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Brauchen Radfahrer in Roßwein zusätzlich Schutz?

Mit dem Vorwärtskommen auf Roßweins Straßen scheinen Radfahrer durchaus zufrieden zu sein. Nur ein Wunsch ist seit vielen Jahren unerfüllt.

Von Heike Heisig
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Einen solchen Radweg, wie ihn die Döbelner gern nutzen, wird es im Stadtgebiet von Roßwein nicht geben.
Einen solchen Radweg, wie ihn die Döbelner gern nutzen, wird es im Stadtgebiet von Roßwein nicht geben. © Dietmar Thomas

Roßwein. Mit dem Thema Radwege in und um Roßwein haben sich die im Zukunftsforum mitarbeitenden Ehrenamtlichen beschäftigt. Der Wunsch, Roßwein einmal aus Radfahrersicht zu betrachten, ist schon im Sommer 2020 aufgekommen.

Im Prinzip können Radfahrer aus nahezu jeder Richtung in und durch die Stadt gelangen, analysierte Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) die Situation. Sogar der eine oder andere Rundweg könne per Fahrrad in Angriff genommen werden, wenn die Nutzer mit teils nicht so optimalen Bedingungen – sprich nach Regen auch mal einem aufgeweichten Wegstück – zurechtkommen.

Über Ossig zum Elberadweg

Wer zum Beispiel über die Haßlauer Straße oben auf der Goldenen Höhe angelangt ist, kann einen die Staatsstraße begleitenden Radweg nutzen. Dort gibt es seit ein paar Monaten in Höhe des Ortseingangs von Haßlau auch einen ordentlichen Anschluss auf die Dorfstraße.

Wer dann Richtung Ossig einschlägt, kann entweder über Ossig und Juchhöh auf den Elberadweg gelangen oder kurz nach Haßlau auf den Schwarzen Weg abbiegen. Dieser sei nicht optimal zu befahren, aber mit einem kompakten Rad durchaus zu bewältigen. Über die Margarethenmühle und den Zweiniger Grund gebe es dann sogar einen Anschluss an den Mulderadweg und damit nach Roßwein.

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Letzterer geht in Niederstriegis eigentlich in den Striegistalradweg über – zumindest laut aktueller Planung. Für einen Großteil dieses Radweges läuft nach wie vor das Planungsverfahren. Ein Ende ist nicht in Sicht. Denn nicht nur der Roßweiner Rathauschef, sondern auch sein Hainichener Amtskollege Dieter Greysinger (SPD) geht davon aus, dass sich Umweltaktivisten nicht von Einsprüchen bis hin zu Klagen gegen die Weiterführung des Weges abbringen lassen. Dies würde dann zu weiteren Verzögerungen führen.

Schon seit vielen Jahren setzt sich eine Initiative für den Lückenschluss des Radweges zwischen Niederstriegis und Kratzmühle/Krumbach ein. „Das ist der Widerspruch“, sagte Veit Lindner. „Politisch gewollt ist, dass die Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, doch die Infrastruktur dafür kann nicht oder nur mit großer Mühe geschaffen werden“, so die Kritik des Roßweiner Stadtchefs.

Keine Wünsche von Bürgern eingegangen

Abgesehen davon glaubt er nicht, dass im ländlich geprägten Raum Einwohner in Größenordnung vom Auto aufs Rad umsteigen können und wollen. Das Auto werde in Zukunft Fortbewegungsmittel Nummer 1 bleiben, denkt Lindner. Das sei auch der Topographie geschuldet. Denn wer Roßwein in nördlicher Richtung, also nach Haßlau verlassen will, der müsse schon erst einmal gehörig bergauf strampeln.

Nur ein Teilstück Radweg verläuft noch zwischen Roßwein und Gleisberg parallel zur Ortsverbindung. Ambitionen, diesen Weg zu ergänzen, gibt es nach Lindners Aussagen weder vonseiten des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr noch der der Kommune. Die habe, so der Bürgermeister, auch – bis auf den Striegistalradweg – kein weiterführendes Radwegkonzept und aller Voraussicht nach in naher Zukunft auch kein Geld für Planungen oder Ausbauten. Und: „Bei uns sind diesbezüglich auch keine Wünsche von Bürgern eingegangen“, sagte Lindner.

Innerstädtisch habe er sich zusammen mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes einmal die Situation angeschaut. Angesprochen worden war, Bereiche für Radfahrer auf der Fahrbahn zu kennzeichnen, wie es in Teilen der Döbelner Innenstadt etwa auf der Bahnhofstraße oder der Ritter- und Rosa-Luxemburg-Straße passiert ist.

Rücksicht ist der beste Schutz

„Das könnten wir zum einen nur dort tun, wo wir für die Straßen zuständig sind“, erklärte der Bürgermeister. „Und dort lässt dies die Straßenbreite in den meisten Fällen nicht zu.“ Sind zwei Fußwege entlang einer Straße vorhanden, könnte einer davon als Rad- und der andere als Fußweg ausgewiesen werden. Theoretisch.

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Praktisch sei das aber nicht realistisch, weil an den meisten Straßen beidseitig Häuser stünden, die Bewohner dann auch dort hinein gelangen müssten – ohne jeden Tag eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Eine letzte Variante seien kombinierte Fuß- und Radwege. Aber auch dafür seien die Wege, die es in Roßwein gibt, zu schmal.

Weil es auch dahingehend keine Wünsche von den Roßweinern gibt, sieht die Verwaltung Lindner zufolge keinen Handlungsbedarf. Dieses augenscheinliche Zufriedensein mag vielleicht auch an den neuen gesetzlichen Vorgaben liegen, dass Kraftfahrer jetzt einen größeren Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern einhalten müssen, vermutet Vize-Bürgermeister Hubert Paßehr (CDU). Das wollten Jörg Senf und Friedrich Brixi nicht als Argument gelten lassen. Beide haben das Empfinden, dass sich an diese Regelungen nur wenige Kraftfahrer halten.

Ingolf Kirschstein traf letztlich wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf: „Was allgemein fehlt, ist die gegenseitige Rücksichtnahme.“ Sicher würden Kraftfahrer mitunter Abstände unterschreiten. „Aber ich sehe gerade in Richtung Gleisberg auch Radfahrer, die auf der Straße fahren, obwohl es einen Radweg gibt – und dann noch nebeneinander“, so Kirschsteins Beobachtungen.