merken
PLUS Döbeln

Achtung im Stiefelzimmer! Frisch gestrichen

Stiefelwacht und Verwaltung haben im Museum zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Nun könnte wieder geöffnet werden – theoretisch.

Frank Geißler, Rolf Neidhardt und Uwe Reichel (von links) haben sichtlich Spaß beim Wiedereinrichten des Stiefelmuseums auf dem Leisniger Burglehn. Die Kur des großen Stiefels hat die Kommune genutzt, um den Raum vorzurichten.
Frank Geißler, Rolf Neidhardt und Uwe Reichel (von links) haben sichtlich Spaß beim Wiedereinrichten des Stiefelmuseums auf dem Leisniger Burglehn. Die Kur des großen Stiefels hat die Kommune genutzt, um den Raum vorzurichten. © Dietmar Thomas

Leisnig. Immer wieder kommt es vor, dass sich Neugierige an den Toren des Stiefelmuseums auf dem Burglehn die Nase platt drücken. In den zurückliegenden Tagen gab es dort tatsächlich etwas zu sehen. Zwar nicht das Schuhwerk, das nun beinahe 25 Jahre einen Platz im Guinnessbuch der Rekorde hat. Dafür aber Handwerker: die Maler der Stadt Leisnig.

„Sie haben die Risse in den Wänden verspachtelt und alles frisch gestrichen“, sagt Uwe Reichel, der Vorsitzendes des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins. Der Stiefel gehört dem Verein, die Unterkunft, also das Museum, ist im Eigentum der Stadt Leisnig. „Schön, dass das Miteinander so gut geklappt hat“, findet Reichel, während er und weitere Vereinsmitglieder das Stiefelmuseum wieder mit den Ausstellungsstücken ausstatten.

Dazu gehört zum Beispiel eine Werkbank, an der vor Jahrzehnten einmal ein Schuster gesessen und Schuhe angefertigt hat. In einem Regal gibt es einige Exemplare verschiedener Stiefel und Schuhe zu sehen. Sie alle haben die Heimatfreunde noch einmal abgestaubt, bevor sie an den alten Platz zurückgekommen sind.

"Star" des Museums kommt bald zurück

Von den Exponaten her fehlt noch der eigentliche I-Punkt der Ausstellung: der Leisniger Riesenstiefel. „Der kommt in den nächsten 14 Tagen ins Museum zurück“, stellt Reichel in Aussicht.

In einer größeren Halle ist das Schuhwerk von Rolf Neidhardt, einem der beiden Stiefelerbauer, und weiteren Helfern geöffnet worden. Der „Einstieg“ in das Schuhwerk hatte eine Schutzabdeckung bekommen.

Die verhinderte, dass Staub ins Innere eindringen und stattdessen relativ unproblematisch von diesem „Deckel“ abgewischt werden konnte. Hinter diesem Schutz verbarg sich außerdem eine Stütze, damit der überdimensionale Stiefel nicht in sich zusammenfällt. Nach langer Zeit sind die Stütze und der etwas verrutschte Schaft nun wieder etwas gerichtet worden.

Erster Einsatz für neue Stiefelwacht

Der Transport des Stiefels in eine Werkstatt, das Öffnen und Richten sowie das Widereinräumen des renovierten Stiefelzimmers im Museumshaus auf dem Burglehn gehörte zu den ersten Aufgaben der neu gegründeten Leisniger Stiefelwacht.

Die Männer um Hauptmann Mario Bilski sind im Herbst vergangenen Jahres in Dienst gestellt worden. Ihren nächsten Arbeitseinsatz nach dem am vergangenen Wochenende bewältigten sie schon am Feiertag.

Mario Bilski, Chef der Stiefelwacht Leisnig, kümmert sich um den Aufleger, auf dem der Riesenstiefel transportiert und präsentiert wird. Auch daran waren einige Reparaturen nötig.
Mario Bilski, Chef der Stiefelwacht Leisnig, kümmert sich um den Aufleger, auf dem der Riesenstiefel transportiert und präsentiert wird. Auch daran waren einige Reparaturen nötig. © Dietmar Thomas

Dabei ging es um den Anhänger, auf dem der Stiefel transportiert und präsentiert werden kann – sowohl bei Veranstaltungen als auch in der Zeit, in der er im Museums steht. „Wir haben die Aufhängung repariert und auch einige der Kabelhalterungen“, sagt Mario Bilski.

Auch an der Lackierung mussten einige Schrammen – also Spuren des Gebrauchs und des Besucherverkehrs im Laufe der Jahre – beseitigt werden. Dazu bekamen die Ehrenamtlichen Unterstützung durch die Handwerker der Autolackiererei Menzel auf der Muldenwiese, die die passende Farbe angemischt und zur Verfügung gestellt hatten.

Wenn der Stiefel im Museum zurück ist, könnte dieses eigentlich wieder öffnen. Das allerdings hängt weder von den Männern der Stiefelwacht, noch von den Heimatfreunden oder Museumsbetreuerin Bärbel Gitalla ab. Sie steht schon längst in den Startlöchern.

Doch wie auch in den staatlichen Einrichtungen wie der benachbarten Burg Mildenstein gibt es in der gegenwärtigen Pandemiesituation noch keine verbindlichen Festlegungen, wann Musen wieder öffnen dürfen. „Sobald es die Corona-Regelungen zulassen, wollen wir wieder Gäste im Museum empfangen“, sagt Uwe Reichel.

Fotos von der Entstehung des Riesenstiefels

Ihnen kann Bärbel Gitalla in Zukunft auch Fotos von den einzelnen Entstehungsschritten des Leisniger Riesenstiefels zeigen. Dafür haben der Geschichts- und Heimatverein sowie die Stiefelwacht die Wände neu bestückt. Und das wird in Zukunft noch einfacher sein.

Statt für jedes Exponat Löcher in die Wände des alten Hauses bohren zu müssen, haben sich die Nutzer für ein System entschieden, bei dem Schienen an den Wänden angebracht werden und an denen wiederum die Ausstellungsstücke wie eben Fotos, Schautafeln oder eine Kopie der Guinnessbuch-Eintragung.

Auf ganz ähnliche Weise werden in der oberen Etage des Stiefelmuseums Werke des Leisniger Heimatmalers Karl Wagler gezeigt. Wagler hatte in genau diesem Haus und den jetzigen Ausstellungsräumen sein Atelier, hat dort unter anderem Zeichenunterricht gegeben.

Für die Heimatfreunde wäre die Museumsöffnung auch wichtig, damit der eine oder andere Euro in die Vereinskasse kommt. Denn andere Möglichkeiten, Einnahmen zu generieren, haben sie wie andere Vereine kaum, weil coronabedingt nicht gefeiert werden darf, Feste ausfallen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln