merken
PLUS Döbeln

Eierlikör zum Löffeln

In Niederforst gibt es seit einem Jahr einen Dorfkonsum. In diesem wird alles angeboten, was aus den Eiern von glücklichen Hennen hergestellt wird.

Katrin Schumann hält in Niederforst bei Roßwein Hühner. Diese leben in Hühnermobilen, die sogar über ein sogenanntes Lichtmanagment verfügen.
Katrin Schumann hält in Niederforst bei Roßwein Hühner. Diese leben in Hühnermobilen, die sogar über ein sogenanntes Lichtmanagment verfügen. © Lars Halbauer

Hier steht der Löffel im Eierlikör. Diese Besonderheit bietet Katrin Schumann in ihrem Dorfkonsum in Niederforst und auf dem Wochenmarkt in Roßwein an. „Der selbst hergestellte Likör aus hauseigenen Eiern ist deshalb so dick, weil wir als Besonderheit Bienenhonig untermischen“, sagte Katrin Schumann. Sie erlebe oft, dass die Kunden gleich zwei Gläser mitnehmen. Eins für den Mann und eins für die Frau – damit es keinen Streit gibt. Die Gläser werden sogar beschriftet, damit jeder weiß, wem das Glas gehört und keiner zu kurz kommt.

Doch der Eierlikör zum Löffeln ist nur ein Produkt von vielen, die aus den Eiern der Niederforst Agrar hergestellt und im Dorfkonsum sowie in anderen Verkaufsstellen angeboten werden. Dazu gehören neben den legefrischen Eiern auch verschiedene Nudelsorten, die eine Manufaktur anfertigt. Außerdem bietet Familie Schumann Honig aus der eigenen Imkerei an.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Familie Schumann stellt auch Honig her. Sie hat 30 Bienenvölker.
Familie Schumann stellt auch Honig her. Sie hat 30 Bienenvölker. © Lars Halbauer

„Wir haben 30 Bienenvölker“, sagte die Landwirtin. Und weil diese verschiedene Standorte haben, gibt es zum Beispiel Raps-, Akazien- oder Kleehonig. Wer will, kann auch handgefertigte Kerzen aus Wabenhonig im Dorfkonsum erwerben. Saisonal gibt es hier Sonnenblumenkerne als Vogelfutter und Kartoffeln. Das Sortiment wird durch Linsen, Müsli, Tee, Mehl aus der Fichtenmühle und Kaffee aus einer Großenhainer Rösterei ergänzt. Es gibt sogar Kosmetik auf der Basis von Bienenhonig.

Aus den Eiern werden verschiedene Produkte hergestellt. Dazu gehört der Eierlikör zum Löffeln.
Aus den Eiern werden verschiedene Produkte hergestellt. Dazu gehört der Eierlikör zum Löffeln. © Lars Halbauer

„Den Laden haben wir vor einem Jahr eröffnet und er wird sehr gut angenommen“, sagte Katrin Schumann. Die Idee sei entstanden, weil der Bienenhonig bis dahin im Hausflur verkauft wurde. „Da die Leute eigentlich immer kommen, war das ungünstig. Deshalb entschlossen wird uns, den kleinen Dorfkonsum auszubauen“, so Katrin Schumann.

Das Lädchen hat offiziell am Sonnabend von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Doch wer bei den Schumanns anruft, wird auch zu anderen Zeiten bedient. „Zurzeit packen wir viele Präsente zusammen. Unsere Produkte werden gern als Geschenke verwendet“, sagte die Landwirtin.

Seit einem Jahr gibt es in Niederforst auf dem Hof von Familie Schumann einen Dorfkonsum.
Seit einem Jahr gibt es in Niederforst auf dem Hof von Familie Schumann einen Dorfkonsum. © Lars Halbauer

Doch das Hauptaugenmerk legt Katrin Schumann auf die Hühner, die die Grundlage für die Eierprodukte im wahrsten Sinne des Wortes legen. Die Tiere leben in Hühnermobilen. Katrin Schumann von der Niederforst Agrar setzt schon seit 2017 auf diese in der Region seltene Hühnerhaltung und das mit großen Erfolg.

