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Döbeln Zentrum bleibt verödet

Die Verhandlungen zum Personenverkehr kommen nicht voran. Noch nicht einmal die Minimalvariante wird umgesetzt.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

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Döbeln. Der Saal des Rathauses war am Montag voller Zuhörer. 150 Jahre Eisenbahnlinie Borsdorf-Meißen war das Thema, zu dem der Heimatfreund und Ex-Eisenbahner Andreas Riethig eingeladen hatte. Das große Interesse ließ sich sicher auch mit der Aktualität begründen. Seit der Einstellung des Personenverkehrs zwischen Döbeln und Dresden ist die Wiederbelebung der Strecke ein Dauerthema. Döbeln-Dresden, das ist die Maximalforderung. Aber der Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) hat es auch nicht geschafft, die sich selbst auferlegte Minimalvariante für den Personenverkehr auf der Strecke umzusetzen. Die Bahnlinie soll eigentlich am Haltepunkt Zentrum, also am Ostbahnhof, enden. Aber bis heute rollen die Züge aus Richtung Leipzig nur bis zum Döbelner Hauptbahnhof.

Hinter den Kulissen verhandeln Politik, Verkehrsverbünde und der Betreiber der Strecke schon länger über die Wiederbelebung der Strecke, ohne einen gemeinsamen Nenner zu finden. „Ich habe den Eindruck, man will das nicht. Die haben im Verkehrsverbund andere Prioritäten gesetzt und wir sind hinten dran gestellt. Beim Verkehrsverbund für den Nahverkehrsraum Leipzig ging es uns besser“, sagte Döbelns Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU). „Hier müsste die große Politik die Linie vorgeben.“

Selbst bei der Minimalvariante – die Fahrt bis Döbeln Ost – haben sich die Beteiligten noch nicht bewegt. Die Argumente, die der VMS und der Betreiber der Bahnstrecke, die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie (NRE), vorbringen, sind immer noch die gleichen wie vor zwei Jahren. Der VMS schiebt der NRE den schwarzen Peter zu und die NRE schiebt ihn zurück.

Der Knackpunkt ist die technische Ausstattung des Haltepunkts Zentrum. Bisher ist es aus technischen Gründen nicht möglich, einen Personenzug dort enden und in Gegenrichtung wieder nach Leipzig zurückfahren zu lassen. Die technischen Voraussetzungen muss der Streckenbetreiber schaffen, argumentiert der VMS. Erst dann könnte der Verkehr vom Hauptbahnhof bis zum Haltepunkt Zentrum bestellt werden.

Für Eckart Sauter, Geschäftsführer der NRE, ist diese Zusicherung nicht ausreichend. „Wir müssten das vorfinanzieren. Das fällt für uns als kleine Firma aus. Wir brauchen einen bankfähigen Vertrag“, sagte Sauter. Der Geschäftsfüher macht kein Hehl daraus, dass er nach wie vor eine andere Variante bevorzugt: Die Fahrt der Züge bis nach Roßwein, wo alle technischen Anlagen schon vorhanden sind. „Das bekommt man in wenigen Wochen mit 10 000 Euro hin. Beim Haltepunkt Zentrum kann man je nach Aufwand noch ein oder zwei Nullen anhängen“, so Sauter. Die Stadt Döbeln wünsche die Verlegung des Gleises zum anderen Bahnsteig. Nötig wären auch der Einbau einer Weiche und eines zweites Gleises, auf dem der Personenzug während der Wartezeit stehen kann, ohne die Strecke zu blockieren, wenn die NRE mit Güterzügen unterwegs ist. „Wir haben Verträge mit dem Tanklager in Rhäsa zu erfüllen. Die wollen bei Bedarf auch über Döbeln fahren“, sagte Sauter.

Noch weniger Annäherung gibt es bei der Wiederaufnahme des Verkehrs bis Dresden. Dort sei es vor allem der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der keine Bereitschaft zeigt, den Personenverkehr von Nossen bis Dresden zu finanzieren, sagte der Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser (CDU). „Die Bahnverbindung nach Dresden wäre für Döbeln von entscheidendem Vorteil. Diese Grenze zwischen den Verkehrsverbünden macht uns das Leben sehr schwer. “ Liebhauser ist, wie er sagte, ein Verfechter der Vereinheitlichung. „Ein Verkehrsverbund für Sachsen reicht aus.“

Vor 150 Jahren waren sich die Beteiligten beim Bau der Eisenbahnstrecke dagegen einig. Im Mai 1866 wurde der erste Abschnitt zwischen Borsdorf und Grimma eröffnet. Nur zweieinhalb Jahre später war die gesamte Strecke mit Eröffnung des letzten Abschnitts zwischen Nossen und Meißen komplett.