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Ärztinnen tauschen die Rollen

Die Allgemeinmedizinerin Sabine Zschockelt übergibt die Praxis an Stephanie Barth. Dann ist sie nur noch angestellt.

Übergabe geglückt: Stephanie Barth (links) übernimmt zum 1. April die Praxis von Sabine Zschockelt. Die 64-Jährige tritt in die zweite Reihe und wird noch als angestellte Ärztin weiterarbeiten.
Übergabe geglückt: Stephanie Barth (links) übernimmt zum 1. April die Praxis von Sabine Zschockelt. Die 64-Jährige tritt in die zweite Reihe und wird noch als angestellte Ärztin weiterarbeiten. © Jens Hoyer

Döbeln. Es dürfte selten sein, dass die Übergabe einer Arztpraxis so reibungslos funktioniert wie bei Sabine Zschockelt und Stephanie Barth. Am 1. April werden die beiden die Verhältnisse tauschen.

Die Allgemeinmedizinerin, die die Praxis an der Grimmaischen Straße seit fast 30 Jahren führt, tritt in die zweite Reihe zurück und arbeitet noch als angestellte Ärztin weiter. Stephanie Barth dagegen, die bisher angestellt war, übernimmt die gut eingeführte Praxis mit etwa 1.500 Patienten.

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Die beiden haben ein prima Verhältnis, seit Stephanie Barth 2008 im Studium ein Praktikum in der Praxis absolvierte. „Es war mir schon damals klar, dass ich in die Ambulanz wollte“, sagte die 38-Jährige. „Hier war es immer so schön mit dem Team und Frau Zschockelt. Wir sind uns ähnlich. Auch beim Therapiekonzept.“

Hoffnung nicht ernttäuscht

Die Hoffnung der 64-Jährigen, dass die junge Kollegin die Praxis übernehmen wird, wurde nicht enttäuscht. 2019 hatte die Allgemeinmedizinerin ihre Nachfolgerin erst einmal eingestellt. „So etwas plant man über Jahre, nicht erst zwei Wochen vorher“, sagte sie. Anträge waren zu stellen und Genehmigungen einzuholen.

Corona sei auch noch dazwischengekommen. Es wurde vereinbart, einfach die Rollen zu tauschen. „Das ist schon komisch für mich. Ich musste bisher alles regeln. Mich jetzt zurückzuziehen, ist nicht so einfach.“ Die Chemie zwischen den beiden stimmt. „Das passt ja in den seltensten Fällen. Das ist für uns ein großer Glücksfall.“

Neue Diagnosemethoden

Sabine Zschockelt, die aus Leipzig stammt, praktiziert seit 40 Jahren in Döbeln. Erst in der Poliklinik. Dann sei sie „zwangsverpflichtet“ worden, die Betriebsarztpraxis im Roßweiner Armaturenwerk zu übernehmen. „Dort war ich bis zur Wende. Am 1. Januar 1992 habe ich dann eine eigene Praxis eröffnet. Das war am Anfang nicht einfach. Aber ich hatte immer Glück mit dem Personal.“ Die erste Praxis war in der Grimmaischen Straße 3. Zwölf Jahre später war sie in die Grimmaische Straße 21 umgezogen.

Stephanie Barth ist Internistin, Palliativ- und Notfallmedizinerin. Sie hatte ihre Facharztausbildung in der Helios-Klinik in Leisnig absolviert. Mit dieser Qualifikation kann sie auch als Allgemeinmedizinerin arbeiten.

Bewährtes bleibt erhalten

Vieles bleibt in der Praxis beim Alten. Das Bestellsystem, das schon Sabine Zschockelt eingeführt hat. Und die Öffnungszeiten. Ein paar Dinge sind dazugekommen, Die Nachfolgerin kann jetzt auch Ultraschalluntersuchungen durchführen. Und bei Bedarf Langzeit-EKG. Dadurch entfallen für die Patienten Wartezeiten.

Das Schlafscreening, mit dem nächtliche Atemaussetzer festgestellt werden, gehört ebenfalls zu den neu eingeführten Diagnosemethoden. „Dafür haben Kollegen schon Patienten zu uns überwiesen“, sagte die 38-Jährige.Videosprechstunden und Ferndiagnosen lehnt die junge Medizinerin dagegen ab. „Wenn ich einen Patienten abhören will, dann muss er schon in die Praxis kommen.“

Praxis will impfen

Corona hat die Hausärzte vor Herausforderungen gestellt. Sabine Zschockelt und ihre Kollegin haben gemerkt, dass die Patienten vorsichtiger werden und sich zurückziehen. Was fatale Folgen haben kann etwa bei Krebspatienten. „Oder, dass da einer mit 200 Blutdruck herumläuft“, sagte Stephanie Barth.

Jetzt stellt sich die Praxis darauf ein, dass es mit dem Impfen gegen Corona losgeht. „Wir möchten gerne impfen, weil wir denken, dass das in die Hausarztpraxen gehört. Wir wissen, was die Patienten für Vorerkrankungen haben“, sagte Stephanie Barth. „Wir wissen, dass viele Patienten darauf warten“, so Sabine Zschockelt. Zu den Patienten gehörten viele Hochbetagte, die nicht mehr ins Impfzentrum in Mittweida fahren können. „Und dann sollen sie sich auch noch online anmelden.“

Auch die soziale Komponente ist es, die die junge Medizinerin reizt, die Praxis zu übernehmen. „In der Klinik hat man 30, 40 fremde Patienten am Tag. Hier betreue ich ganze Familien. Das finde ich schön.“ Dass es nicht einfach ist als Hausarzt, darüber ist sich die 38-Jährige bewusst. „Allein schon durch das bürokratische Monster, dem man jeden Tag gegenübersteht.“

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