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14 neue Biberreviere in Mittelsachsen

Damit steigt die Zahl der bekannten Reviere auf 125. Doch nicht überall ist das Tier gern gesehen.

Biberspuren in Naußlitz bei Roßwein im Oktober 2019: Angenagte Bäume und überschwemmtes Land.
Biberspuren in Naußlitz bei Roßwein im Oktober 2019: Angenagte Bäume und überschwemmtes Land. © Dietmar Thomas/DA-Archiv

Mittelsachsen. Erstmals ist es dem Biber in Mittelsachsen gelungen, ein großes Fließgewässer anzustauen und dadurch eine Überschwemmung auszulösen. Betroffen war im Winter 2019/2020 die Bobritzsch bei Freiberg, an der seit 2015 nachweislich der Biber aktiv ist. Beschädigt wurde in dem Fall lediglich Grünland, das landwirtschaftlich genutzt wird. Landeigentümer und -nutzer sind verärgert. Oftmals auch im Altkreis Döbeln. Denn auch hier hat sich der Elbebiber zahlreiche Reviere geschaffen, wie aus der aktualisierten Auflage des Bibermanagements des Landkreises hervorgeht.

Wie viele Biberreviere gibt es in Mittelsachsen?

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Seit der ersten Auflage des Bibermanagements aus den Jahren 2012/2013 sind von den Naturschutzhelfern im Landkreis insgesamt 125 Reviere erfasst worden. Für die neueste Fassung des Bibermanagements waren die ehrenamtlichen Kräfte zwischen 1. Mai 2019 und 30. April 2020 unterwegs, um sich auf die Spur des Bibers zu begeben. Dabei haben sie 83 Reviere besucht, 77 davon waren besetzt. Nicht erfasst wurden 42 Reviere. Deren Status bleibt demnach unbekannt. 

Insgesamt 14 neue Reviere wurden von den Ehrenamtlern entdeckt. Geschätzt leben damit rund 220 bis 245 Tiere in Mittelsachsen. „Dieser Tierbestand wird rein rechnerisch ermittelt“, informierte die Pressestelle des Landratsamtes. Als besetzt gelten nach der aktuellen Erfassung 83 Reviere. Von einigen ist der Status auch unbekannt geblieben.

Wo hat sich der Biber im Altkreis Döbeln niedergelassen?

Besetzt waren bei der vergangenen Erfassung unter anderem die Reviere an der Freiberger Mulde im Raum Leisnig, Großweitzschen mit Westewitz, Döbeln unter anderem mit Technitz, Großbauchlitz, Sörmitz sowie Roßwein mit Mahlitzsch, Gersdorf-Gleisberg. Aber auch im Bereich Stockhausen sind Spuren der Tiere entdeckt worden. Ob es auch Biber im Bereich Hochweitzschen gibt, ist unklar. Die Reviere sind von den Naturschutzhelfern nicht mit begangen worden. Dies trifft auch auf jene im Bereich Jahna sowie Goselitz/Zschaitz zu. Lediglich Wutzschwitz an der kleinen Jahna ist begangen worden. Ebenso Merschütz bei Obersteina. Beide Reviere gelten als besetzt. 

Nachweise der Tiere gibt es zudem in Grunau, Pappendorf und Berbersdorf im Striegistal an der Striegis sowie an der Zschopau. Hier haben sich die Tiere unter anderem in Pischwitz, Wöllsdorf, im Töpelwinkel, in Saalbach, Kleinlimmritz, Ziegra sowie Steine, Meinsberg und Waldheim niedergelassen. Das Revier an der Staumauer in Kriebstein wurde nicht aufgesucht.

Was für Probleme bringt der Biber mit sich?

Das Zusammenleben von Mensch und Biber ist auch von Konflikten geprägt, vor allem im nördlichen Bereich des Landkreises. Durch die Biberbauten und der damit verbundenen Anstauung der Gewässer kommt es nicht nur zu Überschwemmungen. Diese können mitunter auch dazu führen, dass Kleinkläranlagen nicht mehr richtig entwässern. 

Weiterhin werden mitunter Straßenkörper, Bahntrassen oder Gehwege unterspült. Die von den Bibern angenagten Gehölze können zudem die Verkehrssicherheit gefährden, aber auch zu Problemen auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen oder in Gärten führen.

