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Geringswalde: Döner-Imbiss im Kreuzfeuer

In den sozialen Netzwerken wird das Geschäft eines Iraners schlecht gemacht. Die Art und Weise versteht er nicht.

Der Inhaber dieses Döner-Ladens in Geringswalde wird im Internet verunglimpft.
Der Inhaber dieses Döner-Ladens in Geringswalde wird im Internet verunglimpft. © Lars Halbauer

Geringswalde. Er schläft schlecht, hat Kopfschmerzen, fühlt sich müde, hat Luftnot. Bei jedem verdächtigen Geräusch wird er wach.

Arsalan Hesameddini hat vor einem Jahr den „Persien Döner“ in Geringswalde eröffnet. Mit dem Geschäft will er Geld für seine Familie verdienen. Der Iraner ist 2015 nach Deutschland gekommen. Mit seiner Freundin, einer Deutschen, hat er zwei kleine Kinder.

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Zunächst schien alles bestens zu laufen. Doch nach einigen Monaten begannen in den sozialen Netzwerken die Hasskommentare, Vorwürfe, Unterstellungen. „Ich werde als böser Mensch hingestellt. Man behauptet, ich sei ein Drogenhändler. Dann heißt es wieder, ich würde meine Frau schlagen“, berichtet Arsalan Hesameddini.

Das geht so weit, dass er im August 2020 von der Polizei verhaftet wird. „Abends bin ich wieder freigelassen worden“, so der Iraner. Auch das Gesundheitsamt und der Zoll seien schon in seinem Laden gewesen.

Angebot wird im Internet schlecht bewertet

Bei der Polizei liegt noch keine Anzeige wegen der Beleidigungen seitens des Iraners vor, teilte ein Sprecher auf Anfrage von Sächsische.de mit.

Hesameddini vermutet hinter den Attacken eine private Gruppe bei Facebook. Immer wieder werde sein Angebot schlecht bewertet. Direkt neben dem Imbiss ist eine kleine Bar entstanden – „Zum Pub“ hat er sie genannt. Eröffnen konnte er sie noch nicht, weil die Corona-Pandemie dazwischen kam. Doch selbst für dieses Lokal gibt es schon negative Bewertungen, obwohl es noch nicht einen Tag geöffnet gewesen ist.

Doch nicht nur im Internet wird er angegriffen. „Mir wurde schon Salz vor die Tür gekippt. Damit will man mir sagen, dass ich nicht willkommen bin“, sagt Arsalan Hesameddini. Man wolle offenbar, dass er sein Geschäft aufgebe.

Lästige Scherzanrufe per Internet

Als besonders lästig empfindet Hesameddini sogenannte Scherzanrufe, bei der die Anrufer anonym bleiben. Möglich ist das durch die Verwendung einer Internetseite, die diesen „Service“ anbietet.

Diese hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia: „Der Anrufende wählt zunächst zwischen verschiedenen Szenarien aus, welche unterschiedliche Themen haben und alle das Ziel haben, den Angerufenen zu täuschen und selbst daran Spaß zu haben. Anschließend wählt man die Telefonnummer. Wenn man mit der Zielperson verbunden ist, klickt man die einzelnen Sätze oder Wörter an.

Andere Szenarien funktionieren so, dass man einen Klick macht, und ein vorgesprochener Text durchgängig abgespielt wird. Der Anrufende vor dem Computer ist für den Angerufenen nicht zu hören“, heißt es auf dem Enzyklopädie-Portal.

Dabei hat der Iraner eine ganze Menge Kunden, denen es bei ihm schmeckt. Die Bewertungen auf der Internetseite des Geschäftes, das mit einem Lieferservice zusammenarbeitet, sind überwiegend positiv.

Iraner gibt Hoffnung auf Anerkennung nicht auf

Umso unverständlicher sind die negativen Kommentare. Ein Mann aus Waldheim, der sich öfter bei „Persien Döner“ etwas zu Essen bestellt, hat sich mit dem Inhaber angefreundet. Er schätzt ihn als ehrlichen Menschen, der alles tut, um seine Kunden zufrieden zu stellen.

Ein wenig sucht Arsalan Hesameddini den Grund für die Hetzkampagne auch bei sich. „Vielleicht hätte ich mir so manchen Gegenkommentar verkneifen sollen“, sagt er. Dabei habe er die Situation eher entkräften wollen, doch das sei wohl nicht so gut angekommen. Dennoch hofft er, dass sich alles wieder entspannt, dass er mit seinem Döner-Geschäft anerkannt wird, dass er endlich wieder ruhig schlafen kann.

Es ist zu spüren, wie sehr ihn das alles mitnimmt. Dabei hat Arsalan Hesameddini nur einen Wunsch: „Lasst mich doch leben!“

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