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Zwei Konkurrenten um Berglizenz Sadisdorf

Die einen wollen an begonnene Arbeiten anknüpfen, die anderen ihr Hauptprojekt abrunden. Das Oberbergamt ist der Schiedsrichter.

2018 hat das Leipziger Unternehmen Tin International in Sadisdorf Erkundungsbohrungen machen lassen. Später wurde die Lizenz verkauft. Jetzt haben die Leipziger wieder Interesse daran.
2018 hat das Leipziger Unternehmen Tin International in Sadisdorf Erkundungsbohrungen machen lassen. Später wurde die Lizenz verkauft. Jetzt haben die Leipziger wieder Interesse daran. © Karl-Ludwig Oberthür

Zwei Firmen haben beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg eine neue Erlaubnis zur Erkundung von Rohstoffen im Feld Sadisdorf beantragt, wie das Amt auf Anfrage von Sächsische.de informierte. Beide Unternehmen mischen seit Jahren beim neuen Berggeschrei im Osterzgebirge mit. Es handelt sich um die Tin International in Leipzig und die Deutsche Lithium aus Freiberg.

Erz im Kupfergrübner Stollen in Sadisdorf. Die Lagerstätte enthält verschiedene Rohstoffe. Derzeit steht Lithium im Fokus.
Erz im Kupfergrübner Stollen in Sadisdorf. Die Lagerstätte enthält verschiedene Rohstoffe. Derzeit steht Lithium im Fokus. © Karl-Ludwig Oberthür

Beide Firmen konzentrieren sich auf das Gebiet rund um die Sadisdorfer Pinge, wo zuletzt Lithium Australia mit seiner deutschen Tochter Trilithium aktiv war. Es hat aber das Interesse an dem Projekt verloren und die Lizenz auslaufen lassen.

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Deutsche Rohstoff AG ist seit 2007 im Ostergebirge aktiv

Tin International kennt dieses Gebiet schon. Das Leipziger Unternehmen ist eine mehrheitliche Tochter der Deutschen Rohstoff AG. Die hatte schon 2007 eine Lizenz zur Rohstoffgewinnung im Osterzgebirge beantragt, ist damals aber nicht zum Zuge gekommen. Seinerzeit hat das Oberbergamt der kanadischen Firma Tinco den Vorzug gegeben. Die hat sich einige Jahre später aber wieder zurückgezogen.

2013 hat die Deutsche Rohstoff AG mit der Tochterfirma Sachsenzinn, die dann zu Tin International umbenannt wurde, die Lizenz zur Erkundung von Sadisdorf bekommen und dieses Projekt in den Folgejahren auch vorangetrieben. Schwung bekam es vor allem, weil sich der Fokus verlagerte. Mit der zunehmenden Bedeutung der Elektroautos stand nicht mehr Zinn im Vordergrund des Interesses, sondern Lithium. Das ist ein wichtiger Grundstoff zur Herstellung von Stromspeichern, wie sie in mobilen Elektrogeräten eingebaut sind.

2017 begann Tin International eine Zusammenarbeit mit Lithium Australia und startete eine Bohrkampagne in Sadisdorf bis 300 Meter Tiefe. Schließlich verkaufte das Leipziger Unternehmen die Lizenzen für Sadisdorf und auf der Hegelshöhe bei Bärenstein an den Partner Lithium Australia für zwei Millionen Euro, wovon drei Viertel in Form von Aktienanteilen bezahlt wurden, wie das Unternehmen mitteilte. Lithium Australia hat eine neue Aufbereitungstechnik, bei der Lithium nicht durch Rösten, sondern durch Laugen aus dem Erz gelöst wird. Inzwischen hat sich das australische Unternehmen wieder anders orientiert. Die Lizenzen sind ausgelaufen.

Deutsche Lithium kann mit Sadisdorf ihr Projekt ergänzen

Der zweite Bewerber ist die Deutsche Lithium GmbH, die zum Teil der Zinnwald Lithium PLC gehört, die an der Londoner Börse notiert ist, und zum anderen Teil dem insolventen Solarworld-Konzern. Dieses Unternehmen plant in Zinnwald ein Bergwerk mit einer Aufbereitungsanlage in Altenberg. Deutsche Lithium-Geschäftsführer Armin Müller erklärt, warum weitere Lizenzen für sein Unternehmen sinnvoll sind. Solche „Minispots“, wie er die kleineren Vorkommen in Sadisdorf oder bei Falkenhain nennt, sind für sich alleine nicht wirtschaftlich. Dafür lohnt es sich nicht, ein Bergwerk mit Aufbereitung zu bauen. Wenn die Erze aus diesen kleinen Lagerstätten allerdings in Altenberg mitverarbeitet werden, dann wird es lukrativ. Die Laufzeit von Altenberg würde verlängert, Sadisdorf oder Falkenhain kämen überhaupt erst über die Schwelle der Wirtschaftlichkeit. Aus diesem Grund hält die Deutsche Lithium auch eine Erkundungslizenz für ein Lithiumvorkommen beim Altenberger Ortsteil Falkenhain.

Konkurrierende Anträge werden bis Mai entschieden

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Da sich beide Unternehmen um fast dieselbe Fläche bewerben, spricht der sächsische Oberberghauptmann Bernhard Cramer von konkurrierenden Anträgen. Seine Behörde muss entscheiden, wer eher zum Zuge kommt. Derzeit werden dazu andere Behörden und Verbände angehört. „Mit einer Entscheidung über die Erteilung der Erlaubnis ist voraussichtlich im Mai des Jahres zu rechnen“, schreibt Cramer.

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