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Döbelner verliert Kfz-Mechatroniker

So sieht es zumindest der Plan des Kultus für die Berufsschulen vor. Kommen dafür jetzt die Pflegefachmänner?

Eine Vielzahl an Angeboten, vor allem im Bereich Handwerk, sind in der Vergangenheit am BSZ Döbeln-Mittweida schon weggefallen.
Eine Vielzahl an Angeboten, vor allem im Bereich Handwerk, sind in der Vergangenheit am BSZ Döbeln-Mittweida schon weggefallen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Lange hat Planungssicherheit für die Berufsschulen gefehlt. Nun geht es in dieser Hinsicht voran. Am Montag hat das Sächsische Kultusministerium den Entwurf des Berufsschulnetzplans vorgelegt. Darin enthalten ist auch die Prognose, wie sich das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Döbeln-Mittweida in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird. Sächsische.de hat sich den Entwurf einmal angeschaut.

Wie viele Berufsschulen gibt es im Landkreis Mittelsachsen?

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In Trägerschaft des Landkreises befinden sich drei berufliche Schulzentren. Dazu gehört das BSZ Döbeln-Mittweida mit Stammsitz in Döbeln und vier Schulteilen in Burgstädt, Döbeln an der Friedrichstraße, Mittweida sowie Rochlitz. Hinzu kommen das BSZ für Technik und Wirtschaft „Julius Weißbach“ in Freiberg mit Stammsitz in Freiberg sowie einem Teil in Flöha und das BSZ für Agrarwirtschaft, Ernährung und Hauswirtschaft Freiberg mit dem Fachschulzentrum Freiberg Zug.

Welche sind die gefragten Fachrichtungen am BSZ Döbeln-Mittweida?

Die Top drei der gefragtesten Ausbildungsrichtungen am BSZ Döbeln-Mittweida waren im Schuljahr 2019/20 die Fachschule zum staatlich anerkannten Erzieher (113 Schüler), die Berufsfachschule zum staatlich geprüften Sozialassistenten (107) sowie die zweijährige Fachoberschule im Bereich Wirtschaft und Verwaltung (85).

Nur wenige Schüler haben sich hingegen für die Berufsschule erstes Lehrjahr Fahrzeugtechnik (6), erstes Lehrjahr Elektrotechnik (2) sowie für die verschiedenen Bereiche der Berufsvorbereitung gefunden. Insgesamt haben im Schuljahr 2019/2020 laut dem Teilschulnetzplan 1.158 Schüler am BSZ Döbeln-Mittweida gelernt. Das sind knapp 37 Prozent aller Berufsschüler des Landkreises gewesen. Der Rest verteilte sich auf die anderen Häuser in Freiberg und Umgebung.

Welche Einschnitte sind amBSZ Döbeln-Mittweida geplant?

Laut dem Entwurf des Sächsischen Kultus soll der Fokus der Einrichtung in der Berufsschule zukünftig auf den Bereichen Wirtschaft und Verwaltung sowie Elektrotechnik liegen. Wegfallen werden die berufsschulischen Ausbildungen zum Landwirt, der Kfz-Mechatroniker, sowie der Kaufmann im Groß- und Einzelhandel und die Metalltechnik.

Wo lernen zukünftig dieangehenden Kfz-Mechatroniker?

Bisher haben in Döbeln die Kfz-Mechatroniker im Personenkraftwagenbereich gelernt. Die Schülerzahlen für die Ausbildung sind seit dem Schuljahr 2016/2017 von 46 auf 58 gestiegen. Die Nachfrage sei zuletzt wieder gestiegen, hieß es in einem früheren Bericht von Sächsische.de. Doch das alles nützt wahrscheinlich nichts. Voraussichtlich ab 2024/25 wird es keine Fachklasse in dem Bereich mehr in Döbeln geben. Bis dahin kann lediglich das erste Lehrjahr im Bereich Fahrzeugtechnik am Stammsitz der Schule unterrichtet werden.

Fachklassen Kfz-Mechatroniker Pkw-Technik sind ab 2024/25 nur noch in Freiberg am BSZ „Julius Weisbach“ möglich, im Bereich Nutzfahrzeugtechnik werden die Schüler ans BSZ Zschopau verwiesen. Der Wechsel erfolgt dann bereits ab dem Schuljahr 22/23, nachdem das erste Lehrjahr in Döbeln absolviert worden ist.

Begründet wird die Änderung mit der Konzentration der Ausbildung auf einzelne Standorte aufgrund der Entwicklung der Schülerzahlen. Erst im Juni 2020 war dem BSZ in Döbeln ein neues Schulungsfahrzeug von BMW überlassen worden.

Was passiert mit den Ausbildungen im kaufmännischen Bereich?

Ab dem nächsten Schuljahr sollen die berufsschulischen Angebote für den Kaufmann im Büromanagement nur noch in Döbeln durchgeführt werden. Damit wird der Unterricht vom Schulteil Burgstädt abgezogen. Jener soll auch die Ausbildung Kaufmann im Einzelhandel verlieren. Hierfür wird ein neuer Standort in Limbach-Oberfrohna etabliert.

Unberührt bleibt die Ausbildung der Fachpraktiker. Die Berufsschüler für den Kaufmann im Groß- und Einzelhandel müssen zukünftig ans BSZ für Wirtschaft 1 nach Chemnitz fahren.

