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Das Gipfelbuch von Waldheim

Seit sieben Jahren verwaltet Jens Richter ganz besondere Alben. Der Inhalt lässt ihn manchmal staunen. Aber eines ärgert ihn auch.

Seit mehreren Jahren pflegt Jens Richter das Gipfelbuch auf der Lutherhöhe in Waldheim. In den vergangenen Wochen haben auch viele Waldheimer den Höhenwanderweg entdeckt und sich in dem Buch verewigt.
Seit mehreren Jahren pflegt Jens Richter das Gipfelbuch auf der Lutherhöhe in Waldheim. In den vergangenen Wochen haben auch viele Waldheimer den Höhenwanderweg entdeckt und sich in dem Buch verewigt. © Dietmar Thomas

Waldheim. Fast jeden Tag ist Jens Richter auf der Lutherhöhe. Von dort ist eine wunderschöne Aussicht auf die Zschopaustadt möglich. Aber nicht nur deswegen kommt der Waldheimer auf die Anhöhe. Auch ein Blick in das Gipfelbuch gehört zum fast alltäglichen Ritual.

Vor einigen Jahren wurde die Idee geboren, auf dem Aussichtspunkt am Breitenberg, der den Namen des Reformators Luther trägt, ein Gipfelbuch auszulegen. „Wir sind viel in der Natur unterwegs“, erzählt Jens Richter. „Dabei haben wir oft auf den Anhöhen Gipfelbücher gefunden und uns darin verewigt.“ Schließlich reifte der Entschluss, so etwas auch für Waldheim zu organisieren.

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Schon sieben Bücher gefüllt

Das war vor sieben Jahren. Jens Richter holte seinen Sohn und seinen Neffen mit ins Boot. „Die beiden Jungs haben den Holz-Kasten gebaut, in dem das Buch liegt“, erzählt er.

„Am liebsten wollten wir auf allen 13 Höhen rund um Waldheim ein solches Buch auslegen“, erzählt Jens Richter. Weil sich die Lutherhöhe in der Nähe seines Hauses befindet, lag es nahe, dort das erste Gipfelbuch zu drapieren. Dabei sei es dann aber bis heute geblieben.

Angenommen wird es von Wanderern oft und gerne. „Die Leute sind wirklich begeistert“, sagt Richter. Insgesamt sieben Bücher sind mittlerweile schon gefüllt. Die Einträge sind vielfältig. Es sei erstaunlich, von wo die Wanderer kommen, „teilweise sogar aus den alten Bundesländern“.

In den letzten Wochen häufen sich jedoch die Eintragungen von Menschen aus der näheren Umgebung. „Das hängt sicher mit den Reiseeinschränkungen wegen der Corona-Pandemie zusammen“, so Richter.

Waldheimer entdecken ihre Umgebung neu

Einige – sogar Waldheimer – schrieben in das Buch, dass sie zum ersten Mal auf der Lutherhöhe gewesen sind. „Wir haben die Zschopaustadt heute mal von einer ganz anderen Seite kennengelernt“, steht zum Beispiel in dem Gipfelbuch vom vergangenen Jahr.

Eine Frau aus Kriebstein hat Mitte März eingetragen, dass sie am Morgen eigentlich im Flieger nach Mallorca sitzen wollte. Wegen Corona platzte die Urlaubsreise. „Aber der Urlaub wird auch ohne Mallorca sehr schön. Es lohnt sich, Waldheim zu erwandern“, schreibt sie. „Es muss nicht immer das Ausland sein. In Waldheim ist‘s doch auch fein.“ Diese Zeilen hat ein Waldheimer Wanderer eingetragen.

Tolle Aussicht auf die Zschopaustadt

Die „tolle Aussicht“ beschreiben fast alle Einträge. „Und das ist auch wirklich so“, sagt Jens Richter. Den Sonnenuntergang könne man sehr gut von der Lutherhöhe aus beobachten. Interessant sei auch der Blick auf zwei Windmühlen, die in der Sichtachse hintereinander stehen und deren drehende Flügel wie ein Zauberrad aussehen.

Schon sein Vater habe jahrelang darum gekämpft, dass die großen Bäume, die die schöne Aussicht ein bisschen versperren, wegkommen, erzählt Jens Richter. Bisher sei das nicht gelungen.

Jetzt habe aber der Lärchen-Borkenkäfer einige Bäume zugrunde gerichtet. „Die sind tot und werden wohl demnächst gefällt werden müssen“, so Richter. Für die Aussicht sei das ein Vorteil. Wildwuchs sei an einigen Stellen schon entfernt worden.

Ärger über Zerstörungswut auf dem Gipfel

Schon mehrfach haben Unbekannte das Buch oder den Kasten, in dem es liegt, zerstört. Darüber ärgert sich Jens Richter sehr. Auch deshalb macht er sich täglich auf den Weg zur Lutherhöhe, um nach dem Rechten zu schauen.

Dabei kontrolliert er auch gleich die Wanderwege und kümmert sich, wenn etwas nicht in Ordnung ist. „Das habe ich mit dem Waldheimer Verschönerungsverein, so vereinbart“, sagt Richter. Der Verein setzt sich für die Pflege und Erhaltung der Wanderwege in Waldheim ein.

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