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DJ Happy Vibes sorgt für Eklat

Der Kesselsdorfer wollte eine Petition gegen ein Asylheim im Gewerbegebiet übergeben. Doch ausreden durfte er nicht.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Matthias Weigel

Freital/Pirna. Andreas Hofmann ist größere Bühnen gewöhnt. Insofern war sein Auftritt am Montag auf Schloss Sonnenstein in Pirna eigentlich kein Ding. Doch der Kesselsdorfer Moderator und Musiker, auch bekannt als DJ Happy Vibes, gerät immer noch in Rage, wenn er an die Sitzung des Kreistags denkt. Dort gewesen war er nicht beruflich, sondern rein aus privaten Gründen. Hofmann – er lebt seit 1997 in Kesselsdorf – sieht sich als Sprecher einer Initiative des Wilsdruffer Ortsteils. Die wehrt sich gegen die geplante Unterbringung von Asylbewerbern im Gewerbegebiet.

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In der Funktion wollte er die Bürgerfragestunde nutzen, um eine im Ort gestartete Petition einzureichen. „Bislang war es immer relativ friedlich“, sagt Hofmann. Doch das sei nun in Gefahr. Vor allem eine Einwohnerversammlung habe ihn und seine Mitstreiter aufgeschreckt. Weder Polizei noch Stadt und Kreis hätten da für die Sicherheit im Ort garantieren wollen. „Wie auch, mit einem Streifenwagen für die ganze Region“, sagt Hofmann. Damals habe man aber noch von maximal 120 Asylbewerbern für Kesselsdorf geredet. Nunmehr wird von 250 oder mehr gesprochen.

Das verschärft die Situation. „Die Leute wollen das in dem kleinen Ort nicht“, sagt Hofmann. Mehr als 1000 Unterschriften habe man binnen weniger Tage zusammenbekommen. Diese Petition werde er einreichen, sagte der Entertainer – der die Plattform in Kreistag aber auch nutzte, um mit den aktuellen politischen Verhältnissen in Deutschland abzurechnen. Vize-Landrat Heiko Weigel (CDU) musste den DJ mehrfach ermahnen. „Herr Hofmann, das ist eine Fragestunde. Also bitte keine ellenlangen Statements“, sagte er. Weigel berief sich dabei auch auf die klaren Regeln für den Kreistag. Hofmann allerdings ist immer noch empört. „Ich finde das beleidigend und unverschämt“, sagt er. Wo Bürgerfragestunde draufstehe, müsse auch Bürgerfragestunde drin sein. „Die können doch nicht erwarten, dass dort jeder politisch korrekt auftritt. Ich bin kein Politiker. Nein, ich habe eine bürgerliche Sprache, die jeder verstehen kann. Und das kann doch nicht sanktioniert werden“, sagt Hofmann. Außerdem könne man doch nur denjenigen ermahnen, der auch die Regeln kenne – vor der Sitzung habe er noch gefragt, ob er was zu beachten hätte. „Da hieß es nur, ich soll mich kurzfassen. Und ich habe ja nicht mal fünf Minuten gehabt“, sagt der Kesselsdorfer. Auf sich beruhen lassen will der DJ die Sache nicht. „Ich werde das in den sozialen Netzwerken verbreiten. Soll jeder wissen, wie hier mit Bürgern umgegangen wird“, sagt Hofmann – dem auch die „blöden Zwischenrufe“ aus den Reihen der Kreisräte sauer aufstoßen. „So geht man nicht mit Einwohnern um.“

Asylheim nach wie vor aktuell

Im Landratsamt versteht man die Aufregung nicht, zumal Heiko Weigel in der Situation souverän und freundlich geblieben sei und quasi nur die Hausordnung vollzogen habe – im Übrigen auch, als im Publikum eine Deutschlandfahne gehisst wurde. Unabhängig von dem Eklat hatte Weigel auch die Petition förmlich entgegengenommen. Mit ihr wird sich jetzt der Petitionsausschuss befassen. „Sie erhalten nach spätestens sechs Wochen eine Antwort. Wenn es Fragen gibt, melden wir uns natürlich früher“, sagt Weigel. Keine Spur also, dass man Hofmann und sein Anliegen nicht ernst genommen hätte.

Bereits vor dem Auftritt von Hofmann hatte Weigel in Sachen Kesselsdorf vorläufige Entwarnung gegeben. Mit dem Eigentümer, von dem auch die Initiative zur Einrichtung des Asyls ausging, konnte man sich bisher nicht auf einen Vertrag einigen. Neben der Laufzeit – der Anbieter will zehn, der Kreis drei Jahre – geht es vor allem um das Geld. Denn das Gewerbehaus muss umgebaut werden. Je weniger Menschen aber einziehen, desto größer sind die Kosten je Platz. Bei 60 Flüchtlingen will der Eigentümer wohl 80 Euro Miete am Tag. Der Kreis kalkuliert sonst mit einem Viertel dessen. Die Verhandlungen stocken, sind aber nicht beendet. Das Heim ist also noch nicht gänzlich vom Tisch.

Die Pläne sorgen schon seit Wochen in Wilsdruff für Unruhe. Vorläufiger Höhepunkt: Aus Protest, dass nun möglicherweise 250 Plätze kommen, trat der Kesselsdorfer Ortsvorsteher Türk Müller (CDU) zurück (SZ berichtete). Auch Bürgermeister Ralf Rother (CDU) hatte die Dimension kritisiert, allerdings betont, dass Wilsdruff weitere Flüchtlinge aufnehmen müsse.