merken
PLUS Döbeln

„Klimatische Veränderungen werden zur Herausforderung“

Das Trinkwassernetz muss Hitze und Trockenheit standhalten. 2021 investiert der Wasserverband Döbeln-Oschatz mehr als sechs Millionen Euro.

Allein mehr als eine Million Euro werden in die Vernetzung des nördlichen und südlichen Verbandsgebietes fließen. Mit einem Konzept geht der Verband gegen die Trockenheit vor.
Allein mehr als eine Million Euro werden in die Vernetzung des nördlichen und südlichen Verbandsgebietes fließen. Mit einem Konzept geht der Verband gegen die Trockenheit vor. © dpa

Region Döbeln. Sinkende Grundwasserspiegel, anhaltende Trockenheit und dann auch noch eine Pandemie: Auch der Wasserverband Döbeln-Oschatz (DOWW) steht dieser Tage vor einigen Herausforderungen. Sächsische.de sprach mit dem Geschäftsführer des Verbandes, Stephan Baillieu, über den Umgang mit den derzeitigen Herausforderungen:

Was waren die Schwerpunkte des Trinkwasserverbandes Döbeln-Oschatz im Jahr 2020?

Anzeige
Hier gibt's die guten Nachrichten für 2021!
Hier gibt's die guten Nachrichten für 2021!

Jetzt wechseln zu günstigem Strom mit Vertrauensgarantie!

Im Fokus standen vor allem wichtige Investitionen des Jahres 2020, über deren Abarbeitungsstand im Bericht des Geschäftsführers informiert wurde. Für Döbeln ist hier von besonderem Interesse, dass die Vorarbeiten für die zweite Muldequerung in der Schillerstraße bis Dezember abgeschlossen werden konnten. Seit April wurden hier 130.000 Euro in die Trinkwasserinfrastruktur investiert.

Zudem wurden im Döbelner Ortsteil Präbschütz 850 Meter neue Trinkwasserleitung im Bereich Zur Jahnaquelle verlegt. Allerdings ist diese Maßnahme mit einem Volumen von circa 100.000 Euro bereits im Mai dieses Jahres beendet gewesen.

Auch im Ortsteil Leuben wurde in diesem Jahr viel investiert, um die Trinkwasserleitung in der Ortsdurchfahrt zu erneuern.

Welche Maßnahmen sind im Investitionsplan 2021 vorgesehen, bezogen auf die Region Döbeln?

Insgesamt ist geplant, rund 6,1 Millionen Euro in diesem Jahr zu investieren – im gesamten Verbandsgebiet. Allein 1,75 Millionen Euro fließen in Maßnahmen zur Vernetzung des nördlichen mit dem südlichen Teil des Verbandsgebietes. Hierbei handelt es sich um eine Maßnahme aus der Trinkwasserversorgungskonzeption des Wasserverbandes.

Eine nähere Beleuchtung einzelner Vorhaben in der Region Döbeln und den Ortsteilen bietet sich im Frühjahr an, sobald mit der Bautätigkeit wieder begonnen werden kann.

Stephan Baillieu , hier im Trinkwasserbehälter Eichhardt, ist der Geschäftsführer des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz (DOWW).
Stephan Baillieu , hier im Trinkwasserbehälter Eichhardt, ist der Geschäftsführer des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz (DOWW). © Dietmar Thomas

Welche Auswirkungen hat der neue Wirtschaftsplan auf die Kunden?

Der Wasserverband Döbeln-Oschatz hat auch in diesem Jahr viel vor. Wichtige Voraussetzung dafür ist, dass die wirtschaftliche Lage stabil ist. Die Gebühren für die Kunden des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz werden sich nicht verändern.

Was genau sind die Schwerpunkte des Trinkwasserversorgungskonzeptes?

Mit seiner bis zum Jahr 2030 reichenden Trinkwasserversorgungskonzeption, die bereits beschlossen war und umgesetzt wird, stellt der Wasserverband Döbeln-Oschatz die Weichen für die Zukunft.

Im Fokus steht vor allem die konsequente Vernetzung des nördlichen und südlichen Teils des Verbandsgebietes. Auf diese Weise wird der Wasserverband noch besser auf die Herausforderungen der kommenden Jahre vorbereitet sein.

Insbesondere betrifft das die klimatischen Veränderungen, wie extreme Hitze und starke Trockenheit, die längst spürbar sind und auch die Trinkwasserversorgung nachhaltig beeinflussen.

Umso wichtiger, dass zum Beispiel die hiesigen Grundwasserressourcen weiterhin verantwortungsbewusst genutzt werden, um auch künftigen Generationen das Lebensmittel Trinkwasser als regionales Produkt von bester Qualität zur Verfügung stellen zu können – und das in ausreichender Menge.

Die Versorgungssicherheit der Wasserverbandskunden genießt jeden Tag des Jahres die höchste Priorität. Mit der Versorgungskonzeption will der Wasserverband Döbeln-Oschatz gleichermaßen Ausnahmesituationen beleuchten. Wie brutal sich beispielsweise ein Hochwasser auf lebensnotwendige Bereiche des öffentlichen Lebens auswirken kann, haben auch die Menschen in der Region Döbeln in der Vergangenheit schmerzhaft erfahren müssen.

