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Döbelner Heimatfest im Pappkarton

Familie Schreiber aus Döbeln hat noch vieles von der 1.000-Jahr-Feier in einer Kiste gelagert. Noch wichtiger sind aber die Erinnerungen.

Michaela Schreiber zeigt eines der Tücher, die die Leute während der Festwoche zu „1.000 Jahre Döbeln“ ins Fenster gehängt haben.
Michaela Schreiber zeigt eines der Tücher, die die Leute während der Festwoche zu „1.000 Jahre Döbeln“ ins Fenster gehängt haben. © Lars Halbauer

Döbeln. Der Karton ist bunt. Auf einem aufgeklebten Zettel steht Döbeln. Der Inhalt weckt bei Michaela Schreiber und ihrer Familie vielfältige Erinnerungen an das „Sozialistische Volks- und Heimatfest“ zur 1.000-Jahr-Feier in Döbeln.

„Wir denken noch heute gern an dieses Heimatfest zurück“, sagt Michaela Schreiber. Sie öffnet den Karton. Als erstes kommt ein Dreieckstuch mit dem Döbelner Stadtwappen zum Vorschein. „Das haben sich die Leute ins Fenster gehängt“, erinnert sich die Döbelnerin. Der Döbelner Riesenstiefel aus Seife, zwei Seifentaler, eine weiße und eine braune Festplakette folgen.

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Festprogramm mit sozialistischem Grußwort

Auch Ansichtskarten mit Motiven aus der Döbelner Geschichte, wie zum Beispiel die Pferdebahn oder das alte Rathaus, einen Wimpel und einen Linoldruck, den ihr Sohn gestaltet hat, holt Michaela Schreiber hervor. Eine Festschrift und einen Zollschein im A3-Format hat sie ebenfalls aufgehoben.

Zu den größten Schätzen dieser Kiste dürfte aber wohl die Broschüre mit dem Festprogramm gehören. Wie es zu sozialistischen Zeiten üblich gewesen ist, beginnt es mit einem Grußwort des damaligen Bürgermeisters Heinz Dittrich, in dem die Erfolge der DDR nicht hoch genug gewürdigt werden konnten. Auch die namentliche Nennung aller Mitglieder des Festkomitees durfte nicht fehlen.

Überall Bühnen aufgebaut

Es folgen eine ganze Reihe von organisatorischen Hinweisen – sogar die Öffnungszeiten von Friseursalons sind verzeichnet. Zum Festprogramm gehörte auch das Fußball-Freundschaftsspiel zwischen Motor Döbeln und dem 1. FC Lok Leipzig am 10. Juni 1981. Das eigentliche Festwochenende wurde jedoch erst am 25. Juni eingeläutet. Vorwiegend im Stadtzentrum, aber auch in anderen Stadtgebieten waren Bühnen aufgebaut und fanden Veranstaltungen statt.

Der Döbelner Riesenstiefel wurde aus Seife nachgebildet. Noch interessanter ist die Kopie einer Zeitung aus dem Jahr 1917, auf der der Stiefel steht.
Der Döbelner Riesenstiefel wurde aus Seife nachgebildet. Noch interessanter ist die Kopie einer Zeitung aus dem Jahr 1917, auf der der Stiefel steht. © Lars Halbauer
Postkarten, Seifentaler und -stiefel, eine Festschrift (links oben) sowie ein Linoldruck (rechts) gehören ebenfalls zum Inhalt der Kiste.
Postkarten, Seifentaler und -stiefel, eine Festschrift (links oben) sowie ein Linoldruck (rechts) gehören ebenfalls zum Inhalt der Kiste. © Lars Halbauer
Auch diesen Zollschein gab es zur 1000-Jahr-Feier in Döbeln.
Auch diesen Zollschein gab es zur 1000-Jahr-Feier in Döbeln. © Lars Halbauer

Während die Versorgung mit guten Biersorten damals eher ein Problem war, habe dies zum Heimatfest gut funktioniert, erinnert sich Michaela Schreiber. Auch dass damals heißes Sommerwetter herrschte, weiß sie noch genau. Als Höhepunkte hat sie den Auftritt von Ute Freudenberg mit der Gruppe Elefant, ein Chorkonzert mit dem Thomanerchor und das große Feuerwerk am Sonntagabend in Erinnerung.

Zerrissener Festumzug

Und natürlich gehört der große Festumzug zu den bleibenden Erinnerungen. Die tausendjährige Geschichte Döbelns wurde in 43 Bildern in 19 Komplexen zusammengefasst. Michaela Schreiber, ihr Mann und die beiden Kinder haben den Umzug als Zuschauer erlebt.

Unmittelbar dabei war Reinhard Senf aus Roßwein. „Wir waren damals mit der Handdruckspritze der Roßweiner Feuerwehr, die von Pferden gezogen wurde, beim Umzug dabei“, sagt Reinhard Senf. Vom Hauptbahnhof aus ging es in die Innenstadt. „Vor der Tribüne am Rathaus mussten einige Bilder eine Extra-Einlage geben, um die politische Prominenz zu erfreuen“, so Senf. Dadurch sei der Festzug zerrissen worden. Der ging noch bis Döbeln Ost, doch dort kamen die Teilnehmer in großen Abständen an.

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Zur 1.000-Jahr-Feier in Döbeln gab es viele Souvenirs – Gläser, Flaschenöffner, Seife – oft hergestellt von Döbelner Betrieben. Haben Sie solche Erinnerungsstücke in Ihrem Besitz und können Sie eine Geschichte dazu erzählen? Wenn ja, melden Sie sich beim Döbelner Anzeiger unter Tel. 03431/719413 oder unter der E-Mail-Adresse [email protected].

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