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Diskussion um Meißen als Studentenstadt

Kann die Stadt junge Dresdner zum Wohnen anziehen? Darüber gehen die Meinungen im Netz auseinander.

© SZ-Archiv/Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Eine Kooperation der Wohnungsbaugesellschaft Seeg mit dem Dresdner Studentenwerk könnte zu mehr Studenten-WGs in Meißen führen und die Stadt verjüngen. Dieser Vorschlag von ULM-Fraktionschef Wolfgang Tücks hat im Internet für ein geteiltes Echo gesorgt.

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Trinkwasser aus der Leitung muss chemisch gereinigt werden, Mineralwasser hingegen stammt aus einer geschützten Quelle. Doch welches ist besser?

Walter Hannot von der Initiative Bürger für Meißen merkte an, preiswerter Wohnraum könne nicht die Defizite an Lebensqualität für junge Menschen ausgleichen. Ganz generell äußerte SPD-Stadtrat Matthias Rost die Ansicht, dass Mittelstädte wie Meißen bei jungen Leuten nie mit Metropolen wie Dresden oder Leipzig konkurrieren könnten. Illusionen sollte man sich hier nicht hingeben.

Der Thüringer Jan Kobel betonte, wenn sich eine Stadt klar mache, was jungen Leuten heute wichtig sei, könnten Weichen gestellt werden. Wichtig sei zum Beispiel eine Café- und Kneipenkultur, welche urbanen Maßstäben genüge. Um Gastronomen dabei zu unterstützen, brauche es eine Immobilie in städtischem Besitz, Förderung von Kommune, Kreis und Land, sowie ein konzertiertes Konzept.

Auf seine Erfahrungen verwies der Meißner Fotograf Mario Gast. Eine damals noch existierende Kneipenkultur habe die Mehrheit seiner Jugendfreunde nicht davon abgehalten, Meißen den Rücken zu kehren. Im Vordergrund für sie hätten berufliche Angebote und Bedingungen gestanden. So seien viele gut ausgebildete junge Menschen Meißen fern geblieben.

In mehreren Beiträgen wurde zudem die falsche Entscheidung zum Ausbau der Neubaublöcke an der Großenhainer Straße zu Studentenwohnheimen bedauert. Er finde es sehr populistisch, in Dresden nach Studenten zu suchen, wenn schon die eigenen Verwaltungsstudenten nicht in der Stadt gehalten werden könnten, so AfD-Politiker Heiko Knorr.

Ungeachtet der nicht immer sachlich geführten Diskussion im Netz gibt es in Meißen bereits mehrere ganz praktisch wirksame Initiativen, um junge Besucher und Bewohner anzuziehen. So zahlen bei der Seeg junge Menschen für sogenannte „Flatrate-WGs“ einen festen Mietpreis, der die Betriebskosten sowie die Kosten für Fernsehen, Internet und Strom bereits beinhaltet. Gekündigt werden kann mit einer verkürzten Frist von nur vier Wochen.

Auf kulturellem Gebiet ist es dem Verein Zahnrad und Zylinder um Familie Mahlow gelungen, mit Veranstaltungen rund um das Kornhaus Meißen mittlerweile zu einem wichtigen Ort für die Steampunk-Szene im Freistaat und ganz Ostdeutschland zu machen.