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15 Pflegekräfte und ein Hund

Der Pflegedienst Moschke & und Kutzner feiert 15. Jahrestag im Coronajahr. Zwischenmenschlich bleibt manches auf der Strecke.

Marion Kutzner (links) und Thomas Moschke hatten ihre Hauskrankenpflege vor 15 Jahren eröffnet. Bell ist das jüngste Teammitglied. Der Australian Shepherd soll mal als Therapiehund arbeiten.
Marion Kutzner (links) und Thomas Moschke hatten ihre Hauskrankenpflege vor 15 Jahren eröffnet. Bell ist das jüngste Teammitglied. Der Australian Shepherd soll mal als Therapiehund arbeiten. © Dietmar Thomas

Döbeln. Bell gehört seit einigen Monaten mit zum Team der Hauskrankenpflege Moschke & Kutzner, das seine Zentrale im Dienstleitungsgebäude der TAG in Döbeln Nord hat. Bell ist ein Australian Shepherd und sozusagen ein Therapiehund in der Ausbildung. Sie ist zehn Monate alt und ziemlich lebhaft. „Sie braucht früh ihre Rituale, dann können wir sie mit zu den Patienten nehmen“, sagte Thomas Moschke.

Bis 2017 hatte die Mischlingshündin Rica sich mit um die Patienten gekümmert. „Die Angehörigen haben sie in die Pflegebetten reingesetzt. Da hat man richtig gemerkt, wie die Patienten sich entspannten“, sagte Marion Kutzner.

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Pflege in Coronazeiten

In diesem Monat ist das Unternehmen 15 Jahre alt geworden. Der Jahrestag fällt in eine schwierige Zeit für den Pflegedienst. Für alle Pflegedienste. Corona macht die Alten- und Krankenpflege schwierig. „Die zwischenmenschliche Dinge stumpfen ab. Wir brauchen Zuneigung, Wärme und Körperkontakt in der Pflege“, sagte Moschke.

Davon bleibe derzeit einiges auf der Strecke. Hygiene spielt jetzt eine noch größere Rolle. „Wir haben ein Hygienekonzept nicht erst seit Corona. Ich könnte mir aber vorstellen, dass einiges wie der Mundschutz auch bleibt.“

Gummihandschuhe teuer

Von den Pflegekräften habe sich bisher noch niemand infiziert. Wohl gab es Fälle unter den Patienten. „Da ist aber nicht nachvollziehbar, wo sie sich angesteckt haben“, so Moschke. Am Anfang der Pandemie mangelte es an vielen Hilfsmitteln. Jetzt nicht mehr. „Desinfektionsmittel haben wir in rauen Mengen. Aber statt 4,50 Euro für die Packung Gummihandschuhe bezahlen wir jetzt 19 Euro“, erzählt Moschke.

Was in der Coronakrise fehlt, seien die Praktikanten, die bei der Pflege mithelfen. „Die gehen mit den Patienten auch mal eine Runde und lesen ihnen etwas vor“, sagte Moschke.

Vier Mitarbeiter und ein Patient

Vor 15 Jahren hatte der Pflegedienst mit der vorgeschriebenen Mindestanzahl von vier Leuten losgelegt: die beiden Chefs und zwei Mitarbeiterinnen, die heute noch bei der Hauskrankenpflege arbeiten. „Wir hatten am Anfang nur einen Patienten. Wir haben uns gestritten, wer zu ihm fährt“, erzählte Moschke.

Heute arbeiten einschließlich der beiden Chefs 15 Personen im Pflegedienst, die sich um 80 bis 85 Patienten kümmern. „Wir hatten schon über 130. Aber wir wollen es nicht übertreiben. Wir wollen ein kleiner Pflegedienst bleiben, in dem der Chef noch alle Patienten persönlich kennt“, sagte Moschke. Gutes Personal zu finden, sei in den 15 Jahren noch nie einfach gewesen.

Immer mehr Bürokratie

Die beiden Chefs sind noch regelmäßig selbst bei den Patienten. „Bis vor Kurzem hatte jeder von uns früh noch vier bis fünf“, sagte Moschke. Er beklagt, dass der bürokratische Aufwand enorm zugenommen hat. „Wenn das nicht wäre, könnten wir uns mehr um die Patienten kümmern. Die Bürokratie bringt uns vom Kern der Pflege ab. Wenn die Mitarbeiter fünf Minuten am Patienten sind, dauert es zehn Minuten, um alles zu dokumentieren. Das Verhältnis stimmt nicht mehr.“

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