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Bald Pole-Dance und Graffiti im Checkpoint?

Nach fast einem Jahr der Suche hat der Waldheimer Klub eine neue Chefin. Die hat interessante Pläne.

Sina Behrendt ist die neue Leiterin des Jugendfreizeitzentrums „Checkpoint“ in Massanei. Sie hat viele Ideen für die künftige Nutzung des Domizils. Unter anderem möchte sie in der Halle einen Kurs für Pole-Dance und Luftakrobatik leiten.
Sina Behrendt ist die neue Leiterin des Jugendfreizeitzentrums „Checkpoint“ in Massanei. Sie hat viele Ideen für die künftige Nutzung des Domizils. Unter anderem möchte sie in der Halle einen Kurs für Pole-Dance und Luftakrobatik leiten. © Lars Halbauer

Waldheim. Sie heißt Sina Behrendt, ist 29 Jahre alt und seit Anfang Mai Leiterin des Jugendfreizeitzentrums „Checkpoint“ im Waldheimer Ortsteil Massanei. Der Döbelner Anzeiger hat mit ihr gesprochen.

Frau Behrendt, was hat Sie dazu bewogen, die Stelle in Waldheim anzutreten?

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Ich bin bei der Kindervereinigung Leipzig angestellt, in dessen Trägerschaft sich der Checkpoint befindet. Vor meiner Elternzeit habe ich mich in Frohburg um die Betreuung von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen gekümmert. Diese Stelle gibt es nicht mehr. Deshalb hat mir die Kindervereinigung die Leitung des Freizeitzentrums in Waldheim angeboten, die seit Anfang 2020 vakant war. Bis Oktober gab es in Massanei noch stundenweise Angebote durch einen Erzieher. Im Oktober hat er auch aufgehört, und dann kam der Lockdown wegen der Corona-Pandemie.

Wann dürfen Kinder und Jugendliche wieder in den Checkpoint?

Ich habe ja Anfang Mai angefangen. Bisher habe ich leider noch kein einziges Kind hier gesehen. Das hat natürlich etwas mit der Corona-Pandemie zu tun, während der der Besuch der Einrichtung nicht möglich gewesen ist. Ab Juni will ich aber nach und nach mit den Angeboten beginnen und versuchen, möglichst viele Kinder und Jugendliche dafür zu begeistern.

Welche Pläne haben Sie konkret?

Meine Hauptinteressengebiete sind Sport, Kunst, PC-Spiele und Natur. Deshalb werden sich die Angebote im Checkpoint hauptsächlich auf Sport-, Theater- und Erlebnispädagogik beziehen. Natürlich bin ich aber auch für weitere Ideen offen. Beispielsweise könnte ich mir vorstellen, dass die Jugendlichen unter Aufsicht an ihren Fahrrädern oder Mopeds schrauben. Für derartige Projekte würde ich mir wünschen, dass mir Ehrenamtliche unter die Arme greifen. Mal sehen, wie das anläuft. Geocaching, Pflanzenkunde, Kochen oder Basteln mit Materialien, die wir uns vorher draußen in der Natur gesucht haben. Auch ein Survival-Camp, beispielsweise in den Ferien, wäre möglich. Derzeit erstelle ich in Zusammenarbeit mit dem CityClub und dem North Point Döbeln das Programm für die Sommerferien. Viele Ideen habe ich für den Checkpoint, aber auch in Bezug auf Sport.

Welche sind das genau?

Während meines Pädagogik-Studiums habe ich einen Poledance-Verein und ein Sportstudio für Aerial Sport, zu Deutsch Luftaktrobatik, aufgebaut. Aerial-Sport sind zum Beispiel Übungen am Vertikaltuch, was auch für Kinder geeignet ist. Meine Erfahrungen, die ich als Trainerin in diesem Bereich habe, würde ich gerne im Checkpoint anbieten. Beim Pole-Dance handelt es sich um Leistungssport. Die Voraussetzungen mit der Sporthalle, die wir im Objekt haben, sind optimal. Hier ist während der Zwangspause der Fußboden aufgearbeitet worden. Eine Pole-Stange ließe sich problemlos installieren, auch so, dass sie während anderer Veranstaltungen aus dem Weg geräumt werden kann. Auch Übungen am Vertikaltuch sind möglich. Dafür laufen die Vorbereitungen.

