merken
PLUS Döbeln

Abitur in Coronazeiten

Über Monate mussten sich die Schüler zu Hause vorbereiten. Das sorgte manchmal für Frust, hat aber auch Vorteile.

Des Lessing-Gymnasium Döbeln.
Des Lessing-Gymnasium Döbeln. © André Braun

Von Dagmar Doms-Berger

Döbeln. Brian Münster, Felix Elenkow und Lara-Sofie Berger stehen kurz vor ihrem Schulabschluss. Sie sind Schüler des Lessing-Gymnasiums Döbeln. Ende April beginnen für sie die schriftlichen Abiturprüfungen. Hinter ihnen liegen zwei Schuljahre voller Herausforderungen.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Drei der vier Halbjahre waren von Corona-Beschränkungen gekennzeichnet, die schärfste davon war das wochenlange Homeschooling. Seit 18. Januar sind die Abschlussklassen wieder in der Schule, zunächst im wöchentlichen Wechsel, seit 8. Februar wieder täglich.

Seitdem werden sie ausschließlich in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet, in der Regel sind es fünf. Nach ihren Abiturprüfungen gehen die Schüler weiter in die Schule, um auch die übrigen Fächer abzuschließen. Das sind Maßnahmen, die das sächsische Kultusministerium für das diesjährige Abitur veranschlagt hat, um die pandemiebedingten Nachteile auszugleichen. Sächsische.de hat mit künftigen Abiturienten acht vor Wochen vor ihren Prüfungen gesprochen.

Felix Elenkow (17): „Ich finde es gut, dass wir nur in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet werden. Dadurch hat sich die Unterrichtszeit verkürzt und ich bin viel aufnahmebereiter. Auch im Lernstoff hinken wir nicht hinterher, in Physik sind wir vo
Felix Elenkow (17): „Ich finde es gut, dass wir nur in den prüfungsrelevanten Fächern unterrichtet werden. Dadurch hat sich die Unterrichtszeit verkürzt und ich bin viel aufnahmebereiter. Auch im Lernstoff hinken wir nicht hinterher, in Physik sind wir vo © Dagmar Doms-Berger

„Ich bin größtenteils gut zurechtgekommen“, beschreibt Brian Münster seine Homeschooling-Situation im Rückblick. Brian Münster, 18, Leistungskurs Mathematik und Englisch. Er räumt aber auch ein, dass es durchaus Situationen gegeben hat, in denen er der Verzweiflung nahe war. Das war zum Beispiel, wenn LernSax, die sächsische Lernplattform, nicht funktionierte. Das ließ den Frust steigen. Damit sei ein wichtiges Kommunikationsmittel zu den Lehrern, die damit arbeiteten, nicht mehr möglich. Es kamen dann auch kein Lernstoff und keine Aufgaben mehr an.

Hinzu kam, dass nicht alle Lehrer LernSax verwendeten, sondern verschiedene Plattformen für ihr Fach nutzten. „Dies erschwerte es, den Überblick zu behalten“, sagt der 18-Jährige. Die einen machten digitalen Unterricht über die Videoplattform Zoom, andere nutzten LernSax oder schickten ihren Lernstoff per Mail.

Wunsch: einheitliche Plattform

Er hätte sich vielmehr eine einheitliche Plattform gewünscht, auf der alles zusammenläuft. Die Wochen im Homeschooling erschienen Brian sehr lang. „Der Tagesablauf war irgendwie monoton und sehr von der Schule geprägt“, sagt er. Er hat die Zeit aber auch genutzt, um viel Fahrrad zu fahren. „Das Schlimmste war, dass keiner sagen konnte, wann das alles mal ein Ende hat.“

Inzwischen ist wieder Präsenzunterricht. In Geschichte wird er eine mündliche Prüfung ablegen. Kurios dabei ist, dass er der einzige Prüfling in seinem Kurs ist. Das hat den Vorteil, dass er von seiner Lehrerin Einzelunterricht erhält. „Das ist anstrengend, aber super. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet und werde entspannt in die Prüfung gehen können.“ Brian möchte nach dem Abitur eventuell Sportmanagement studieren.

Lara-Sophie Berger (17): „Das Lernen Zuhause war gut, das Lernen in der Schule ist aber besser. Ich fühle mich bis jetzt gut vorbereitet. Durch den Wegfall der anderen Fächer kann ich mich ausschließlich auf meine Prüfungsfächer konzentrieren, das erleich
Lara-Sophie Berger (17): „Das Lernen Zuhause war gut, das Lernen in der Schule ist aber besser. Ich fühle mich bis jetzt gut vorbereitet. Durch den Wegfall der anderen Fächer kann ich mich ausschließlich auf meine Prüfungsfächer konzentrieren, das erleich © Dagmar Doms-Berger

An den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erinnert sich Lara-Sofie Berger nur ungern. „Damals fand ich es einfach nur schrecklich. Plötzlich war alles weg: Schule, Sport, Musikschule, Chöre, Freunde treffen. Alles spielte sich nur noch zu Hause ab“, erinnert sie sich. Im zweiten Lockdown war für sie vieles schon Gewohnheit. Sie strukturierte ihren Tag fest durch. Schule, Mittag vorbereiten, Klavier spielen, Luft schnappen.

