieb eingestiegen, den sie 2003 ganz übernommen haben. Sie entwickelten das Sortiment weiter und hatten vier Mitarbeiter beschäftigt. Wenn aber jemand in Ruhestand ging, haben sie zuletzt niemanden mehr neu eingestellt, im Hinblick darauf, dass sie den Betrieb nicht weiterführen wollen. Es liegt an den künftigen Eltern der Blumenkinder, die Produktion auch wieder zu erweitern.

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