Club soll neu gestaltet werden

Zum Freizeitzentrum in Massanei gehört ein großes Außengelände. Die Giebelwand des Hauses soll mit einem weithin sichtbaren Graffiti gestaltet werden.
Zum Freizeitzentrum in Massanei gehört ein großes Außengelände. Die Giebelwand des Hauses soll mit einem weithin sichtbaren Graffiti gestaltet werden. © Lars Halbauer

Wie sieht das erste Projekt aus, das Sie in Angriff nehmen?

Derzeit plane ich ein Graffiti-Projekt, bei dem die Jugendlichen ihren Club optisch neu gestalten. Einige Wände im und am Checkpoint sollen besprüht werden. So soll die Außenwand in Richtung der Hauptstraße in Massanei einen auffälligen Anstrich erhalten, damit man gleich sieht: Hier gibt es etwas für Kinder und Jugendliche. Ich hole mir dazu professionelle Verstärkung ins Boot und werde mit dem Graffiti-Künstler Xin1 aus Leipzig zusammenarbeiten. Meine Aufgabe ist es auch, dafür Fördermöglichkeiten zu erschließen. Überdies möchte ich die Kinder und Jugendlichen gerne zum Thema Datenschutz im Internet sensibilisieren. Dabei setze ich nicht auf langweilige Frontalvorträge. Vielmehr könnte mal ein Hacker den Kindern zeigen, wie schnell das Facebook- oder Whatsapp-Profil eines Nutzers ausspioniert werden kann, trotz sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Ich persönlich nutze derartige Dienste gar nicht mehr, seit ich mich näher damit beschäftigt habe. Aber es gibt Alternativen. Auch das will ich den Kindern gerne mal näher bringen.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Kritik gegeben, weil zu wenige Kinder die Angebote nutzten. Als Grund dafür wurde häufig gesagt, dass die Einrichtung zu weit abgelegen ist. Wie wollen Sie dem begegnen?

Wir arbeiten zurzeit daran, einen Shuttleverkehr einzurichten. Das könnte im Verbund mit der neuen Waldheimer Kita der Kindervereinigung an der Breuningstraße ganz gut funktionieren. Dort ist ein Kleinbus vorhanden, der die Kinder zu den Projekten nach Massanei fahren könnte. Wie genau der Ablauf sein wird, ist noch in der Planung. Zunächst ist ab Juni die Öffnung des Clubs dienstags, mittwochs und freitags von 13 bis 19 Uhr vorgesehen, wenn es die Corona-Regelungen erlauben.

Sie stammen aus Grimma, also wohnen nicht gleich um die Ecke. Wie wollen Sie als bisherige Einzelkämpferin die Angebote personell absichern?

Durch die Kindervereinigung ist vorgesehen, noch einen Erzieher einzustellen, sodass wir dann zwei angestellte Mitarbeiter sind. Außerdem hoffe ich, dass ich Unterstützung von Ehrenamtlichen bekomme, die gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, beispielsweise in dem schon erwähnten „Schrauber-Projekt“. Aber auch beim Basteln und Gestalten könnte ich mir Unterstützung durchaus vorstellen. Im Mai habe ich bereits zahlreiche Kontakte gesucht und teilweise auch schon gefunden, zum Beispiel bei den Gemeindepädagogen der Kirche. Den Waldheimer Stadträten werde ich mich in der nächsten Sitzung im Juni vorstellen.

Es fragte: Elke Braun

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