Gibt es auch neue Ausbildungsbereiche am Standort in Döbeln?

Aufgebaut werden soll am BSZ in Döbeln eine zweijährige Ausbildung zum Fachlageristen. Schon jetzt ist am Stammsitz eine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik möglich. Auch hier rechnet das Kultus mit mehr Schülern für Döbeln, da der Einzugsbereich des Standortes Lichtenstein geändert wurde. Nach Döbeln sollen die Schüler mit Wohnsitz in Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis kommen.

Denkbar wäre auch, dass die Einrichtung eine Berufsfachschule Pflegefachmann anbietet. „Aufgrund des wachsenden Bedarfs an geschultem Pflegepersonal in der Region wird das BSZ Döbeln-Mittweida als möglicher Standort für die Berufsfachschule Pflegefachmann ausgewiesen“, steht als Prognose in dem Entwurf.

Wie ausgelastet sind die Gebäude des BSZ aktuell und zukünftig?

Die Gebäude des BSZ am Standort Döbeln sind laut den Planungen nur zu 50 Prozent ausgelastet. Daran werde sich auch nichts ändern, so die Prognose. Aufgrund von Fremdvermietungen kann im Bereich Rochlitz zumindest eine Auslastung von 75 Prozent erreicht werden. Aber wegen der Veränderungen sowie der Entwicklungen der Schülerzahlen kann es hier zu einer leichten Steigerung kommen, die jedoch beherrschbar sein soll. Ähnlich sieht es am Standort in Mittweida aus. Der Entwurf geht davon aus, dass der Standort Burgstädt aufgegeben werden könnte.

Was sagen Schulleitung und Träger zu den geplanten Änderungen?

Schulleiterin Katrin Neumann wollte sich zu dem Entwurf im Detail noch nicht äußern. Sie habe es noch nicht geschafft, den Entwurf komplett durchzuarbeiten, begründete sie.

Ähnlich reagierte auch der Landkreis: „Wir werden den Entwurf entsprechend prüfen und eine Stellungnahme erarbeiten. Diesem Prozess werden wir nichts vorwegnehmen“, äußerte sich Kreissprecher André Kaiser.

Befürchten die Heimerer Schulen nun Konkurrenz durch das BSZ?

Spezialisiert auf die schulische Ausbildung im Bereich der neuen generalisierten Pflegeausbildung sind in der Region Döbeln bisher die Heimerer Schulen mit Sitz in der Muldestadt. „Natürlich wären wir wenig erfreut, wenn zukünftig am BSZ Pflegefachmänner ausgebildet werden können. Es würde für uns schon eine starke Konkurrenz darstellen, wo wir aus heutiger Sicht nicht abschätzen können, wie sich diese auf die Entwicklung unserer Döbelner und gegebenenfalls Oschatzer Schule auswirken wird“, äußerte sich Grit Hesse, Sprecherin der Heimerer Schulen.

Zwar seien die Bewerberzahlen in Döbeln derzeit so, dass das Schuljahr gut angelaufen sei. Jedoch würde eine weitere Schule in dieser Fachrichtung den Druck auf die eh schon herausfordernde Situation, junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern, stark erhöhen. „Insbesondere vor dem derzeitigen Pflegebedarf im Zusammenhang mit Covid-19, erwägen doch auch viele Schüler eine andere ‚leichtere‘ Ausbildung“, so Hesse.

Wie reagiert Döbelns Oberbürgermeister auf die Einschnitte?

Sven Liebhauser (CDU) sieht die geplanten Änderungen kritisch, wie viele weitere Vertreter aus der Region, äußerte sich das Stadtoberhaupt: „Wir fordern ganz klar einen Verbleib der Kfz-Mechatronikerausbildung in Döbeln. Freiberg hat seine Universität, Mittweida seine Hochschule. Wir haben unser Berufsschulzentrum und das darf nicht geschwächt werden.“

Die Kreisräte der Region hätten sich im BSZ von der aktuellen Situation ein Bild machen können. „Wir haben festgestellt, dass hervorragende Bedingungen bestehen, die eine Ausbildung auf höchstem Niveau gestatten. Mit BMW beispielsweise gibt es eine sehr gute Zusammenarbeit“, so Liebhauser. Auch die Abschlussquote von 100 Prozent spreche für die Qualität in Döbeln.

Wie geht es nun nach der Vorlage des Entwurfes weiter?

Bis zum 1. März 2021 haben die Landkreise beziehungsweise kreisfreien Städte sowie der Landesausschuss für Berufsbildung, in welchem Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten sind, nun Zeit, sich zu dem Entwurf zu äußern, heißt es in einer Mitteilung des Sächsischen Kultusministeriums.

Mit dem Entwurf läge zum ersten Mal eine landesweit aufeinander abgestimmte Verteilung der Ausbildungsgänge vor, erklärte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). „Das Ziel ist ein verlässliches und zukunftsfähiges Netz an berufsbildenden Schulen für den gesamten Freistaat. Der Teilschulnetzplan ist auf die nächsten zehn Jahre ausgerichtet, um Planungssicherheit in der sächsischen Berufsschullandschaft herzustellen.“

Aus dem Entwurf geht hervor, dass alle 60 BSZ im Freistaat erhalten bleiben sollen. Lediglich in Nordsachsen soll eine Fusion erfolgen.

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