Gleich nach dem Frühstück ging Lara-Sofies erster Blick ins Lernportal LernSax. Ihre Lehrer haben die Aufgaben verteilt über die ganze Woche geschickt. Digitalen Unterricht hat es in ihren Fächern nicht gegeben. Vermisst hat sie es nicht.

Keine Panik vor Prüfungen

„In Physik haben wir den Lernstoff in Textform bekommen, teils auf unterhaltsame Art. In Mathe ging es ausschließlich Richtung Prüfungsvorbereitung. In Deutsch gab es konkrete Aufgaben“, sagt sie. Die 17-Jährige sieht den bevorstehenden Prüfungen ohne Panik entgegen. Nach dem Abitur will sie Zahnmedizin studieren.

Die ersten Wochen des Homeschoolings bleiben Felix Elenkow (17) strapaziös in Erinnerung. Einerseits gab es technische Probleme, andererseits musste sich jeder erst mit dem Ablauf vertraut machen. „Bei uns zu Hause schwankte das Internet, anfangs nutzten die Lehrer unterschiedliche Plattformen, das LernSax fand ich unübersichtlich, das alles war schwierig“, sagt der 17-Jährige.

Brian Münster (18): „Ich kam gut zurecht im Homeschooling. Ich glaube nicht, dass sich die Lernzeit Zuhause nachteilig auf die Prüfungen auswirken wird. Allerdings benutzten nicht alle Lehrer LernSax. Da war es schwer, den Überblick zu behalten. Der Tages
Brian Münster (18): „Ich kam gut zurecht im Homeschooling. Ich glaube nicht, dass sich die Lernzeit Zuhause nachteilig auf die Prüfungen auswirken wird. Allerdings benutzten nicht alle Lehrer LernSax. Da war es schwer, den Überblick zu behalten. Der Tages © Dagmar Doms-Berger

Im letzten Homeschooling waren diese Probleme ausgeräumt und es lief nach seiner Ansicht gut. „Als sich auch mein Tagesablauf eingespielt hatte, konnte ich strukturiert arbeiten.“ Felix findet es gut, dass nur die Prüfungsfächer unterrichtet werden. Im Durchschnitt sind es nur vier Schulstunden pro Tag. Aus seiner Sicht bringt dies enorme Entspannung. „In Mathe muss ich mehr investieren, mehr Kraft hineinstecken, ich fühle mich bis jetzt aber gut begleitet und vorbereitet“, sagt er.

Nachteil: Schule bis in den Sommer

Felix denkt, dass der diesjährige Abitur-Jahrgang sogar Vorteile hat: „Wir haben viel Zeit zum Lernen und müssen uns nur um die Prüfungsfächer kümmern.“ Nur eins stört ihn sehr. Mit den fünf Wochen Schule nach den Prüfungen verlängert sich die ganze Schulzeit bis 9. Juli. Sonst wäre Anfang Juni Schluss gewesen. „Es wäre für uns der längste Sommer gewesen, den wir je gehabt haben und haben werden.“ Nach dem Abitur will Felix Elenkow Tischler werden. Er hat bereits seinen Ausbildungsvertrag in der Tasche.

Die Abiturzeit haben sich die drei Schüler anders vorgestellt, darin sind sie sich einig. „Das, worauf wir uns die ganze Schulzeit gefreut haben, konnte nicht stattfinden“, sagt Felix. Er meint die Dinge, die die Abiturzeit auch ausmachen und in Erinnerung bleiben: die spaßigen Motto-Tage, die Abi-Finanzparty, Kursessen, gemeinsame Grillabende und den Abi-Ball, den es im großen Rahmen, so, wie ihn die anderen Jahrgänge gefeiert haben, wohl auch nicht geben wird.

Nachteile ausgeglichen

Um pandemiebedingte Nachteile für Schüler bei den Abschlüssen auszugleichen, hat das sächsische Kultusministerium ein Bündel an Maßnahmen erarbeitet.

Den Schulen wurden Themen benannt, die kein Schwerpunkt der zentralen schriftlichen Prüfungen sein werden.

Die Teilnahme am Prüfungs-Ersttermin ist freiwillig. Wer sich zu diesem noch nicht in der Lage sieht, die Prüfung abzulegen, kann auf den Zweittermin ausweichen.

Die Zweit- und auch Drittkorrekturen der Abiturprüfungen erfolgen an der jeweiligen Schule. Das soll eine faire Benotung sichern, wenn Prüfungsinhalte aufgrund des bisherigen Infektionsgeschehens an der Schule nicht ausreichend behandelt werden konnten.

Die Arbeitszeit wird in allen schriftlichen Abitur- und Ergänzungsprüfungen um 30 Minuten verlängert.

1 / 5

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln