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Florena: Probleme beim Umzug

Die Mitarbeiter in Waldheim haben Angebote für das neue Werk in Leipzig erhalten. Manch einem gefallen aber die Bedingungen gar nicht.

Das Waldheimer Werk der Beiersdorf AG wird geschlossen. Geschäftsführung und Betriebsrat haben einen Sozialplan ausgehandelt.
Das Waldheimer Werk der Beiersdorf AG wird geschlossen. Geschäftsführung und Betriebsrat haben einen Sozialplan ausgehandelt. © Dietmar Thomas

Sie ist eines der beliebten Ost-Produkte, die sich auch nach der Wende am Markt gehalten haben: die Florena-Creme. Seit mittlerweile 100 Jahren ist in Deutschland die Rede von der Marke. Produziert wurde sie zusammen mit anderen Kosmetikprodukten jahrelang in Waldheim bei Döbeln. Das ist aber nur noch eine Frage der Zeit:

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Vor fast einem Jahr ist bekanntgeworden, dass das Werk der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH geschlossen wird. Die Beiersdorf AG Hamburg, zu der das ehemalige Florena-Werk in Waldheim gehört, lässt in Leipzig-Seehausen ein neues Werk errichten. 220 Millionen Euro werden investiert. Damit sei das die größte Einzelinvestition, welche die Beiersdorf AG je in Europa getätigt habe, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Was aber passiert mit den Mitarbeitern?

Die Unternehmensleitung der Beiersdorf AG und der Betriebsrat des Produktionsstandortes in Waldheim hatten dazu eine Rahmenvereinbarung geschlossen: Alle rund 250 Beschäftigten sollen am Standort Waldheim ein Stellenangebot für das neue Werk erhalten. „Ziel ist es, möglichst viele Mitarbeitende ab 2022 in Leipzig weiter zu beschäftigen“, hieß es in einer Pressemitteilung vom Konzern am 26. Februar 2020. „Es ist ein außergewöhnliches Konzept, das mit großer Unterstützung der Betriebsparteien und der Gewerkschaft IG BCE zustande kam“, hatte Beiersdorf-Personalvorstand Zhengrong Liu damals gesagt. Offenbar macht sich aber Unmut unter der Belegschaft in Waldheim breit. Nicht alle Kollegen sollen mit den Bedingungen des Umzugs einverstanden sein: „Der Betriebsrat und die Geschäftsführung haben einen Sozialplan verhandelt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Dessen wesentliches Ansinnen sei es, in einem sogenannten Mobilitätspaket die aus dem neuen Standort resultierenden Nachteile für Mitarbeiter zu kompensieren und möglichst viele zu einem Transfer nach Leipzig zu motivieren. „Wir gehen derzeit davon aus, dass wir allen Mitarbeitern, die ins neue Werk nach Leipzig wechseln wollen, ein Angebot machen können“, so die Sprecherin weiter. Gleichzeitig enthalte der Sozialplan Angebote für rentennahe Mitarbeiter, denen ein Transfer an den neuen Standort nicht zuzumuten sei.

Mario Ast, Vorsitzender des Betriebsrates der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH, bestätigt dies. „Der Betriebsrat und die Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH haben einen Interessensausgleich und Sozialplan verhandelt und abgeschlossen. Alle Mitarbeiter wurden detailliert über den Inhalt dieser Verträge informiert“, sagte Ast. Details nannte er jedoch nicht. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) begleitet die Verhandlungen. Jeder Kollege habe ein Angebot für einen Arbeitsplatz im neuen Leipziger Werk erhalten. Ein Großteil habe dieses Angebot auch angenommen.

200 Beschäftigte werden dann in Leipzig für die Beiersdorf AG arbeiten. „Nur für einen geringen Anteil der Belegschaft kommt ein Umzug nach Leipzig nicht infrage. Sei es aus Altersgründen oder weil die Entfernung zu groß ist“, sagte Schultz.

Für jene Kollegen sehe der Sozialplan eine Abfindung vor. Deren Höhe bemesse sich nach dem Alter und der Dauer der Beschäftigung bei Beiersdorf. Schultz versicherte, dass die Mitarbeiter, die nicht mit nach Leipzig wechseln, bis zur endgültigen Schließung des Waldheimer Werkes Angestellte bei Beiersdorf bleiben.

Die ersten Arbeiten zum Bau des Werkes in Leipzig-Seehausen haben Mitte Dezember 2020 begonnen, teilte die Unternehmenssprecherin mit. Das Werk soll im Jahr 2022 in Betrieb genommen werden. Mit Verzögerungen durch die Corona-Krise rechnet das Unternehmen nicht.

Wann die Schließung des Werkes in Waldheim erfolgen soll, könne sie nicht genau sagen. „Das ist ein laufender Prozess, es hängt vor allem vom Transfer der Mitarbeiter sowie dem Transfer der Produktionsmengen ab. Wir gehen derzeit davon aus, dass dieser Prozess bis Ende 2022 weitestgehend abgeschlossen sein wird“, sagte die Sprecherin.

In der Bilanzpressekonferenz am gestrigen Mittwoch spielte der Umzug nach Leipzig keine Rolle. Vielmehr ging es um die wachsende Zahlen des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf AG, welches nicht nur für die Pflegeprodukte Eucerin, Nivea und Florena bekannt ist. Auch die Klebebänder von Tesa und die Pflasterprodukte von Hansaplast vermarktet der Großkonzern.

In der Corona-Pandemie hat das Unternehmen deutlich weniger Geschäfte gemacht: Der Umsatz lag 2020 mit sieben Milliarden Euro um 8,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Vorstandschef Stefan De Loecker bleibt optimistisch. Derzeit schmiedet das Unternehmen Zukunftspläne: 300 Millionen Euro sollen in den kommenden fünf Jahren in Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie in die chinesischen und US-amerikanischen Märkte investiert werden. In das Leipziger Werk fließe davon aber nichts. An die Umwelt denkt das Unternehmen hier dennoch: Die neuerrichteten Gebäude in Leipzig sollen nachhaltig zertifiziert werden. Was aus dem alten Werk in Waldheim wird, ist noch ungewiss.

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Betriebsrat: Mitarbeiter umfassend informiert

Mario Ast, Vorsitzender des Betriebsrates der Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH, bestätigt dies. „Der Betriebsrat und die Beiersdorf Manufacturing Waldheim GmbH haben einen Interessensausgleich und Sozialplan verhandelt und abgeschlossen. Alle Mitarbeiter wurden detailliert über den Inhalt dieser Verträge informiert“, sagte Ast. Details nannte er jedoch nicht.

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) begleitet die Verhandlungen. „Mit allen Mitarbeitern sind persönliche Gespräche geführt worden“, sagte Gewerkschaftssekretär Felix Schultz von der Bezirksvertretung in Leipzig.

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Jeder Kollege habe ein Angebot für einen Arbeitsplatz im neuen Werk in Leipzig erhalten. Ein Großteil habe dieses Angebot auch angenommen. „Nur für einen geringen Anteil der Belegschaft kommt ein Umzug nach Leipzig nicht infrage. Sei es aus Altersgründen oder weil die Entfernung zu groß ist“, sagte Schultz.

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