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Bald Kinderlachen im alten Roßweiner Amtsgericht

Bevor die Mädchen und Jungen der Kita Bussibär umziehen können, sind die Handwerker am Zug. Dann wird ihre alte Villa zur Großbaustelle.

Jürgen Hofmann von der Döbelner Ausbau und Modernisierungs GmbH schleppt hier noch Baumaterial durch die künftige Garderobe der Kita-Kinder.
Jürgen Hofmann von der Döbelner Ausbau und Modernisierungs GmbH schleppt hier noch Baumaterial durch die künftige Garderobe der Kita-Kinder. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Roßwein und die der öffentlichen Einrichtung sind umzugserprobt. Zuerst waren Lehrer und Oberschüler für die Komplett-Sanierung des Schulhauses in ein Übergangsdomizil an der Döbelner Straße gezogen.

Letzteres wird nun seit Monaten und ganz sicher auch im nächsten Schuljahr noch von den Grundschülern und Hortkindern genutzt. Im August ist erst die Stadtbibliothek mit dem gesamten Medienbestand umgezogen. Und jetzt sind es die Mädchen und Jungen der Kita Bussibär beziehungsweise das Mitarbeiterteam, die ihre Sachen zusammenpacken müssen.

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Umzug der Roßweiner Kita in den Herbstferien

Umzugstermin ist der 19. und 20. Oktober. „Das ist bewusst in den Ferien gewählt, weil sich einige Kinder da im Herbsturlaub befinden“, sagt Bauamtsleiter Dirk Mehler. Unter seiner Regie wird gerade die Übergangskita hergerichtet.

In den Räumen dürfte nahezu jeder Roßweiner schon einmal gewesen sein: das alte Amtsgericht an der Döbelner Straße. Dort befindet sich in ehemaligen Räumen der Hochschulbibliothek auch die Stadtbibliothek, solange in der Bücherei an der Poststraße Sanierungen laufen. Und nun wird die gesamte erste Etage für die Nutzung durch die Bussibär-Kinder vorbereitet.

Acht Gruppenräume nehmen rechts und links eines langen Flures Gestalt an. Gleich nach dem Treppenaufgang und dem Eingang bereiten die Handwerker gerade die Installation von Toiletten und Waschbecken vor. Auf der gegenüberliegenden Seite wird eine Ausgabeküche neu eingerichtet.

Nach einem beeindruckenden Empfangszimmer mit Vertäfelungen an einer Wand, Deckenmalerei und einem hübschen Deckenleuchter – hier soll die Garderobe eingerichtet werden – schließen sich noch ein Waschraum und dann die Gruppenräume an. In den meisten muss neuer Belag auf den Boden verlegt werden.

Wände versetzt und neue Heizlösung

Die Wände sind bis in 1,80 Metern Höhe mit einer abwaschbaren Lasur zu versehen. Das ist Dirk Mehler zufolge in Vor-Ort-Begehungen mit den Behörden, die schließlich auch für das Übergangsdomizil die Betriebserlaubnis erteilen müssen, abgestimmt. Die eine oder andere Tür bekommt noch einen neuen Farbanstrich. Allerdings nicht jede.

Die dunklen Holztüren, die sicher schon Räume trennten, als in dem imposanten Gebäude Recht gesprochen worden ist, bleiben so, wie sie sind. Auch darüber habe es Absprachen mit der Denkmalschutzbehörde gegeben, sagt der Bauamtsleiter. Gleich am Eingang waren allerdings ein Wanddurchbruch und das Versetzen einer Tür notwendig. Ansonsten hätten die Kinder nach dem Toilettenbesuch im Flur und fast im Freien gestanden.

