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Doch lieber Kunst in der Kantine?

Zwei Konzepte für das alte Robotrongebäude stehen. Von Konkurrenz soll keine Rede sein.

© Sven Ellger

Von Juliane Richter

Perfekt und durchsaniert soll die ehemalige Robotron-Kantine nicht werden. Aber eben erhalten bleiben. In der Debatte um die Nachnutzung des 1970er-Jahre-Baus an der Lingnerallee haben nun Kunst- und Kulturschaffende ihre Vision vorgestellt. Deren Grundgedanke ist, die Architektur der Ostmoderne zu bewahren und mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden.

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Gern würde das Kunsthaus Dresden, das bisher seinen Sitz in der Rähnitzgasse im Barockviertel hat, hierher umziehen. Laut Leiterin Christiane Mennicke-Schwarz würde sich damit die Ausstellungsfläche nicht nur verdreifachen, sondern auch deutlich an Qualität gewinnen. Die derzeitigen Räume sind begrenzt – viele großflächige Exponate können nicht gezeigt werden. Die ehemalige Robotron-Kantine verfügt über zwei große Speisesäle mit einst 800 Plätzen, die somit viel Raum für große Exponate bieten würden. Das 56-seitige Nutzungskonzept sieht außerdem eine Dauerausstellung zur baubezogenen Kunst nach 1945 vor. „Am Material dafür wird es als Letztes scheitern“, sagt Mennicke-Schwarz und verweist auf die Initiative Ostmodern. Diese hat nicht nur Teile von DDR-Architektur gerettet, wie zum Beispiel alte Leuchtreklamen, sondern vor einigen Jahren die Debatte um den Erhalt der Robotron-Kantine ins Rollen gebracht.

Ursprünglich sollte das Gebäude abgerissen werden und die Fläche zur Erweiterung des Blüherparks dienen. Mittlerweile hat die Stadtratsmehrheit aus Rot-Grün-Rot einen Aufschub beschlossen, bis ein Nutzungskonzept vorliegt. Der jetzige Vorschlag des Kunsthauses wird unter anderem von der Hochschule für Bildende Künste, den Staatlichen Kunstsammlungen, dem Dresdner Geschichtsverein und auch dem Landesverband des Bundes Deutscher Architekten unterstützt. Dessen Vorstandsmitglied Alexander Pötzsch will nicht einfach eine Zahl in den Raum stellen, was das Projekt kosten würde. Er schlägt vor, nur das Nötigste zu sanieren, in Etappen auszubauen und die Dresdner daran teilhaben zu lassen. „Wir können den Museumsbau an dieser Stelle neu definieren“, sagt er.

Alle Unterstützer sind sich einig, dass die innerstädtische Lage und das Gebäude selbst ihren Reiz auf viele Besucher ausüben würden. Die Nähe zum Großen Garten soll durch zusätzliche Projekte zur Gartenkunst oder dem Urban Gardening thematisiert werden.

Dass zeitgenössische Kunst in vergleichbaren Bauwerken funktionieren kann, belegt Christiane Mennicke-Schwarz. Das Amsterdamer Stedelijk Museum befand sich vorübergehend in einem alten Postgebäude und wurde ihrer Meinung nach sehr gut angenommen. Ebenso wie das Museum für Zeitgenössische Kunst, das in Warschau einige Jahre in einem ehemaligen Kaufhaus untergebracht war.

Die Frage ist, ob die Dresdner und der Stadtrat Kunst an dieser Stelle auch wollen. Ein anderes Nutzungskonzept der Initiative „Wir gestalten Dresden“ war vor wenigen Wochen präsentiert worden und sieht für die Robotron-Kantine ein Zukunftslabor vor, in dem die hiesigen Forschungseinrichtungen neueste Entwicklungen vorstellen könnten. Auch Ausstellungsflächen und Veranstaltungen sind geplant (die SZ berichtete). Als Konkurrenz wollen die Unterstützer des Kunsthauses diese Idee nicht sehen. Man könne sich durchaus ergänzen. Im April soll eine Vorlage aus dem Bereich von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain in den Stadtrat kommen. Dann muss auch geklärt werden, wie das Projekt finanziert werden könnte.