Was wird für ein gutes Miteinander von Mensch und Biber getan?

Einfach handeln darf bei Biberschäden niemand. Denn das Tier ist gesetzlich geschützt. Jede Maßnahme muss daher zuvor mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden. Wird dies nicht getan, so handelt es sich bei unerlaubten Eingriffen um eine Ordnungswidrigkeit. Je nach Schwere ist auch eine Einordnung als Straftat möglich.

In Abstimmung mit der Behörde und als genehmigte Ausnahme ist es zum Beispiel möglich, bei Problemen mit den Biberbauten diese zu öffnen, schlitzen oder sogar zurückzubauen. Darüber hinaus können auch Entwässerungsgräben gezogen oder Biberdrainagen bis zu den Dämmen eingebracht werden. In einigen Fällen wurde auch das Ummanteln von Gehölzstämmen mit Drahtkörben genehmigt.

Wie viele Ausnahmegenehmigungen gab es 2019/2020?

Im Biberjahr 2019/2020 sind nach Angaben des Landkreises insgesamt elf solcher Ausnahmen genehmigt worden, allein sieben davon betrafen den Altkreis Döbeln. Betroffen waren Reviere in beziehungsweise am Bielbach, dem Birmenitzer Dorfbach, der Jahna, dem Kaiserbach sowie dem Schanzenbach. Auf der anderen Seite gab es aber auch drei Strafanzeigen. „Mit zunehmender Populationsdichte steigen die Konflikte und damit leider auch die illegalen Eingriffe“, so Pressereferentin Cornelia Kluge vom Landratsamt. 

Dort mit hinein spielt auch die Tatsache, dass sich das Tier nun auch öfter in Nebengewässern ausbreitet. Da entstehen meist Dammsysteme, da aufgrund der anhaltenden Trockenheit in den kleineren Flüssen nicht immer der Wasserstand gesichert ist. Mit den weit verzweigten Bauten nehmen die Konflikte aber zu.

Gibt es eine Entschädigung für Schäden durch den Biber?

Der Schaden durch den Biber kann zunächst beim Bibermanagement des Landkreises gemeldet werden. Auf der dortigen Internetseite gibt es Formulare für Schäden an Wald, Wiese, Acker sowie Teich. Ein Schadensersatz könnte sich zum Beispiel auf Regelungen der Agrarförderung und/oder Härtefallregelungen beziehen, informiert Cornelia Kluge. „Das jeweils Zutreffende wird im Rahmen der Bearbeitung der Schadensmeldungen ermittelt.“

Was passiert mit gefundenen, toten Bibern?

Auch 2019/20 sind wieder sieben tote Biber in Mittelsachsen gefunden worden. Die Zahlen schwanken seit 2012/13 zwischen zwei und neun Funden pro Jahr. Wer ein verendetes Tier entdeckt, der sollte dies unverzüglich der Unteren Naturschutzbehörde mitteilen. Auch hierfür gibt es ein Formular auf der Internetseite des Kreises. 

Die Angaben zu Fundort und -zeit sowie der möglichen Todesursache, insofern sie , wie zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall ersichtlich ist, sollten möglichst mit einem Foto des Tieres ergänzt werden. Die Funde werden obduziert, wenn es der Zustand der Tiere noch zulässt. Dadurch erhalten die Vertreter der Naturschutzbehörde weitere Informationen zu Alter, Geschlecht oder der Todesursache des Tiers. Die Daten können dann zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung verwendet werden.

Wer begutachtet die Biberreviere in Mittelsachsen?

Derzeit sind im Kreis 30 Biberkartierer im Einsatz. Allerdings sind deren Kapazitäten fast ausgeschöpft. Besonderes Augenmerk sollen sie auf die Reviere haben, in denen das Konfliktpotenzial am größten ist, sodass über jene Gebiete immer aktuell Daten vorliegen. 

Schwierig ist, dass mit der anhaltenden Ausbreitung der Tiere in immer mehr Gewässern auch der Kartierungsbedarf steigt. Daher ist das Landratsamt auf der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Helfern. Diese erhalten jährlich eine entsprechende Einweisung ins Thema und die Unterlagen für die Kartierung. „Bei ihrer Tätigkeit genießen sie den vollen Unfallversicherungsschutz“, so die Behörde.

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