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Polizei schnappt diebisches Pärchen

Die Harthaer sind in Waldheim an einem Abend in zwei Gebäude eingebrochen. Bei den Ermittlungen werden die Beamten eingeschlossen.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Döbeln/Waldheim/Hartha. Die beiden Harthaer sind ein Paar und gemeinsam auf Tour gegangen. Doch ihr Tun blieb nicht unbemerkt. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Diebstahl in Tateinheit mit Sachbeschädigung in drei Fällen vor. Dazu kommt versuchter Computerbetrug. 

Drei der vier Taten sollen sich im November 2018 innerhalb von sechs Stunden ereignet haben. Die Verteidiger beider Angeklagter erklären, dass diese zugeben, die Taten begangen zu haben – bis auf eine. Und der 40 Jahre alte Mann weist darauf hin, dass der Hintergrund die Beschaffung von Betäubungsmitteln gewesen sei.

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Am Tattag ist das Paar zuerst in eine Firma an der Bahnhofstraße eingedrungen. Dort brachen die beiden zwei Außen- und mehrere Innentüren auf. Sie stahlen 43 Euro aus einer Stahlkassette, sechs Trinkgläser, Büroutensilien, etwa 200 Schlüssel und eine EC-Karte der VR Bank. 

Der Sachschaden betrug rund 1.600 Euro, wie eine Mitarbeiterin der Firma als Zeugin vor Gericht aussagt. Von den gestohlenen Gegenständen habe sie das Meiste zurückbekommen. Der Einbruch hat einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. „Ich gehe jeden früh mit Angst auf Arbeit“, sagt sie.

Der Angeklagte entschuldigt sich bei ihr und bietet handwerkliche Hilfe an, um den Schaden wieder gut zu machen.

Fußspuren überführen Täter

Auch auf dem Dachboden haben die beiden Harthaer nach Brauchbarem gesucht und dabei in einer dicken Staubschicht und auf Linoleumbelag Schuhabdrücke hinterlassen. Die sind später mit den Schuhen der Angeklagten verglichen worden. „Die Größe und das Muster der Sohlen passten“, sagt ein Kriminaltechniker.

Bevor das Paar zu einem leerstehenden Haus an der Breitscheidstraße weiterzog, versuchte die 28 Jahre alte Frau, mit der EC-Karte am Automaten der VR-Bank 1.000 Euro abzuheben. Dies misslang jedoch. Die Karte war bereits abgelaufen. 

Zwar habe die Mutter von vier Kindern versucht, ihr Gesicht zu verbergen. Sie sei aber auf den Überwachungsbändern der Bank eindeutig zu erkennen – auch an der markanten Kleidung, die sie an diesem Tag getragen habe, sagt Richterin Ines Opitz.

Nachbar schraubt Tür zu: Polizisten eingesperrt

In dem Haus an der Breitscheidstraße hatten es die beiden auf Kupferrohre abgesehen. Allerdings fiel Nachbarn der Schein von Taschenlampen im Keller auf. Deshalb riefen sie die Polizei. Zufällig sei einer von zwei angeforderten Streifenwagen bereits in Waldheim nur 700 Meter entfernt und deshalb schnell vor Ort gewesen. 

Sie seien ohne Blaulicht und Martinshorn gefahren, sagt eine Polizeiobermeisterin. Im Keller sei sie zuerst auf die Angeklagte getroffen. Diese habe Handschuhe getragen. Beide Personen seien dabei gewesen, Kupferrohre abzumontieren, einige hätten schon zum Abtransport bereitgestanden.

Bei der Besichtigung des Tatortes am nächsten Tag seien dann eine Rohrzange und anderes Werkzeug sichergestellt worden. „Außerdem haben wir eine versteckte Gürteltasche gefunden. In der befanden sich persönliche Dokumente des Angeklagten und Betäubungsmittel“, erklärt ein weiterer Polizeibeamter als Zeuge. 

Noch während die Polizisten das Gebäude durchsuchten, habe ein Nachbar die Tür von außen zugeschraubt. Für ihn sei der Einbruch der sprichwörtliche Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Er habe erklärt, dass es in dem Haus ein „regelrechtes Begängnis“ gebe.

Haftstrafe, Verfahrenskosten und mehrere Arbeitsstunden

Bereits fünf Monate vor den Einbrüchen war aus einer Garage in Hartha eine gelbe Simson gestohlen worden. Die fand ein Sachbearbeiter für Kfz-Diebstähle des Polizeireviers Döbeln zufällig wenige Tage später bei einer Kontrollfahrt in der Nähe des Pfarrhauses in Hartha. 

Die Knieschutzbleche, Blinker und Spiegel waren abgeschraubt. Aber die Seriennummer bestätigte, dass es sich um das gestohlene Moped handelte. Daneben stand ein Kanister mit einem Aufkleber. Auf dessen Rückseite wurde der Abdruck des linken Zeigefingers des Angeklagten gefunden und dadurch der Diebstahl ihm zugeordnet.

Allerdings ließen sich am Moped keine weiteren Spuren des Mannes finden, sodass sowohl der Staatsanwalt, als auch der Verteidiger und die Richterin in diesem Fall auf Freispruch plädierten. 

Für die anderen Taten fordert die Staatsanwaltschaft für die Frau acht Monate und für den Mann ein Jahr Haft. Beides könne zur Bewährung ausgesetzt werden. „Ich gehe nicht davon aus, dass bei beiden eine Geldstrafe ausreichend ist“, so der Amtsanwalt. Die Verteidiger der Angeklagten plädieren jeweils für zwei Monate weniger. 

Richterin Ines Opitz verurteilt die Angeklagte zu acht Monaten und ihren Lebensgefährten zu einem Jahr Haft. Beide erhalten zwei Jahre Bewährung und müssen die Kosten des Verfahrens tragen. Außerdem muss die Frau innerhalb von sechs Monaten 60 und der Mann 100 Arbeitsstunden leisten.

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