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Discgolfen für Anfänger

Diesen Monat öffnet in Riesa Sachsens erster öffentlicher Parcours. Aber wie funktioniert die Sportart eigentlich? Ein Test.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

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Riesa. Vielleicht hätte ich mir Sportsachen anziehen sollen. Dieser Gedanke kommt mir auf dem Weg zum Gut Göhlis reichlich spät. Auf dem Volksgut wird noch in diesem Monat der erste öffentliche Discgolfparcours in Sachsen eingeweiht. Der Begriff Discgolf klingt jedenfalls recht sportlich, denke ich mir: „Disc“, steht für Frisbee, die bei dem Spiel zum Einsatz kommt, und Golf gilt ja schließlich auch als Sport.

Achim Grille weiß sich in kniffligen Situationen zu helfen. © Sebastian Schultz

Am Volksgut angekommen, empfangen mich Michael Böker und Achim Grille. Ihre IG Discgolf hat den Parcours mit Spenden aufgebaut. Was die Sportsachen angeht, beruhigt mich Achim Grille. „Outdoor-Kleidung und festes Schuhwerk reichen vollkommen aus.“ Die Aufgabenstellung scheint klar: Rund um das Gut stehen schulterhohe Metallkörbe – da muss die Frisbee wohl irgendwie rein. „Je weniger Würfe man bis in den Korb braucht, desto besser. Die Versuche werden zusammengezählt“, erklärt Achim Grille. Er ließ sich von Freuden aus den USA für das Spiel begeistern, wo Discgolfen erfunden wurde.

Für mich als Anfängerin gibt´s erst noch eine kleine Scheiben-Kunde. Die Discgolf-Profis haben mir eine Tasche mit einem Set mitgebracht. Drei verschiedene Scheiben gibt es: für nahe, mittlere und weite Distanzen. Sie sind etwas schwerer und kleiner als die Standard-Frisbees, die Kinder bei jedem Stadtfest als Werbegeschenk in die Hand gedrückt bekommen. Und auch der Rand der Scheiben ist breiter, sodass sie gut in der Hand liegen.

Bevor es auf den Parcours geht, darf ich Probe werfen. „Wichtig ist es, die Scheibe vor der Brust entlang zu führen und dann mit Schmackes loszulassen“, erklärt Michael Böker, der erst seit zwei Monaten bei den Riesaer Discgolfern dabei ist. Blutgeleckt hat er in seiner Heimat Peine bei Braunschweig – eine Discgolf-Hochburg. Auf der Karte der Internetseite www.discgolf.de wird das schnell deutlich: Ein gutes Dutzend Parcours gibt es in der Region. Die neuen Bundesländer sind aus Sicht der Discgolfer da eher Niemandsland. Der einzige sächsische Parcours, der angezeigt wird, liegt bei Chemnitz – allerdings nichtöffentlich in einem Feriendorf. „In den USA sind die meisten Parcours frei zugänglich – in Stadtparks oder öffentlichen Freizeitanlagen. Genau so soll es auch auf unserem Platz sein“, erklärt Achim Grille.

Dann kann es ja losgehen. Gut 40 Meter trennen mich von meinem Ziel. Wie es mir die beiden Profis vormachen, werfe ich die Scheibe kraftvoll in Richtung Korb. Doch noch vor der Hälfte der Strecke dreht die Scheibe nach links weg und landet sachte. Immerhin: Michael Böker lobt mich mit einem: „Gar nicht schlecht für eine Anfängerin.“ Na dann. Nächster, bitte: Die Scheibe von Achim Grille fliegt sogar über das Ziel hinaus – mindestens 45 Meter weit.

Schwierige Standort-Suche

Der aktuelle Weltrekord liegt laut der „Professional Disc Golf Association“ – eine Art Fifa der Discgolfer – derzeit bei mehr als 263 Metern. Aufgestellt von einem Deutschen: Simon Lizotte. Abgesehen von ihm wird die Weltrangliste dominiert von US-Amerikanern und Schweden.

Mit drei Würfen schaffe ich es schließlich in die Nähe des Korbes und mit dem vierten endlich hinein. Vorgesehen sind für diese Bahn eigentlich drei Würfe – in der Golfer-Fachsprache: Par. Auf der nächsten Bahn sind es 61 Meter Torentfernung, Pardon Korbentfernung. Man muss die Frisbee durch den Korridor zweier Gebäude und schließlich durch eine Maueröffnung werfen. Mein erster Versuch scheitert kläglich: Die Scheibe landet noch vor dem ersten Gebäude – keine Chance, das Wurfgerät geradeaus zu werfen. Ich bekomme einen Anfänger-Bonus und darf noch einmal. Doch auch die geübten Discgolfer haben ihre Probleme. Die Frisbee von Achim Grille landet direkt vor dem höheren Teil der Mauer, die den Werfer vom Korb trennt. Erschwerend kommt hinzu, dass über dem Landeplatz der Scheibe ein Baum sprießt. Doch Grille weiß sich zu helfen. Statt waagerecht zum Boden hält er die Scheibe senkrecht und wirft sie so über die Mauer.

Acht Körbe gibt es auf dem Parcours. Da manche aber von zwei Seiten anspielbar sind, gibt es elf Bahnen. Im Sommer wird der Schwierigkeitsgrad noch einmal erhöht. Wenn Bäume und Sträucher auf dem Gelände des Sprungbrett e.V. dichter werden. Achim Grille sieht darin aber kein Problem, höchstens eine Herausforderung. Er ist froh, dass Sprungbrett-Chef Andreas Näther die Idee überhaupt gut fand. Denn einen Ort zu finden, war gar nicht so einfach. „Im Stadtpark war das mit dem Hochwasserschutz nicht vereinbar, im Waldbad Röderaue gab´s Probleme mit dem Bergbauamt und in Hirschstein mit dem Forstamt“, berichtet Grille. Auf dem Volksgut hätte den Discgolfern um ein Haar noch ein Investor einen Strich durch die Rechnung gemacht, der das Gut kaufen wollte. Als er sich zurückzog, atmeten die Discgolfer auf. Das tue ich am Schluss meines Kurses auch. Nach drei Bahnen habe ich einen Eindruck gewonnen. Beschwingt von der frischen Luft fahre ich zurück in die Redaktion – und denke: Die Sportsachen brauchte ich tatsächlich nicht unbedingt.

Zur Eröffnung am Samstag, 23. April, können Interessierte den Parcours am Volksgut ab 11 Uhr ausprobieren. Das Training der IG Discgolf findet immer dienstags um 17 Uhr statt (April-Oktober). Genutzt werden kann der Platz jederzeit kostenfrei. Frisbees gibt es gegen Gebühr leihweise im Tierheim.