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20.000 Verfahren gegen Raser

Das Döbelner Ordnungsamt nimmt rund 400.000 Euro im Jahr ein. Die Blitzerei hat auch andere Effekte.

Der stationäre Blitzer auf der Bahnhofstraße beruhigt den Verkehr deutlich. Trotzdem waren hier im vergangenen Jahr etwa 8.000 Autofahrer zu schnell unterwegs.
Der stationäre Blitzer auf der Bahnhofstraße beruhigt den Verkehr deutlich. Trotzdem waren hier im vergangenen Jahr etwa 8.000 Autofahrer zu schnell unterwegs. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Corona-Pandemie zeichnet sich auch in der Bilanz des Döbelner Ordnungsamtes ab. Als im vergangenen Jahr im März und April der erste Lockdown angeordnet wurde, ging auch die Zahl der Temposünder zurück. Es waren einfach viel weniger Leute mit dem Auto unterwegs, sagte Ordnungsamtschef Jürgen Müller.

Reichlich 20.000 Verwarn- oder Bußgeldverfahren hatte das Döbelner Ordnungsamt im vergangenen Jahr bearbeitet. Davon entfallen rund 15.500 auf Temposünder und knapp 5.300 auf Verstöße im sogenannten ruhenden Verkehr.

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An der Anzahl der Blitzer hat sich im vergangenen Jahr nichts geändert. Zwei feste Anlagen gibt es an der B 169 in Neudorf und eine an der Bahnhofstraße. Außerdem ist ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes jeden Tag – manchmal auch sonnabends – mit dem mobilen Gerät unterwegs.

Unfallquote sinkt

Der Aufbau weiterer Blitzer sei erst einmal nicht geplant, sagte Müller. Von den Plänen, einen Blitzer für Rotlichtsünder an der Volkshauskreuzung aufzubauen, ist die Verwaltung zumindest für die nächste Zeit abgerückt. Die Bußgeldstelle sei nicht in der Lage, noch mehr Fälle zu bearbeiten, so Müller zur Begründung.

Außerdem hätten sich die Bedingungen, unter denen Firmen solche Blitzanlagen aufstellen, deutlich verschlechtert. „Die Kommunen sollen jetzt für Vandalismusschäden aufkommen“, sagte Müller. Die Anlagen in Neudorf und an der Bahnhofstraße waren von Jenoptik dagegen noch unter günstigeren Voraussetzungen aufgestellt worden. Die Firma liefert die Rohdaten, die dann vom Ordnungsamt ausgewertet werden.

Rund 400.000 Euro Einnahmen aus Buß- und Verwarngeldern hat die Stadt im vergangenen Jahr eingeplant. Die Summe werde etwa erreicht, sagte Müller. Manche der Verfahren zögen sich noch bis ins neue Jahr hinein.

Leipziger Straße ist Schwerpunkt

Etwa die Hälfte der Temposünder ertappt das Ordnungsamt mit dem mobilen Messgerät. Einer der Schwerpunkte ist die Leipziger Straße, wo an verschiedenen Standorten gemessen wird. Knapp 2.000 Mal hatte es dort Autofahrer erwischt, die zu schnell unterwegs waren.

Ein anderer Schwerpunkt: Die B 169 an der Auffahrt Mastener Straße. Wegen der vielen Unfälle ist dort die Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer reduziert. Knapp 700 Autofahrer waren schneller unterwegs. Die häufige Präsenz des Ordnungsamtes zeige aber Wirkung. „Seitdem hat es dort keine Auffahrunfälle mehr gegeben“, sagte Müller.

Auch auf der Bahnhofstraße geht es ruhiger und unfallfrei zu, seit die Stadt vor zwei Jahren eine stationäre Blitzanlage hatte installieren lassen. Schnell gefahren wird trotzdem noch. 8.000 Mal hatte es dort geblitzt. Sehr viel weniger Raser sind dagegen auf der B 169 in Neudorf unterwegs. Nur um die 200 Kraftfahrer wurden dort mit zu hoher Geschwindigkeit ertappt. „So soll es sein, alle sind zufrieden“, sagte Müller. Allerdings seien die beiden Anlagen wegen technischer Probleme für einige Wochen außer Betrieb gewesen.

Empfindliche Strafen

Manche Autofahrer wiegen sich auf der B 169 in Neudorf in falscher Sicherheit, wenn sie am Blitzer vorbei sind. Das Ordnungsamt hatte, weil im 70er-Bereich zu schnell gefahren wird, auch schon hinter dem stationären Blitzer mit der mobilen Anlage gemessen. Ein Autofahrer war - nach Abzug der Toleranz - mit 130 unterwegs. Macht 240 Euro Geldstrafe und einen Monat Fahrverbot. „Der Anwalt hat uns geschrieben, dass wir so kurz nach einem Blitzer nicht noch mal messen dürfen. Aber das ist Quatsch“, sagte Müller.

