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Döbeln soll eine Marke werden

Die Stadt mit ihren vielen Angeboten ist wie eine Großstadt im Kleinen, meinen Marketingexperten. Nur wissen das viele noch nicht.

© André Braun

Von Jens Hoyer

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Döbeln. In einer Studie der Wohnungswirtschaft wird Döbeln als „versteckte Perle“ bezeichnet. Als eine Kleinstadt mit Entwicklungspotenzial. Und davon gibt es nicht allzu viele in Sachsen. „Wir wollen aus der versteckten Perle eine entdeckte Perle machen. Das ist unser hehres Ziel. Wir wollen das sichtbar machen, was schon da ist. Und das ist eine Menge“, sagte Peter Pfau, Geschäftsführer der Werbeagentur VOR. Das Dresdner Büro hat in Döbeln die Steuerungsgruppe für Stadtmarketing begleitet, die sich ein Jahr lang die Köpfe darüber zerbrochen hat, wie es mit Döbeln in der Zukunft weitergeht. In der kommenden Woche soll die Entscheidung fallen, ob die Arbeit weitergeführt wird. Denn dabei geht es auch um Geld.

Wer arbeitet in der Steuerungsgruppe Stadtmarketing mit?

In der Stadtmarketinggruppe arbeiten Unternehmen, Banken, Verbände und die Stadtverwaltung unter Koordination von Reinhard Zerge. Die Stadtverwaltung ist in diesem Falle gleichberechtigter Partner, betonte Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer. Das vereinfache das Verfahren. Die Finanzierung des ersten Arbeitsschrittes erfolgt durch die Mitglieder der Steuerungsgruppe. Am 8. März sollen die Ergebnisse der Arbeit den Mitgliedern des Stadtwerberings, des Bundes der Selbstständigen und den Stadträten vorgestellt werden. Dann soll auch die Entscheidung fallen, ob die Arbeit fortgesetzt wird, was mit weiteren Kosten verbunden ist. „Der Wille ist da, weiterzumachen“, sagte Koordinator Reinhard Zerge. Die Stadtwerke Döbeln sollen dann die praktische Arbeit übernehmen. „Wir haben Erfahrung beim Marketing“, sagte Geschäftsführer Gunnar Fehnle.

Um was geht es der Steuerungsgruppe beim Stadtmarketing?

Ganz grob gesagt geht es der Steuerungsgruppe darum, Döbeln als eine sogenannte Dachmarke zu etablieren und bekannt zu machen und dafür Ideen und einen „Fahrplan“ zu entwickeln. Die Marketing-Experten von VOR hatten das zum Beispiel für die Stadt Oberwiesenthal schon einmal durchexerziert. Die Dachmarke soll das gemeinschaftliche Vorgehen der verschiedenen Gruppen ermöglichen, Entwicklungen zur Verbesserung des Handels und der Weiterentwicklung der Infrastruktur und des Breitbandnetzes ermöglichen und die Vorteile Döbeln herausstellen. Zu Letzteren gehören die zentrale Lage Döbelns und die gute Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten, Theater und Stadtbad. Nicht zuletzt wird sich der Landesrechnungshof 2020 in Döbeln ansiedeln, was der Stadt eine größere Bedeutung verleiht. Gleichzeitig sollen aber auch sogenannte Schmerzpunkte ausgeräumt werden, die eine Entwicklung behindern. Dazu gehört auch die fehlende Bahnverbindung nach Dresden. Die Pläne gehen noch weiter: Döbeln soll möglichst an die S-Bahn der Oberzentren angeschlossen werden.

An wen soll sich das Stadtmarketing wenden?

Als Zielgruppen hat die Steuerungsgruppe die Döbelner selbst, Unternehmen und Händler ausgemacht. Außerdem Familien, die nach Döbeln ziehen wollen, und natürlich Touristen. Die Stadt empfiehlt sich vor allem für Aktivtouristen, die Rad fahren, wandern und von Döbeln aus ins Umland ausschwärmen. Döbeln soll aber auch ein attraktiver Partner für das Umland bleiben.

Welche Ziele setzt die Steuerungsgruppe für die Zukunft?

Die Ziele sind schon relativ konkret. Der digitale Service wird eine ganz wichtige Rolle spielen. Erste Aufgabe: Das Entwickeln eines Logos und eines Internetauftritts für die Stadt. Dafür gebe es schon konkrete Angebote, sagte Zerge. Auf der Internetseite sollen alle wichtigen Informationen zu Leben, Einkaufen, Wirtschaft und Tourismus in Döbeln zusammengeführt werden. Denkbar sei eine digitale Stadtkarte. „Was gibt es wo und ist wann geöffnet?“, sagte Marketingexperte Pfau.

Die Visionen reichen bis etwa 2025. Es ist nicht klar, ob sich alles umsetzen lässt, sagte Pfau. Döbeln soll zum Vorreiter der Digitalisierung, zum Vorbild für Kleinstädte in ganz Deutschland werden. Die Bürger sollen in vielen Punkten einbezogen werden, etwa durch Wettbewerbe und Abstimmungen im Netz. „Das ist in einer Kleinstadt einfacher als in einer Großstadt“, sagte Pfau. Einwohnerzahl und Wirtschaft sollen wachsen und der Handel – nicht zuletzt durch die Digitalisierung – belebt werden. Ziel ist außerdem, in den nächsten vier Jahren zwei größere Ansiedlungen im Bereich Wirtschaft und Bildung zu realisieren.

Für die Wirtschaft sei es außerdem wichtig, junge Familien nach Döbeln zu locken und dadurch Arbeitnehmer zu gewinnen, machte Holger Jentzsch vom Bund der Selbstständigen klar: „Für die zahlenden Teilnehmer soll auch ein Nutzen entstehen.“

Die Akteure

In der Steuerungsgruppe sind vertreten: Bund der Selbstständigen Döbeln, Stadt Döbeln, Kreissparkasse Döbeln, Obstland Dürrweitzschen, Oewa Wasser und Abwasser, Stadtwerbering, Stadtwerke Döbeln, TAG Wohnen, VR-Bank Mittelsachen, WG Fortschritt, VOR Werbeagentur Dresden.