Eine vernetzte Struktur einzelner Versorgungsbereiche kann hier helfen, die Trinkwasserversorgung auch in Notsituationen aufrechtzuerhalten. Das ist das Ziel aller Beteiligten.

Wie hat sich die Pandemie bisher auf den Verband ausgewirkt?

Wir alle befinden uns gerade jetzt wieder in einer extremen Notlage. Das öffentliche Leben ist komplett runtergefahren, das Infektionsgeschehen besorgniserregend. Als Teil einer systemrelevanten Branche haben wir eine besondere Verantwortung, indem wir die Trinkwasserversorgung und auch die umweltgerechte Behandlung der Abwässer jederzeit sicherstellen.

Während der Corona-Pandemie sind an uns noch höhere Anforderungen gestellt worden – etwa im Bereich Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter des Betriebsführers, der Veolia Wasser Deutschland GmbH. Versetzte Arbeitszeiten, kleine und feste Teams, hohe Hygienestandards – all das hat sich in den vergangenen Monaten bewährt.

Der Verbraucher hat keinerlei coronabedingte Einschränkungen der Wasserver- und Abwasserentsorgung zu spüren bekommen.

Nichtsdestotrotz bleibt diese Pandemie nicht ohne Auswirkungen. Gerade bei Investitionsprojekten, die in der Regel mit vielen Partnern in Amtsstuben, Planungsbüros und in den Baufirmen der Region realisiert werden, mussten Einschränkungen hingenommen werden. Wenn Personen zum Beispiel in Quarantäne geschickt wurden oder Materialien nicht lieferbar waren. Wir haben einen Teil des Investitionsbudgets auf 2021 verschoben und werden dann mit voller Kraft versuchen, zusätzlich zum planmäßigen Investitionsgeschehen, auch Einiges zu realisieren, was 2020 liegenbleiben musste. In Summe sollen dann rund 6,1 Millionen Euro investiert werden, um die Trinkwasserinfrastruktur weiter zu ertüchtigen.

Investitionen mussten pandemiebedingt auf 2021 verschoben werden. Welche Maßnahmen betrifft dies konkret?

Der Investitionsplan der DOWW betrachtet immer das vor uns liegende Jahr. Gerade 2020 hat uns allen gezeigt, wie schnell sich die Umstände ändern können und wir alle mehr oder weniger gezwungen sind, uns den Rahmenbedingungen anzupassen. Das gilt genauso für unsere Arbeit in der Daseinsvorsorge.

Doch auch ohne Corona-Pandemie bleiben die Investitionen in die Trinkwasserinfrastruktur jedes Jahr ein umfangreicher Plan, der im Jahresverlauf ständigen Veränderungen unterliegt und dabei lediglich den Rahmen absteckt, weil er zwangsläufig mit vielen Annahmen arbeitet.

Sie wissen, dass wir vor allem bestrebt sind, Gemeinschaftsmaßnahmen mit anderen Medienträgern oder Straßenbaulastträgern zu realisieren, um den Aufwand und am Ende die Kosten zu senken.

Hier müssen und wollen wir jederzeit flexibel bleiben und werden den größeren Vorhaben in der Regel Vorrang einräumen. Das bedeutet, dass kleinere Einzelmaßnahmen unter Umständen etwas zurückstehen müssen. Das gehört zum Tagesgeschäft und lässt sich nicht konkret an einzelnen Maßnahmen für die Region Döbeln festmachen. Wir haben 2020 sehr viel erreicht und gute Konzepte gefunden, mit den Einschränkungen der Pandemie umzugehen. Und wir werden auch 2021 wieder viel Geld in die Hand nehmen, um die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet jederzeit zuverlässig zu gewährleisten.

Welche Einschränkungen gibt es im Bereich des Kundenservices?

Der Kundenservice von Veolia hatte sich bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr auf die Online-Kommunikation konzentriert. Um das Risiko der Ansteckung möglichst gering zu halten, wurde der persönliche Besuch bei den Mitarbeitern im Kundenservice untersagt. Diese Arbeitsweise hat sich bewährt.

Per Telefon sowie per E-Mail und auf dem Postweg können sich die Verbraucher selbstverständlich an ihren Wasserversorger wenden.

In der vergangenen Verbandsversammlung ging es auch um ein Flurstück in Brösen. Was hat es damit auf sich?

Weiterführende Artikel

Kein Einzelfall: Gärtitzbach versiegt

Kein Einzelfall: Gärtitzbach versiegt

Die Region erlebt den dritten Dürresommer in Folge. Nicht nur in der Natur gibt es Probleme. Auch die Grundversorgung der Menschen ist am Limit.

Auf dem besagten Flurstück befand sich ursprünglich eine Pumpstation, die allerdings 1993 bereits außer Betrieb gegangen ist und anschließend zurückgebaut wurde. Da sich in diesem Bereich keine Anlagen zur Trinkwasserversorgung mehr befinden, soll das Flurstück wieder an den Privateigentümer übertragen werden. Dafür brauchte es den entsprechenden Beschluss der Verbandsversammlung.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln