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Über 300 Asylbewerber für Mittelsachsen

Unter den Zugewiesenen sind deutlich mehr Venezolaner als in den Vorjahren. In den Unterkünften herrscht derzeit wegen Corona ein Besuchsverbot.

Auch in der Döbelner Gemeinschaftseinrichtung herrscht zurzeit aufgrund der Pandemie ein Besuchsverbot.
Auch in der Döbelner Gemeinschaftseinrichtung herrscht zurzeit aufgrund der Pandemie ein Besuchsverbot. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Immer mehr Menschen aus Venezuela verlassen ihre Heimat und suchen in Asyl in Deutschland. Allein 113 Asylsuchende aus dem südamerikanischen Land wurden bis Ende Oktober dem Landkreis zugewiesen. Im vergangenen Jahr waren es zur selben Zeit 34 Venezolaner. „Der Personenkreis stellte im Jahr 2020 die höchste Neuzuweisungsgruppe dar“, so Kreissprecher André Kaiser.

Wie haben sich die Zahlen der Zuweisungen entwickelt?

Bis Ende Oktober wurden dem Landkreis insgesamt 253 Personen zugewiesen. Die meisten, die um Asyl baten oder in Mittelsachsen geduldet worden sind, kamen dabei aus dem Irak (183). Hinzukommen neben den Venezolanern Asylsuchende aus Indien (108) sowie Afghanistan (102).

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Aufgrund der Corona-Lage waren die Zuweisungen im März sowie April ausgesetzt worden. Momentan laufen sie weiter. So kamen im November noch einmal 33 Asylsuchende nach Mittelsachsen, im Dezember wird vom Landkreis mit 32 weiteren Zuweisungen gerechnet. Damit könnte die Zahl der Asylbewerber 2020 noch auf 318 steigen.

Im Vergleich mit den Vorjahren erneut ein leichter Rückgang. Die Zahl für 2019 beläuft sich auf 385. In den Vorjahren gab es rund 460 (2018), knapp 430 (2017) sowie 1.230 (2016) Zuweisungen.

Hat Mittelsachsen auch Flüchtlinge aus Moria aufgenommen?

In Mittelsachsen seien bisher zwei Kontingentflüchtlinge aufgenommen worden, welche von den griechischen Inseln kamen. Ob diese allerdings im Anfang September 2020 abgebrannten Flüchtlingslager Moria gelebt haben, sei nicht bekannt, so der Kreissprecher.

Wie ausgelastet sind die Gemeinschaftsunterkünfte?

In den Gemeinschaftseinrichtungen in Mittelsachsen, wie sie unter anderem an der Friedrichstraße in Döbeln sowie in Freiberg und Mobendorf im Striegistal zu finden sind, ist derzeit noch ausreichend Luft für weitere Schutzsuchende. Die Auslastung liegt noch unter der Grenze von 85 Prozent.

Insgesamt stehen in den Einrichtungen 988 Plätze zur Verfügung, eine sinnvolle Belegung ist bis zu 840 Plätzen möglich. Die aktuelle Auslastung liegt jedoch nur bei rund 570 Plätzen.

Wie voll sind die Wohnprojekte und Wohnungen?

Anders sieht es in den Wohnprojekten und den Wohnungen aus, die von der Gesellschaft für Strukturentwicklung und Qualifizierung Freiberg angeboten werden. Hier sind fast alle angebotenen Objekte auch zu 85 Prozent belegt. Bis zu 495 Plätze gibt es beispielsweise in den GSQ-Wohnungen, 490 davon sind belegt.

In den Wohnprojekten sind bei 85-prozentiger Auslastung 377 Plätze vorhanden, 335 sind derzeit besetzt. „Die zur Verfügung stehenden dezentralen Unterbringungskapazitäten sind nach gewonnenen Erfahrungen im Durchschnitt zu 85 Prozent tatsächlich belegbar, da bei der Belegung nach Möglichkeit das Geschlecht, die Nationalität, die Religion sowie die Alters- und Familienstrukturen berücksichtigt werden“, erklärt André Kaiser.

Um während der Corona-Pandemie die entsprechenden Schutzmaßnahmen umzusetzen, werde zudem darauf geachtet, die Belegungskapazitäten nicht komplett auszureizen. Nur so bestehe Spielraum für Kontaktreduktionen sowie die Isolation für infizierte Personen.

Knapp 170 Asylbewerber leben zudem in privaten Wohnungen. Damit sind in Mittelsachsen zurzeit rund 1.600 Asylbewerber und Geduldete untergebracht.

Gab es in den Einrichtungen bereits Fälle von Covid-19?

„Der Stabsstelle Ausländer- und Asylangelegenheiten wurden bislang zwei bestätigte Covid-19-Fälle gemeldet“, informiert André Kaiser. Die Betroffenen seien zum Zeitpunkt der Infektion in einer eigenen Wohnung untergebracht gewesen. „Sie wurden durch das Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt und durch die zuständigen Sozialarbeiter aufgeklärt und unterstützt“, sagt der Kreissprecher.

Werden Ankommende auf das Coronavirus getestet?

Personen, die dem Landkreis zugewiesen werden sollen, werden nach Angaben von Kaiser bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung auf Covid-19 getestet. Hinzukomme, dass die Betroffenen sieben Tage vor der geplanten Zuweisung an den Kreis in der Erstaufnahme von anderen Bewohnern getrennt werden.

Was passiert mit positiv getesteten Asylbewerbern?

In den Gemeinschaftseinrichtungen gibt es einzelne Zimmer, in denen Personen mit einem nachgewiesenen Covid-19-Infekt oder entsprechenden Symptomen untergebracht werden können. „Die Betroffenen dürfen diese Zimmer während der Quarantäne nicht verlassen, was durch das Personal und den Sicherheitsdienst zu kontrollieren ist“, äußert sich André Kaiser.

Dürfen Besucher die Einrichtungen betreten?

Seit November gilt in den Unterkünften erneut ein Besuchsverbot. Grund sind die steigenden Fallzahlen im Landkreis sowie bundesweit. Ob die Bewohner auch wirklich keinen Besuch empfangen, werde von den Wachdiensten kontrolliert.

„Bisher sind der Stabsstelle von den Einrichtungen keine Verstöße gegen das Besuchsverbot gemeldet worden. Das Verständnis der in den Einrichtungen lebenden Personen ist sehr hoch“, so Kaiser.

Wie viele unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) leben im Kreis?

Bis Ende Oktober seien laut Kaiser 40 umAs durch den Landkreis betreut worden. Die minderjährigen Ausländer, die ohne Erziehungsberechtigte nach Deutschland gekommen sind, seien vorwiegend in den stationären Jugendhilfeeinrichtungen wie den Heimen oder in Jugendwohngruppen untergebracht. Dort erhielten sie eine intensive pädagogische Betreuung. Auch die Zahl der umA ist im Kreis weiter rückläufig. So wurden 2019 67 unbegleitete Minderjährige betreut, 2018 waren es 114.

Wie viele Abschiebungen gab es 2020 aus dem Landkreis?

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Nach Angaben des Landratsamtes waren bis Ende Oktober 19 Abschiebungen angeordnet gewesen. Bisher vollzogen worden sind 15. Zudem hat die Stabsstelle im Rahmen des Rückkehrmanagements bis Ende Oktober 18 freiwillige Ausreisen begleitet. Im selben Zeitraum 2019 nutzten 52 Personen aus dem Landkreis das Angebot zur freiwilligen Ausreise.

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