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Döbeln: Tafeln und Sozialkaufhäuser leiden unter Corona

Die Umsätze der Sozial-Projekte sind unter 2G enorm eingebrochen. Netzwerk Mittweida lebt von der Substanz.

Von Jens Hoyer
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Maxi Lippmann und Mandy Ullmann haben am Donnerstag wieder Lebensmittel in der Tafel Döbeln ausgegeben. Die soziale Einrichtung versorgt fast 500 Menschen, darunter etwa 160 Kinder, in der Region mit günstigen Lebensmitteln. Die Tafel sucht ehrenamtlich
Maxi Lippmann und Mandy Ullmann haben am Donnerstag wieder Lebensmittel in der Tafel Döbeln ausgegeben. Die soziale Einrichtung versorgt fast 500 Menschen, darunter etwa 160 Kinder, in der Region mit günstigen Lebensmitteln. Die Tafel sucht ehrenamtlich © Dietmar Thomas

Döbeln. Corona macht dem Verein Netzwerk zu schaffen. In vielen Bereichen. Der Freie Träger aus Mittweida betreibt Sozialkaufhäuser und Tafeln – unter anderem in Döbeln – in denen sich Bedürftige günstig mit Lebensmitteln, Möbeln und Kleidung eindecken können. „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“, betont Anne Katrin Koch, die Geschäftsführerin von Netzwerk.

Allerdings wird es langsam eng für den Freien Träger. „Wenn das noch eine Weile so weiter geht, sind solche Angebote wie unsere tot“, sagt sie. Die Umsätze vor allem in den Sozialkaufhäusern seien unter den 2G-Regeln „exorbitant“ gesunken, so Koch. „Die Kosten laufen ja weiter. Wir leben von der Substanz.“

In Härtefällen würden Möglichkeiten gefunden, damit auch Menschen ohne Impfung einkaufen könnten. Eine Möglichkeit sei Click & Collect. „Wir selektieren nicht nach geimpft und ungeimpft. Das sind Menschen, die Hilfe benötigen“, sagte die Geschäftsführerin.

Mehr Menschen lassen Lebensmittel liefern

Bei der Tafel liegen die Dinge etwas anders. Sie gilt als Lebensmittelhandel mit den weniger strengen Regeln. Trotzdem ist die Nachfrage nach einem speziellen Service der Tafel größer geworden. „Die Leute bestellen mehr und wir bringen es ihnen mit dem Lieferservice“, sagte Anne Katrin Koch.

Die Gründe seien vielfältig. „Es gibt Vereinsamte, die gar nicht mehr aus dem Haus gehen“, sagte Koch. Andere hätten wegen Corona Angst, seien gehbehindert oder auf Rollatoren angewiesen. Ein Problem hätten die Leute, die auf dem Land wohnen. „Im öffentlichen Nahverkehr gilt 3G. Die Leute wohnen auf den Dörfern und müssen erst mal in die Stadt, um sich testen zu lassen“, erklärt sie das Problem.

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Diese Härtefälle können ihre Kisten mit den Lebensmitteln bestellen und bekommen sie geliefert. „Das kann man aber nicht in Größenordnungen machen. Aber wir wissen schon, wer darauf angewiesen ist“, so die Geschäftsführerin.

Weniger Waren von den Märkten

Ein Phänomen macht den Tafeln schon länger in der Corona-Zeit zu schaffen. Die Lebensmittelspenden der Märkte, von denen die Tafeln leben, sind zurückgegangen. Das liege zum Teil daran, dass die Einzelhandelsketten in der Pandemie den Anteil der Lebensmittel zugunsten sogenannter Nonfood-Artikel verringert haben. Zudem setzten die Ketten mehr um, weil mehr Menschen zu Hause sind. „Es bleibt wesentlich weniger für die Tafeln übrig“, sagte Koch. Vor Weihnachten sei der Mangel besonders spürbar gewesen. „Da haben wir die letzten Büchsen aus dem Lager geholt“, sagte Koch. „Ich hoffe, dass sich das wieder normalisiert.“

Dass die Nerven in dieser Situation bei manchen blank liegen, bekommen die Mitarbeiter der Tafeln zu spüren. Vor Weihnachten hatte die Döbelner Tafel wegen Corona-Fällen schließen müssen. „Da ist eine große Aggressivität da. Die Mitarbeiter müssen sich da manchmal ganz schön Sachen an den Kopf werfen lassen“, so die Geschäftsführerin.

Helfer für Döbelner Tafel gesucht

Mut mache die Bereitschaft der Menschen, für die Tafeln zu spenden. „Vor Weihnachten ist da viel von Firmen gekommen, und wenn es nur mal 100 oder 200 Euro waren. Ein Familienvater bringt jedes Jahr eine Spende vorbei. Das zeigt, dass wir Menschen geblieben sind.“

Wer Interesse hat, kann bei Netzwerk helfen. Für die Döbelner Tafel werden Menschen gesucht, die im Ehrenamt mitarbeiten. Die gespendeten Waren müssen sortiert, gereinigt und verpackt werden. „Wer 20 Stunden im Monat arbeitet, bekommt eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro“, sagte Maxi Lippmann, die Leiterin der Tafel Döbeln. „Zurzeit arbeiten fünf Ehrenamtliche bei uns. Ohne diese würde es gar nicht gehen.“ Vom Arbeitsamt kämen über die Arbeitsgelegenheiten nicht so viele Mitarbeiter, wie benötigt werden.

Von der Döbelner Tafel mit ihren Außenstellen werden fast 500 Menschen in der Region versorgt.