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Diskussionen um Konés Trikot-Jubel

Dynamos Torjäger sieht nach seinem Führungstreffer beim 3:1-Sieg gegen Sandhausen die Gelbe Karte. Das entspricht der Regel – und sorgt für Ärger.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

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Der Trainer versucht, sich mit einer Anklage in eigener Sache zu retten. „Vielleicht freue ich mich manchmal auch ein bisschen zu sehr nach innen“, sagt Maik Walpurgis. Ausgelassen ist tatsächlich etwas anderes. Erleichtert angesichts des 3:1 gegen Sandhausen wirkt er am Freitagabend allemal, zufrieden allerdings schon weniger, wirklich glücklich nicht.

Vor allem die, wie er betont, unnötige Gelbe Karte von Moussa Koné ärgert Dynamos Cheftrainer. Nach dem Führungstreffer, Konés sechstes Saisontor im zwölften Spiel, zog der Senegalese sein Trikot über den Kopf, der Schiedsrichter daraufhin also Gelb – und Walpurgis schließlich eine Miene, Marke sichtlich bedient. „Ich bin froh, dass er bei seiner zweiten Chance nicht das Tor macht, sonst hätte er wahrscheinlich Gelb-Rot bekommen“, meint der Trainer.

Als Walpurgis bemerkt, dass die eigentlich fast schon vergessene Aktion aus der elften Minute die Freude über den dritten Heimsieg der Saison zu überlagern droht, rudert er zunächst zurück. „Erst mal freue ich mich natürlich über sein Tor“, sagt er – und kann doch nicht anders. Regel ist schließlich Regel, so sehr man sich darüber auch mokieren mag. „Wenn der weiter so trifft und dann immer das Trikot hochzieht, ist er bald gesperrt. Das können wir nicht gebrauchen, und deshalb hoffe ich, das war jetzt eine einmalige Aktion“, betont Walpurgis – wohl wissend, dass Koné ein Spaßfußballer ist und das nicht zuletzt mit solchen Szenen dokumentieren will.

Wer nun Walpurgis wiederum als Spaßbremse bezeichnet, liegt aber auch daneben. Der Mann, Typ disziplinierter Analytiker, denkt vielmehr schon weiter. „Wenn Moussa dann noch mal irgendwo einen intensiven Zweikampf hat, und der kann immer passieren, wird das ein Platzverweis. Und dann bin ich hier nicht so ruhig. Darüber werden wir also noch mal sprechen“, kündigt der Fußballlehrer an und wird sich dabei auf den Zusatz von Regel 12 des Weltverbands Fifa berufen. Darin heißt es: „Das Ausziehen des Trikots nach einem Tor ist unnötig. Solch übermäßiger Torjubel ist von den Spielern zu vermeiden.“

Seit 1. Juli 2004 gilt diese Ergänzung. Und um Missverständnissen vorzubeugen, wird explizit darauf hingewiesen, dass es die Gelbe Karte auch dann gibt, wenn ein Spieler sein Trikot über den Kopf gestreift oder mit dem Trikot bereits sein Gesicht verdeckt hat.

Dass wie im Fall Koné auf dem T-Shirt unter dem Trikot eine Grußbotschaft steht („Touba d’abord“), spielt keine Rolle. Verboten ist allein schon der Trikot-über-den-Kopf-Jubel – selbst wenn nun auch darüber diskutiert wird, ob der Schriftzug religiöse Bedeutung hat oder nicht. Koné möchte dazu am Freitagabend nichts sagen.

Eine deutliche Meinung hat indes Sandhausens Trainer Uwe Koschinat. Sein Plädoyer: „Am Ende muss man das aus zwei Perspektiven sehen. Gegen einen persönlichen Gruß gibt es im Prinzip nichts auszusetzen. Wenn man aber jede Möglichkeit eines erfolgreichen Torabschlusses nutzen kann, um alles in die Welt hinauszuposaunen, muss man die Frage nach den Grenzen stellen. Insofern glaube ich, dass die Regel sehr, sehr klar ist – und ich glaube, jeder Spieler kennt die Regel und weiß, mit welchen Konsequenzen er rechnen muss.“

Koschinat spricht dennoch von einem schmalen Grat zwischen nettem Posting in die Welt und dem Bärendienst für die Mannschaft. Walpurgis kürzt die aufkommende Debatte danach ab. „Ich möchte jetzt keine Podiumsdiskussion führen. Regeln sind dazu da, um sie einzuhalten. Und für mich ist diese Regel vollkommen in Ordnung. Da gibt es andere Dinge, über die wir im Fußball mehr diskutieren müssen“, sagt er. Aber dies, verraten Mimik und Gestik, bitte ebenfalls nicht jetzt.

Es ist spät geworden am Freitagabend, und Zeit zum Freuen soll schließlich auch noch sein.