Einen anderen Spitzenreiter des Jahres 2020 hatte das Ordnungsamt in Geleitshäuser mit 124 Sachen gemessen, erlaubt sind 50. Macht 680 Euro und drei Monate Fahrverbot plus Punkte in Flensburg. Ein Autofahrer, der mit 70 statt 30 auf der Bahnhofstraße unterwegs war, muss einen Monat laufen und 160 Euro zahlen. Bei Marktkauf war ein Autofahrer mit 78 statt 30 Sachen unterwegs. Ergebnis, 200 Euro Bußgeld und Fahrverbot.

13 Messtafeln im Einsatz

Die Stadt hat derzeit auch 13 Geschwindigkeitsmesstafeln im Einsatz, die den Verkehr beruhigen und anonyme Daten liefern. Das Ergebnis: Entgegen der gefühlten Raserei sind die Autofahrer an manchen Stellen eher gesittet unterwegs. Ein Beispiel sei Ziegra, sagte Müller. „99,8 Prozent der Autofahrer halten sich an die 50 Stundenkilometer.“ Auch auf der Blumenstraße in Döbeln Ost habe es keine größeren Entgleisungen gegeben.

In Juchhöh wurde aber ein Phänomen festgestellt. Nachdem sie die Tafel passiert hatten, gaben manche Autofahrer Gas. Das Ordnungsamt hatte sich daraufhin mit der mobilen Anlage an die Durchgangsstraße gestellt und etliche Temposünder erwischt, sagte Müller.

Beim ruhenden Verkehr ist die Innenstadt nach wie vor ein Brennpunkt für Verstöße gegen die Regeln. Das betrifft zum Beispiel Falschparker auf Ober- und Niedermarkt. 330 waren erwischt worden, als sie ihre Autos in der Fußgängerzone abstellten.

Paketboten fahren durch Fußgängerzone

Ein anderes Problem sind Autofahrer und Paketboten, die durch die Fußgängerzone fahren und sich selbst durch die enge Bäckerstraße quetschen. „Manche hupen sogar“, meint Müller. Die Fahrzeuge werden von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes zwar nicht angehalten, aber die Fahrer fotografiert und abgestraft. Das sei erlaubt, sagte Müller, und wurde auch 161 Mal praktiziert.

Ein Schwerpunkt der Kontrollen seien auch die Feuerwehrzufahrten in Döbeln Ost und Nord, die gern zugeparkt werden. „Das wollen wir nicht einreißen lassen, wir hatten öfter Brände in den Wohngebieten“, sagte Müller. Im vergangenen Jahr waren 57 Autofahrer beim Parken in Feuerwehrzufahren erwischt worden.

Die meisten Tempo- und Parksünder zahlen ihr Verwarn- oder Bußgeld zähneknirschend, aber anstandslos. Wie Müller sagte, gehen nur fünf Prozent der Parksünder und etwa ein Prozent der Temposünder gegen die Bescheide vor. „Die Anwälte spekulieren dann auf die Verjährung, was manchmal auch klappt, weil wir eine Frist nicht einhalten können“, sagte Müller.

Drei Autos abgeschleppt

Zunehmend Probleme bereiten ausländische Autofahrer, deren Zahl zugenommen hat. Oft sei es schwierig, die Adressen zu ermitteln, weil es sich um Saisonarbeiter handelt, sagte Müller. Manchmal gelingt das aber und nach einem drohenden Schreiben wird dann oft auch gezahlt. „Die haben Angst, Probleme zu bekommen, wenn sie wieder einreisen“, sagte Müller.

Auch Autofahrer mit gefälschtem Kennzeichen und nicht zugelassenen Autos seien in letzter Zeit vermehrt aufgefallen. Ab und zu gelingt es, so ein Fahrzeug zu finden. „Weil Gefahr im Verzug ist, wird das gleich abgeschleppt“, sagte Müller. Das habe im vergangenen Jahr dreimal funktioniert. Die Autos würden in der Regel vom Eigentümer auch nicht abgeholt. Sie werden dann zur Abdeckung der Kosten versteigert. „Da war sogar ein BMW dabei“, so Müller.

Die Messtafel an der Leipziger Straße zeigt den Autofahrern an, wie schnell sie sind. Mittlerweile 13 dieser Geräte sammeln im Gemeindegebiet auch anonyme Daten zu den gefahrenen Geschwindigkeiten.
Die Messtafel an der Leipziger Straße zeigt den Autofahrern an, wie schnell sie sind. Mittlerweile 13 dieser Geräte sammeln im Gemeindegebiet auch anonyme Daten zu den gefahrenen Geschwindigkeiten. © Jens Hoyer

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