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Döbeln

Das lange Warten auf die Selbstständigkeit

Hannelore Kaiser hat 1970 ihre Meisterprüfung als Konditorin abgelegt. Bis zum eigenen Geschäft war es ein weiter Weg.

Konditormeisterin Hannelore Kaiser hat den Goldenen Meisterbrief erhalten.
Konditormeisterin Hannelore Kaiser hat den Goldenen Meisterbrief erhalten. © Frank Korn

Mittelsachsen. Hannelore Kaiser hat als Kind schon gewusst, dass sie Konditorin werden will. Auch wenn sie längst im Rentenalter ist, hilft sie zumindest zeitweise noch im Geschäft von Tochter und Schwiegersohn aus. Die heute 79-Jährige gehört zu den neun Mittelsachsen, die Ende des vergangenen Jahres den Goldenen Meisterbrief erhalten haben.

Hannelore Kaiser ist in Thüringen aufgewachsen und bekam in Greiz eine Lehrstelle. In Gera hat sie die Facharbeiterprüfung abgelegt. Als sie 21 Jahre alt war, zog sie gemeinsam mit ihren Eltern nach Hainichen. Dort bekam sie eine Anstellung in der damaligen PGH (Produktionsgenossenschaft des Handels). „Das Ziel von meinem Mann und mir war aber immer die Selbstständigkeit“, berichtet die 79-Jährige.

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Selbstständigkeit schwierig

Sie meldete sich an der Handwerkskammer in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, zum Meisterlehrgang an. Die Ausbildung erfolgte berufsbegleitend. In ihrer Gruppe war sie die einzige Frau. 1970 bekam sie ihren Meisterbrief für das Konditorenhandwerk.

Mit der Selbstständigkeit war es aber trotz Meisterbrief nicht so einfach. „In der PGH war das nicht so gern gesehen. Man hat mich zwar beim Meisterlehrgang unterstützt, aber auf meine Arbeitskraft wollte man nicht verzichten“, erinnert sich Hannelore Kaiser. Allerdings habe sie die Gebühren für den Lehrgang selbst bezahlt.

Tochter tritt in Fußstapfen

So verging eine geraume Zeit. Die ältere ihrer beiden Töchter hatte inzwischen ebenfalls Konditorin gelernt. „Der Besitzer eines Cafés in Mittweida, in dem sie arbeitete, ging in Rente und fragte an, ob ich das Geschäft übernehmen würde“, so Kaiser. Das war 1986. Von der Stadt Mittweida erhielt sie Unterstützung. „Man war froh, dass sich ein Nachfolger gefunden hatte.“

Drei Jahre später zog die Konditorei Kaiser & Kaiser nach Pappendorf um. Das Geschäft lief blendend, doch wiederum ein Jahr später kam die Wende. „Wir haben deutlich gemerkt, dass das Angebot nun größer war. Der Umsatz ging zurück“, so die Meisterin.

Aufgeben keine Option

Doch Aufgeben war keine Option. Im Gegenteil, Kaisers stellten Bäcker ein und boten nun auch Brot und Brötchen an. Mit der Zeit habe sich alles wieder erholt. „Wir sind traditionell geblieben, das hat den Anklang bei den Kunden gefunden“, sagt sie. Schon zu PGH-Zeiten hatte sie als Lehrausbilderin fungiert. Deshalb war es für sie keine Frage, auch als Selbstständige Auszubildenden das Konditorenhandwerk beizubringen.

Zum Geschäft gehört auch eine Gaststätte. Die jüngere Tochter, die Köchin gelernt hat, ist die Geschäftsführerin, während die ältere Tochter als Konditorin angestellt ist.

Mi 79 noch im Geschäft

1996 starb ihr Mann. Die beiden Töchter und der Sohn, der Tierarzt ist, seien damals eine große Stütze gewesen. 2001 ist Hannelore Kaiser in Rente gegangen. 2009 überstand sie eine schwere Krankheit. Dennoch ist die 79-Jährige auch heute noch im Geschäft aktiv. „Wenn viel zu tun ist, mache ich nach wie vor Torten“, sagt sie. Die Konditorei beliefere unter anderem auch Gaststätten.

Das Kreative liebt Hannelore Kaiser an ihrem Beruf am meisten. „Ich kann meiner Fantasie freien Lauf lassen“, sagt sie. Torten werden für alle möglichen Anlässe gestaltet – Geburtstage, Jugendweihen, Konfirmationen, Hochzeiten. Drei- und vierstöckige Torten sind dabei keine Seltenheit. An ein Kunstwerk für einen Reiterhof kann sie sich noch erinnern, weil es nicht einfach war, die Pferde zu modellieren.

Sie bedauert, dass der Beruf nicht mehr so gefragt ist wie früher. Die Enkel helfen gern mal aus, aber dass eines von ihnen das Geschäft übernimmt, zeichnet sich bis jetzt nicht ab.

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