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Ein Döbelner Zimmer voller Kameras

Alfred Kruggel aus Döbeln sammelt alles, womit er auf Film fotografieren kann. Manche Kameras erzählen Geschichten.

Alfred Kruggel steht in seiner Kamerasammlung. Er hat einen ganzen Raum mit Vitrinen und Hunderten Kameras gefüllt. In der Hand hält er eine Belplasca-Stereokamera, die in Dresden hergestellt wird.
Alfred Kruggel steht in seiner Kamerasammlung. Er hat einen ganzen Raum mit Vitrinen und Hunderten Kameras gefüllt. In der Hand hält er eine Belplasca-Stereokamera, die in Dresden hergestellt wird. © Dietmar Thomas

Döbeln. Alfred Kruggel hat immer ein kleines Heftchen dabei, wenn er auf den Flohmarkt geht. Und der 81-Jährige geht gern auf Flohmärkte.

Dort hält der Döbelner die Augen vor allem wegen ganz bestimmter Objekte seiner Sammelleidenschaft offen: Fotoapparate. Und das Heftchen? „Da drin habe ich stehen, welche Kameras ich schon habe“, sagte Kruggel.

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Bei der Masse, die der Sammler zusammengetragen hat, kann man schon die Übersicht verlieren. Wer bei ihm die Treppe im Haus emporsteigt, geht schon an Vitrinen mit Fotoapparaten vorbei. In einem Zimmer unterm Dach stehen sie dicht an dicht in Vitrinen.

Exas und Exaktas, Prakticas und Pentinas, Pouvas und Reflektas, Pentis und Altix, Contax und Certos. Die ganze Bandbreite dessen, was vor und nach dem Krieg in Dresden und Freital, dem großen Zentrum der Kameraproduktion in Deutschland, hergestellt wurde.

Limit liegt bei 25 Euro pro Kamera

Dazu kommen jede Menge Kameras, die im Westen der Republik gebaut wurden. Und das, was in den vergangenen 30 Jahren an Plastikapparaten aus Fernost in Massen in die deutschen Fotogeschäfte geschwemmt wurde. Alfred Kruggel kennt keine Klassenunterschiede: In seinen Vitrinen landet alles, womit man Fotos auf Film machen kann.

620 Stück hat der Sammler schon zusammengetragen, die doppelt vorhandenen nicht mitgerechnet. Zu den Apparaten kommt noch das, was der Fotoamateur und Profi seinerzeit sonst noch so brauchte: Vergrößerungsapparate, Projektoren, Belichtungsmesser, Objektive. Alle schon ziemlich alt.

Viel Geld gibt der Rentner nicht für seine Sammelleidenschaft aus. „Mein Limit liegt bei 20 Euro“, sagt er. Gut, für eine Praktica, die er unbedingt wollte, hat er 25 bezahlt. „Die fünf Euro machen es dann auch nicht mehr aus“, sagte er. Dafür hatte er andere Stücke sehr günstig bekommen.

Kamera auf schlesischen Friedhof vergraben

In der Vitrine liegt wie ein Juwel unter Modeschmuck eine winzige Minox-Kamera, der man gern das Attribut „Spionagekamera“ aufdrückt. „Die habe ich für drei Euro bekommen. Ich wollte dem Verkäufer fünf Euro geben, aber er bestand auf dem Preis“, erzählt Kruggel.

Manche seiner Kameras haben echt was mitgemacht. Wie die Contax, eine hochwertige Kleinbildkamera, die vor dem Krieg in Dresden bei Zeiss Ikon gebaut wurde. Kruggel hat sie von einem entfernten Verwandten geschenkt bekommen. „Die hatten sie in Schlesien auf einem Friedhof vergraben, als sie am Kriegsende fliehen mussten“, erzählte er.

„Als sie später wieder dorthin durften, haben sie die Kamera ausgegraben. Als er mir das erzählte, habe ich gesagt: Das kann nicht sein.“ Offenbar war die Kamera gut verpackt. Die Jahre im Untergrund hat das edle Stück unbeschadet überstanden.

Älteste Kamera höchstwahrscheinlich von 1903

Kruggels erste Kamera steht auch in einer Vitrine. Die Belmira-Kleinbildkamera bekam er 1958 geschenkt. „Die hatte mein älterer Bruder 1957 gekauft. Der hat eher Geld verdient als ich“, erzählt er. 320 Mark habe die Kamera gekostet. Viel Geld damals. „Wir haben in der Zeit um die 400 Mark im Monat verdient“, so Kruggel.

Welche seine älteste Kamera ist, das kann der Sammler nur vermuten. Er holt ein schwarzes Etwas aus dem Regal, zwei Kästen, verbunden durch einen Lederbalg. Offenbar eine selbst gebaute Lochkamera, bei der statt des Glasobjektivs ein winziges Löchlein das Bild auf den Film wirft. „Ich habe einen Zettel darin gefunden. Da stand in altdeutscher Schrift die Jahreszahl 1903 drauf“, erzählt er.

Mit dieser Kamera Belmira hat alles angefangen. Alfred Kruggel hatte sie 1958 bekommen und damit auch fotografiert.
Mit dieser Kamera Belmira hat alles angefangen. Alfred Kruggel hatte sie 1958 bekommen und damit auch fotografiert. © Dietmar Thomas

Im Laufe von vielen Jahrzehnten hatten sich immer mehr Kameras angesammelt. Als seine Tochter auszog, richtete er sich mit seiner Sammlung unterm Dach ein. Früher hatte Kruggel auch eine Dunkelkammer und fotografierte Dias.

Ein Apparat steht in einer Bereitschaftstasche auf einem Schrank. „Da habe ich noch einen Film drin“, sagte Kruggel. Die Praktika MTL3 wurde seit Ende der 1970er-Jahre gebaut. „Die kam damals 820 Mark. Das hat Kampf mit der Regierung gekostet“, meint er schmunzelnd. Die „Regierung“, seine Frau, mache seine Sammelleidenschaft ansonsten aber mit, meint Kruggel. „Ich habe daran meinen Spaß und darum geht es ja.“

Sammelleidenschaft bei Döbelner tief verwurzelt

Nicht alle der Kameras, die Kruggel erjagt, funktionieren auch. Manche versucht er, wieder gangbar zu machen. „Aber bei Elektronik hat das keinen Zweck.“

Das Internet mit seinen vielen Möglichkeiten, auf Raritätenjagd zu gehen, nutzt Kruggel nicht. Auf der einen Seite überlegt er, ob das nicht nützlich wäre. „Auf der anderen Seite bin ich froh darüber, sonst würde ich noch mehr kaufen.“

Die Sammelleidenschaft steckt tief drin in dem 81-Jährigen „Ich sammle seit meinem neunten Lebensjahr Briefmarken“, sagte er. Auch Abzeichen, Orden und Münzen. „Und Flaschenöffner. Ich habe 350 Stück im Keller. Wenn ich mal den Löffel abgebe, dann hat mein Sohn zu tun. Der hat den gleichen Erbfehler.“

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