Eingreifen musste die Kommune auch in die Haustechnik. Eine neue Trinkwasserleitung zu dem Grundstück und zum Haus ist verlegt, die alten Bleileitungen im Haus sind ersetzt worden. „Sonst“, so Dirk Mehler, „hätten die Anforderungen in Sachen Trinkwasserqualität niemals erfüllt werden können.“

Richter und Angeklagte, Studierende, Geflüchtete – das Gebäude Döbelner Straße 85 hat viele Nutzer „gesehen“. Ab Oktober gehört die erste Etage Kindern und Erziehern.
Richter und Angeklagte, Studierende, Geflüchtete – das Gebäude Döbelner Straße 85 hat viele Nutzer „gesehen“. Ab Oktober gehört die erste Etage Kindern und Erziehern. © Dietmar Thomas
Bauamtsleiter Dirk Mehler steht im alten Heizraum. Die Technik dort wird für den Kita-Betrieb nicht wieder in Betrieb genommen. Es gibt eine zuverlässige Übergangslösung.
Bauamtsleiter Dirk Mehler steht im alten Heizraum. Die Technik dort wird für den Kita-Betrieb nicht wieder in Betrieb genommen. Es gibt eine zuverlässige Übergangslösung. © Dietmar Thomas

Mobile Heizstation im Hof

Auch heizungstechnisch musste etwas passieren. Wann sich ein Prüfer das letzte Mal den Heizkessel angesehen hat, sei auf dem Metallschild schon gar nicht mehr zu erkennen gewesen. Daher werde demnächst noch eine mobile Heizstation im Hof errichtet. „Die können wir für die Zeit, für die wir sie benötigen, von der Heizungstechnik Waldheim mieten“, erklärt Mehler die Vorteile gegenüber der Installation neuer Technik im Keller.

Die hätte womöglich auf das gesamte mehrstöckige Haus ausgelegt werden müssen. So konnte sich die Kommune auf die Parameter beschränken, die sie zum Heizen einer Etage benötigt. Neue Heizkörper sind dort schon an den Wänden. „Die alten wären in einer Kindereinrichtung nicht zugelassen gewesen“, sagt der Amtsleiter.

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Den gesamten Aufwand betreibt die Kommune, um die Kita Bussibär überhaupt halten zu können. Die Einrichtung an der Gersdorfer Straße befindet sich in einer früheren Fabrikantenvilla. Die Gegebenheiten dort entsprechen den heutigen Erfordernissen schon lange nicht mehr.

Zwischenlösung kostet sechsstellige Summe

Vor allem aus Sicht des Brandschutzes gab es bei Begehungen immer wieder Auflagen und die Anforderung an die Kommune, etwas zu tun. Dem kommen die Stadträte jetzt nach. Ansonsten drohte das Auslaufen der Betriebserlaubnis. Damit hätten die Eltern von fast 80 Kindern ohne Betreuung dagestanden. Ein Unding, für die Eltern, aber auch die Verwaltungsmitarbeiter und Stadträte.

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„Wir sind froh, dass wir dieses Übergangsdomizil an der Döbelner Straße hier nutzen können“, sagt der Bauamtsleiter. Auch, wenn die Ertüchtigung der Räume jetzt eine sechsstellige Summe kostet. Das Aufstellen von Containern als Zwischenlösung für die Kindereinrichtung wäre im Endeffekt nicht günstiger gewesen. Das hatte die Bauverwaltung im Vorfeld kalkuliert.

Die meisten der jetzigen Einbauten werden gemäß jetziger Absprache mit dem Hauseigentümer im Haus bleiben können. Soweit Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) weiß, sollen das frühere Gerichts-, die Nebengebäude und das Grundstück selbst irgendwann wieder verkauft werden. „Die derzeitigen Besitzer haben damit keine Pläne“, so Lindners Kenntnisstand.

2,2 Millionen Euro für Bussibär

Doch zunächst einmal werden die Bussibär-Kinder in den nächsten Monaten die Nutzer sein, sich das herrliche Freigelände mit den Hortkindern teilen. Im Moment läuft die europaweite Ausschreibung für die Planung des Projektes Um- und Anbau „Bussibär“. Die Zeit bis zur Vergabe und dem eigentlichen Baustart will die Kommune Dirk Mehler zufolge nutzen, um nötige Abrisse zu realisieren.

Mit der Erweiterung sollen 30 neue Plätze für Krippen- und Kindergartenkinder entstehen. Mit einem Investitionsvolumen von 2,2 Millionen Euro packt die Stadt Roßwein nach der Oberschul- und der laufenden Grundschulsanierung sowie dem Neubau der Stadtsporthalle binnen kurzer Zeit das nächste Großprojekt an.

Dank der Förderung durch den Bund wird der Haushalt nur mit rund 200.000 Euro belastet. „Nur so kann sich die Stadt Roßwein diese Investition leisten“, sagt der Amtsleiter.

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