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Diebstahl unter Freunden

Der Angeklagte hat wegen ähnlicher Delikte schon im Gefängnis gesessen. Dieses mal hat er ein Parfüm, ein Handy und Duschgel geklaut.

Der Angeklagte ist mit einer Geldstrafe davongekommen.
Der Angeklagte ist mit einer Geldstrafe davongekommen. © dpa/David-Wolfgang Ebener

Döbeln. Die Männer könnten unterschiedlicher nicht sein, sagen aber, dass sie Freunde sind. Der Angeklagte, der vor dem Amtsgericht Döbeln wegen Diebstahls angeklagt ist, ist groß und mit dem Mundwerk schnell zur Stelle. Der Zeuge ist klein und eher still.

Die beiden Männer haben zeitweise gemeinsam in der Gemeinschaftsunterkunft an der Döbelner Friedrichstraße gelebt. Im Mai des vergangenen Jahres soll der Angeklagte, der aus Algerien stammt und seit 2001 in Deutschland lebt, aus dem Zimmer des Zeugen eine Flasche Parfüm entwendet haben.

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Außerdem hat er zu einem späteren Zeitpunkt das Mobiltelefon des Zeugen eingesteckt, es aber wieder herausgegeben. Ende August schließlich soll der Angeklagte in einem Döbelner Supermarkt mehrere Flaschen Duschgel gestohlen haben.

Ware in Rucksack gepackt

Dem Algerier steht ein Dolmetscher bei. Seine eigenen Aussagen macht der Angeklagte aber in gut verständlichem Deutsch. Er sagt, dass er das Parfüm nach dem Duschen benutzen wollte und es später wieder zurückgegeben hat. Das Telefon habe er in der Annahme eingesteckt, dass es sein eigenes sei.

Zum Vorfall im Supermarkt sagte er, dass er generell keinen Einkaufswagen benutze. Er habe die Ware deshalb in seinen Rucksack gesteckt. An der Kasse habe ihn die Verkäuferin aufgefordert, das Duschgel auszupacken, und habe dann die Polizei gerufen. Er habe die Ware bezahlen wollen, behauptete der Angeklagte.

Die Vernehmung des Zeugen gestaltet sich schwierig. Er kann sich im Deutschen nicht verständigen, deshalb muss der Dolmetscher übersetzen. Immer wieder mischt sich aber der Angeklagte ein. Richterin Nancy Weiß ermahnt ihn mehrmals und droht ihm ein Ordnungsgeld an.

Smartphone nach Trunkenheit zurückgegeben

Letztendlich bestätigt der Zeuge, dass er sein Parfüm zurückerhalten hat. Allerdings erst, nachdem die beiden Männer darüber gesprochen hatten, wie er auf die Nachfrage des Vertreters der Staatsanwaltschaft sagte.

An dem Tag, als er ihm das Mobiltelefon weggenommen habe, sei der Angeklagte sehr betrunken gewesen. Er habe aber später seinen Irrtum bemerkt und das Smartphone zurückgegeben.

Als weitere Zeugin ist eine Kassiererin aus dem Einkaufsmarkt geladen. Sie schildert den Vorfall von Ende August deutlich anders als der Algerier. Eine ihrer Kolleginnen habe beobachtet, dass der Angeklagte mehrere Flaschen Duschgel in seinen Rucksack gepackt habe. „Die Kollegin hat mir das mitgeteilt, damit ich beim Kassieren darauf achte“, sagte die Zeugin.

Beim nächsten Diebstahl kommt Freiheitsstrafe

An der Kasse habe der Angeklagte zwei Artikel auf das Band gelegt, nicht jedoch das Duschgel. Als sie ihn fragte, habe er behauptet, die Flaschen hätte er woanders gekauft. Da die Kollegin jedoch gesehen hatte, wie er die sieben Flaschen im Wert von knapp 34 Euro in den Rucksack steckte, habe sie die Polizei gerufen.

Obwohl der Angeklagte schon mehrfach wegen Diebstahls vor Gericht stand und deshalb auch schon im Gefängnis saß, kommt er diesmal glimpflich davon. Richterin Nancy Weiß verurteilt ihn zu eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je sechs Euro. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

„Ich rechne ihnen hoch an, dass sie sich dem Verfahren gestellt haben“, sagte Nancy Weiß. Aufgrund des geringen Schadens habe sie es bei der Geldstrafe belassen. „Beim nächsten Diebstahl droht ihnen eine Freiheitsstrafe“, gibt die Richterin dem Angeklagten mit.

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