Die Mobile sind große Hühnerhäuser auf Rädern. Denn sie werden jede Woche umgesetzt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen würden die Hühner die Grasnarbe anfressen. Zum anderen wäre der Boden schnell überdüngt. Außerdem würde der viele Kot schnell für Keime und somit auch für Krankheiten sorgen. Doch das passiert nicht.

Wie gut es den Tieren geht, die bei jedem Wetter draußen sind, davon kann sich jeder überzeugen, der durch Niederforst geht oder fährt.

Die schicken Hühnermobile bestehen aus zwei Etagen, wobei die untere von den Hühnern zum Scharren genutzt wird. In der oberen Etage verbringen die Hühner nicht nur die Nacht. Es ist für sie ein Rückzugsort. Hier gibt es eine Futterstelle, einen Wasserspender und ein sogenanntes Nest, in das sie die Eier legen. Die purzeln dann ganz sanft in Dinkelspreu, damit sie nicht kaputt gehen. Katrin Schumann kann eine Klappe von außen öffnen und die Eier ganz problemlos herausnehmen.

In einem Hühnermobil leben 200 Legehühner. Sie sind das ganze Jahr über an der frischen Luft.
In einem Hühnermobil leben 200 Legehühner. Sie sind das ganze Jahr über an der frischen Luft. © Lars Halbauer

Etwa 5.000 Eier legen die Tiere jede Woche. Die gibt es dann unter anderem mittwochs auf dem Markt in Roßwein, im Getränkehandel Markgrafen in Döbeln Ost, der Milchtankstelle in Haßlau und in anderen Läden der Region.

Auf dem Dach des Mobils sind Solarzellen angebracht. Die werden für die Stromgewinnung benötigt. Denn im Hühnermobil funktioniert so einiges automatisch. Es gibt sogar ein Lichtprogramm. Das simuliert für die Tiere Sommer wie Winter die gleiche Zeit, damit sie im Rhythmus bleiben. Außerdem öffnen morgens um 10 Uhr die Außlaufklappen, damit die Tiere aus dem oberen Stockwerk auf die Wiese kommen. Eine Stunde nach Sonnenuntergang schließen die Klappen wieder automatisch. „Das ist wichtig, damit die Hühner vor dem Zugriff des Fuchses geschützt sind“, so Katrin Schumann.

Sowohl sie als auch ihr Mann Kai sind mit der Landwirtschaft groß geworden. „Meine Oma hat Hühner gehalten“, sagte die Landwirtin.1991 gründete dann ihr Mann zusammen mit seinem Vater, Reiner Schumann, den aktuellen Betrieb. Dieser hält eine Mutterkuhherde und betreibt als Schwerpunkt Ackerbau.

Weil sich die Hühner wohl fühlen, legen sie auch viele Eier.
Weil sich die Hühner wohl fühlen, legen sie auch viele Eier. © Lars Halbauer

2017 kam dann das erste Hühnermobil hinzu. Jetzt sind es fünf. In zwei Ställen werden Jungtiere gehalten. Deren Eier sind etwas kleiner und werden vor allem für die Herstellung von Nudeln und Eierlikör verwendet. Ältere Tiere werden einmal im Jahr aus dem Gehege entfernt und geschlachtet, das Fleisch anschließend verkauft.

„Nicht nur wegen Corona ist die Nachfrage nach regionalen Produkten gestiegen. Vielen Leuten ist es wichtig, dass sie wissen, woher die Waren kommen. Es sind auch viele Familien mit kleinen Kindern dabei“, so Katrin Schumann. Die können dann gleich vor Ort erleben, wer die Eier produziert und wie die Hühner leben.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln