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Döbeln

Angeklagter kommt in Handschellen

Der Mann wird direkt aus der JVA zur Verhandlung gebracht. Nach dem Urteil braucht er eine Fahrkarte für den Zug.

Bei der Verhandlung am Döbelner Amtsgericht hat der Angeklagte eine Bewährungsstrafe erhalten.
Bei der Verhandlung am Döbelner Amtsgericht hat der Angeklagte eine Bewährungsstrafe erhalten. © André Braun

Döbeln. Ruhig sitzt der Angeklagte, ein 35-jähriger Mann aus der Region Rochlitz, auf seinem Platz. Seine Bewegungsfähigkeit ist eingeschränkt. Er ist in Fußfesseln und Handschellen aus der Justizvollzugsanstalt Dresden zur Verhandlung am Döbelner Amtsgericht gebracht worden.

Der Grund für dieses Prozedere liegt beim Angeklagten selbst. Zweimal ist er zur Verhandlung nicht erschienen, sodass er Mitte November 2020 festgenommen wurde. Vorgeworfen werden ihm gefährliche sowie vorsätzliche Körperverletzung.

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Der erste Vorfall liegt schon fast acht Jahre zurück. Am 9. Mai 2013, dies war der Himmelfahrtstag, schlug er einem anderen Mann ins Gesicht. Als der am Boden lag, soll ihm der Angeklagte mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben. An dieser Tat soll neben dem Angeklagten ein zweiter Mann beteiligt gewesen sein, doch der konnte bisher nicht ermittelt werden. Zwar gibt es von dem Geschehen, das sich vor dem Busbahnhof in Mittweida zugetragen hat, ein Video, doch darauf sind nur der Angeklagte sowie das Opfer zweifelsfrei zu erkennen.

Alkohol spielt eine Rolle

Wie es zu den Streitereien und der Schlägerei kam, weiß der 35-Jährige nicht mehr. „Es war Himmelfahrtstag und ich war betrunken“, kann er sich erinnern. Er wisse auch nicht, wer der Mittäter gewesen sein könnte. „Erst am nächsten Tag habe ich von anderen erfahren, was passiert ist. Daraufhin habe ich mich bei dem Opfer entschuldigt“, sagt er.

Auch bei der zweiten Tat, die dem Angeklagten vorgeworfen wird, spielt der Alkohol eine Rolle. Passiert ist sie am 26. November 2019. „Wir haben gemeinsam getrunken, dann hat mich der andere provoziert. Ich hätte wohl einfach gehen sollen, stattdessen habe ich zugeschlagen“, sagt er dazu. Am Tag darauf seien sich beide Männer wieder begegnet und hätten sich gegenseitig beim anderen entschuldigt.

Richterin Nancy Weiß fragt, ob der Angeklagte ein Alkoholproblem hat. Das räumt der Mann unumwunden ein. Professionelle Hilfe habe er bisher nicht in Anspruch genommen.

Zeuge kann sich nicht erinnern

Zum Hergang des Geschehens am 9. Mai 2013 wird ein Zeuge befragt. Der kann sich jedoch nicht an den Vorfall erinnern. Das Opfer von damals hat sich für die Verhandlung entschuldigen lassen. Zwei weitere Zeugen, die zur Tat vom November 2019 befragt werden sollen, fehlen unentschuldigt. Sie müssen mit einer Ordnungsstrafe rechnen.

Auf seine wirtschaftlichen Verhältnisse angesprochen, sagt der Angeklagte, dass er bis Ende 2018 einen festen Job hatte, momentan aber keine Arbeit hat. Bevor er im November festgenommen worden war, hatte er für eine Woche zur Probe in einer Gleisbaufirma gearbeitet. Er hoffe, dass er dort wieder anfangen könne. Eine eigene Wohnung hat er derzeit nicht, sondern wohnt bei seinem Vater.

Der Staatsanwalt sieht aufgrund der Eingeständnisse des Angeklagten die beiden Taten als erwiesen an. Er fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Richterin Nancy Weiß verhängt eine Strafe von sechs Monaten und zwei Wochen, die sie auf zwei Jahre zur Bewährung aussetzt. Zudem trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens. Für ein Jahr wird dem Angeklagten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Aufgrund der Bewährungsstrafe muss der Angeklagte nicht mehr in die Justizvollzugsanstalt zurück. Auf die Frage, wie er nach Hause kommt, antwortet er, dass er den Zug nimmt.

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