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Diskussion um den Schlosspark

Mehrere Bäume am Wachauer Kirchteich sollten weg. Dagegen regte sich Widerstand.

© Thorsten Eckert

Thomas Drendel

Wachau. Kippen sie oder kippen sie nicht? Im Wachauer Schlosspark, genauer am Kirchteich, neigen sich gleich mehrere Bäume gefährlich in Richtung Wasser. Fraglich, wie lange sie noch stehen. Wegen dieser Ungewissheit und um Schaden vorzubeugen, hat die Gemeindeverwaltung vorgeschlagen, die Motorsäge anzusetzen. Der Zeitpunkt scheint günstig, der Kirchteich ist abgelassen. Eine Firma holt hier Sand und Schlick raus, die beim Hochwasser vor einigen Jahren in den Teich gespült worden waren.

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Doch der Widerspruch ist heftig. „Die Bäume haben den Tornado überlebt, dem fast der gesamte Schlosspark zum Opfer fiel und jetzt sollen auch noch einige der letzten Bäume gefällt werden? Diesem Vorhaben kann ich nicht zustimmen“, sagte der Wachauer Gemeinderat Steffen Jakob von der Offenen Bürgerliste (OBL). Nach seinen Angaben drohen sie keineswegs umzukippen. Vielmehr sind sie in Richtung des Lichts gewachsen. „Sie sind Teil der Uferbefestigung. Nehmen wir sie weg, dann könnte die Stabilität leiden.“ Eine Gefahr sieht er ebenfalls nicht. „Auf dem Teich fahren keine Gondeln. Sollten sie also tatsächlich umfallen, dann wäre niemand betroffen.“ Der Wachauer Gemeinderat hat sogar Beispielfotos vom Schlosspark in Hermsdorf gemacht. „Dort gibt es ebenfalls solche schräg stehenden Bäume und die werden auch erhalten.“

Günstige Gelegenheit

Andreas Schneider, Gemeinderat der CDU aus Wachau war am Kirchteich und ist überzeugt, dass die Bäume sicher stehen. „Ich kann nicht erkennen, dass hier eine unmittelbare Gefahr besteht.“ Auch Lothar Israel, ebenfalls OBL-Gemeinderat aus Wachau, hat sich die Bäume ebenfalls angesehen. „Ihre Standfestigkeit ist aus meiner Sicht gegeben. Der Schlosspark hat nach dem Tornado nur noch so wenige Bäume. Wir sollten sie stehenlassen.“ Die Leiterin des Wachauer Bauamtes Ines Heinze weist darauf hin, dass sie aus denkmalpflegerischer Sicht nicht unbedingt erhalten werden müssen, dendrologisch allerdings einigen Wert besitzen.

Der Wachauer Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) räumte ein, dass beim Umfallen der Bäume niemand gefährdet wäre. „Durch die Arbeiten, die zurzeit am Teich erledigt werden, wäre die Gelegenheit günstig. Die Technik, die Stämme jetzt wegzuschaffen, ist jetzt vorhanden. Zwingend notwendig ist eine Fällung aber nicht“, sagte er. Am Ende einigen sich die Wachauer Gemeinderäte darauf, die Weide, die Linde und die Erle stehenzulassen. Lediglich ein vertrockneter Baum in der Nähe soll beseitigt werden.

Pläne zur Umgestaltung

Seit Längerem gibt es Pläne, den Schlosspark wieder in seiner alten Pracht entstehen zu lassen. So hat das Radeberger Planungsbüro Schubert detaillierte Unterlagen erarbeitet. Danach müssten zunächst alle Baumstümpfe der umgeknickten Bäume beseitigt werden. Auch die vielen wild gewachsenen Pflanzen müssten entfernt werden. Anschließend müssten zahlreiche neue Bäume, darunter Fichten, Kiefern oder Scheinzypressen, gepflanzt werden. Insgesamt sind das 62 Bäume. Hinzu kommen rund 1 800 Sträucher. Nächster Bauabschnitt wäre dann die Wiederherstellung der Wege. Die Neuanpflanzungen orientieren sich an den historischen Plänen des Gartenbaumeisters Max Bertram, der den Wachauer Park 1890 entworfen hatte.

In der Parkanlage sollen außerdem sechs Sitzgruppen errichtet werden. Auch eine Beleuchtung ist in dem Park vorgesehen. Außerdem müssten rund 100 Meter neuer Zaun aufgestellt werden. Knapp 334 000 Euro soll der Wiederaufbau nach Schätzungen kosten.