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Mann verstößt gegen Kontaktverbot

Der Döbelner hat vor Jahren ein Kind getötet. Deshalb darf er sich Kindern unter 16 Jahren nicht nähern. Aber nicht nur deswegen sitzt er auf der Anklagebank.

Der Angeklagte ist vor dem Amtsgericht Döbeln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
Der Angeklagte ist vor dem Amtsgericht Döbeln zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. © André Braun/Archiv

Döbeln. Der 39-jährige Mann wirkt ruhig und macht einen freundlichen Eindruck. Im Jahr 1999 ist er nach Jugendstrafrecht zu neun Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, weil er ein Kind sexuell missbraucht und getötet hat.

Die Haftstrafe hat er längst verbüßt. Ihm ist es jedoch verboten, sich unter 16-Jährigen und Plätzen, an denen sich Kinder aufhalten, zu nähern. Seit Juli 2018 steht er unter Führungsaufsicht. Diese läuft über fünf Jahre. Vor dem Amtsgericht Döbeln muss er sich nun verantworten, weil er eben diese Auflagen verletzt hat. Am 31. Juli des vergangenen Jahres ist er in der Albertstraße in Döbeln mit einer 15-Jährigen angetroffen worden.

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Außerdem werden ihm weitere Delikte vorgeworfen. So soll er es zugelassen haben, dass andere Personen ohne Führerschein ein auf ihn zugelassenes Auto gefahren haben. Anfang August 2020 soll er sich 100 Meter von einer Badestelle entfernt an der Kriebsteintalsperre aufgehalten und damit erneut gegen die Auflagen verstoßen haben. Schließlich hat er Anfang dieses Jahres in Waldheim einen Unfall mit einem Mofa gehabt, bei dem er unter Alkoholeinfluss stand.

Kontakt mit Jugendlicher zugegeben

Der Angeklagte sagt zum Mofaunfall, dass er sich in der Lage gefühlt habe, zu fahren. In einer Rechtskurve sei er weggerutscht und das Mofa sei in einen Audi geschlittert. Den Polizeibeamten, die den Unfall aufgenommen hatten, sagte er, dass er zwei Flaschen Bier getrunken habe. Ein Polizist, der als Zeuge geladen ist, bestätigt, dass es an diesem Abend feucht war. Mittels einer Blutentnahme, der der Angeklagte zugestimmt hat, wird ein Wert von 0,85 Promille festgestellt.

Den Kontakt mit der Jugendlichen am 31. Juli bestätigt der 39-Jährige. Jedoch sei das Treffen harmlos gewesen. Das Mädchen habe mit seinem Mobiltelefon bei ihrer Oma angerufen. Als er schon nach Hause gehen wollte, kam die Polizei.

Gute Zusammenarbeit mit Bewährungshelferin

Die Bewährungshelferin des Angeklagten bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit ihm gut funktioniert. Er nimmt an einem Programm des Instituts für sozialtherapeutische Nachsorge und Resozialisationsforschung (Isona) teil. Er habe kürzlich seine Arbeit verloren, habe aber Ende März eine neue Stelle angetreten.

In intensiven Gesprächen habe sie ihn immer wieder an die Auflagen der Führungsaufsicht erinnert. „Jedoch fällt es ihm schwer, die Erkenntnisse aus den Gesprächen umzusetzen“, schätzt die Bewährungshelferin ein.

Der Vorwurf, dass sich der Angeklagte unweit einer Badestelle an der Talsperre Kriebstein aufgehalten haben soll, kann widerlegt werden. Ein Polizeibeamter hat den Angeklagten zusammen mit einem weiteren Mann an diesem Tag an der Talsperre gesehen. „Es gibt in diesem Bereich keine Badestelle“, sagt er.

Freund fährt ohne Führerschein

Jedoch hat der Beamte gesehen, dass der Freund des Angeklagten am Steuer eines Autos saß, obwohl er keinen Führerschein besitzt. Das Auto war auf den Angeklagten zugelassen, er hat es aber seinem Freund zur Nutzung überlassen. Der habe ihm einen polnischen Führerschein gezeigt. Dass dieser ungültig war, habe er nicht gewusst, so der Angeklagte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. Der Verteidiger des Angeklagten findet dies zu hart. „Bei einer Freiheitsstrafe würde mein Mandant seine Arbeitsstelle verlieren“, sagt er.

Richterin verhängt Bewährungsstrafe

Richterin Ines Opitz spricht zwar eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten aus, setzt diese aber auf zwei Jahre zur Bewährung aus. Zudem muss der Angeklagte eine Geldauflage von 600 Euro an den Verein Lebenszeit zahlen. „Hauptpunkt ist der Verstoß gegen die Führungsaufsicht. Der Angeklagte muss sich klar werden, dass er diese Auflagen einhalten muss“, sagt die Richterin.

Es sei aber erkennbar, dass er sein Leben meistern wolle, wie auch das Bemühen um die Arbeitsstelle zeige. Deshalb sei die Strafe zur Bewährung auszusetzen. „Wenn aber noch etwas passiert, wird es wohl keine Bewährung mehr geben“, warnt die Richterin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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