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Auf den Spuren von Waldheims Geschichte

Der Heimatverein ist aus dem ehemaligen Kulturbund der DDR hervorgegangen. Nach 30 Jahren fällt die Bilanz positiv aus.

Die Steinchenbande, die mit ihrer Lego-Ausstellung im vergangenen Jahr erfolgreich war, ist die jüngste Interessengruppe des Waldheimer Kultur- und Heimatvereins.
Die Steinchenbande, die mit ihrer Lego-Ausstellung im vergangenen Jahr erfolgreich war, ist die jüngste Interessengruppe des Waldheimer Kultur- und Heimatvereins. © Dietmar Thomas

Waldheim. Selbst runde Geburtstage werden wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr eher im Stillen begangen. Die Mitglieder des Waldheimer Kultur- und Heimatvereins können gleich zwei davon begehen.

Zum einen ist das der 75. Jahrestag der Gründung der Kulturbund-Ortsgruppe Waldheim. Sie war Vorgänger des heutigen Kultur- und Heimatvereins der Zschopaustadt. Und den gibt es im April seit nunmehr 30 Jahren.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Gegründet wurde die Waldheimer Ortsgruppe des Kulturbundes von Alexander Neroslow. Die heutige Waldheimer Oberschule trug zu DDR-Zeiten seinen Namen. „Allerdings war Neroslow nicht unumstritten“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins Albrecht Hänel.

Der aus einer wohlhabenden Petersburger Familie stammende Neroslow engagierte sich während des Nationalsozialismus in der Widerstandsbewegung. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn 1942 zu lebenslanger Haft, die er im Zuchthaus Waldheim antrat.

„Nach Ende des Krieges arbeitete er auf Anweisung des sowjetischen Stadtkommandanten im Bürgermeisteramt als Dolmetscher und Sekretär“, so Hänel. Außerdem war er freischaffender Kunstmaler.

Neues Kapitel der Kulturgeschichte begann

Der Kulturbund war eine kulturelle Massenorganisation in der damaligen DDR. Mit der politischen Wende verlor diese ihre Daseinsberechtigung. Schon kurz nach Gründung der Waldheimer Ortsgruppe hatte sich aber eine Vielzahl von Vereinen unter dem Dach der Organisation zusammengefunden. „Es gab damals schon Interessengruppen, wie zum Beispiel Theater, Musik, Zeichnen, Klöppeln, Wandern, Numismatik oder Philatelie“, so Hänel.

Die Wende sei damals der Auslöser dafür gewesen, die Geschichte aufzuarbeiten und gleichzeitig ein neues Kapitel der Natur- und Heimatgeschichte aufzuschlagen“, so Hänel. Im April 1991 gründet sich unter der Leitung von Christina Schütze, Karl Schuster, Lutz Kirchner und dem neu gewählten Bürgermeister Karl-Heinz Teichert der Kultur- und Heimatverein für Waldheim und Umgebung.

Zwölf Interessengruppen unter einem Dach

„Unser Ansinnen ist bis heute die Pflege der Heimatgeschichte sowie der Erhalt der Natur und Kultur“, erklärt Hänel. Nach nunmehr 30 Jahren könne er eine positive Bilanz ziehen. „Zwölf Interessengruppen haben sich unter unserem Vereinsdach zusammengefunden. Sie reichen von Fotografie über den Volkschor, Klöppeln und Modellbau, Wandern und Städtepartnerschaft bis hin zu einer Gruppe mit dem Namen Flora und Fauna“, so Hänel.

Den einzelnen Interessengruppen lasse der Vorstand weitestgehend freie Hand. „Gerade für die Beantragung von Fördergeld oder das Ausstellen von Spendenquittungen ist ein Verein unabdingbar“, so der Vorsitzende.

Im Laufe der Jahre hat der Verein eine Vielzahl an Lektüre über Waldheim herausgebracht. Unter anderem gehören dazu das Heimatbuch aus dem Jahr 1991, eine Broschüre über den Inhalt der Turmkugel des Rathauses, der vor der Sanierung des Gebäudes gefunden wurde, die im Jahr 2008 erschienene Broschüre über den Sport in Waldheim oder das Baumbuch von 2013, in dem alle seltenen und historisch erhaltenswerten Bäume aufgeführt sind.

Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte sei die Teilnahme des Waldheimer Volkschores an den europäischen Musiktagen 2017 in Landsberg gewesen.

Vereinsgedanke wird in die jüngere Generation getragen

Nachwuchs zu finden, sei immer ein Problem. Albrecht Hänel sieht dieses beim Kultur- und Heimatverein jedoch nicht als vordergründig an. Mit der Interessengruppe „Steinchenbande“ gebe es ein Truppe junger Leute.

Die IG Modellbau trage den Vereinsgedanken überdies bei Ganztagsangeboten an den Schulen auch in die jüngere Generation. Dem Volkschor seien in den zurückliegenden Jahren auch einige jüngere Mitglieder beigetreten.

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