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Die Eierfrau vom Leisniger Markt hört auf

Über 20 Jahre hat Sabine Schönberg den Leisnigern weit mehr als nur das Frühstücksei verkauft. Damit ist jetzt Schluss.

Sabine Schönberg, von ihren Kunden oftmals liebevoll „Die Eierfrau“ genannt, war am Mittwoch zum letzten Mal auf dem Leisniger Wochenmarkt präsent.
Sabine Schönberg, von ihren Kunden oftmals liebevoll „Die Eierfrau“ genannt, war am Mittwoch zum letzten Mal auf dem Leisniger Wochenmarkt präsent. © Dietmar Thomas

Leisnig. Nimm ein Ei mehr! So hieß ein Werbeslogan aus DDR-Zeiten. Am Mittwoch greifen die Kunden bei Sabine Schönberg aber nicht nur bei Eiern zu. Die eine oder andere zusätzliche Tüte Nudeln wandert in die Einkaufsbeutel der Wochenmarkt-Kunden. Denn: Die Eierfrau hört auf.

Dass sie das letzte Mal in ihrem Stand auf dem Leisniger Marktplatz anzutreffen ist, hat sich herumgesprochen. Viele ihrer Kunden legen sich daher einen Vorrat zu: „Da nehme ich noch eine große Tüte Suppennudeln“, sagt eine Kundin. Eine andere verlangt eine zweite Flasche Eierlikör.

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Zu jeder Nudelsorte mindestens eine Geschichte

Zeit zum Luftholen hat Sabine Schönberg kaum. An ihrem Stand ist immer Betrieb. Trotzdem drängelt niemand, wenn sie zu dieser oder jener Nudelsorte noch Zubereitungstricks verrät.

Sage und schreibe 60 Sorten hat der Familienbetrieb Oehmichen aus Mahlis bei Wermsdorf, für den die Markthändlerin seit 2013 arbeitet, im Angebot. „Zu jeder könnte ich eine Geschichte erzählen“, schmunzelt sie. Nach Jahrzehnten als Verkäuferin habe sie reichlich eigene Erfahrungen. Aber auch die Kundschaft berichte gern, wofür sie was einsetze, was am besten schmeckt.

Zu anderen Produkten wie ausgemachte Wurst oder Kräuterbutter kann Sabine Schönfeld genauso Auskunft geben. Auf die Frage, wie lange sich der sattgelb aussehende Eierlikör hält, hat sie mittlerweile eine Standardantwort: Nicht lange, wenn Sie die Flasche einmal aufgemacht haben.

Das bestätigen ihr die meisten Kunden beim nächsten Besuch dann frei heraus. Skeptikern biete sie gern an, die Flasche bei Nichtgeschmack zurückzunehmen. Wirklich passiert, dass jemand eine angebrochene Likörflasche zurückgegeben hat, ist ihr das in all den Jahren nicht. Sie weiß, was sie verkauft. Kritiken steht sie stets offen gegenüber. „Das sind Lebensmittel, da kann mal ein Makel dran sein“, sagt sie.

Erst Liebe auf den zweiten Blick

Mit ihrer offenen Art, der Freundlichkeit und Kompetenz hat sich Sabine Schönberg über die Jahre das Herz der Leisniger Kunden erobert. Im Sturm, wie der Volksmund manchmal behauptet, sei das nicht passiert. Es habe einige Zeit gebraucht, ehe die Leisniger mit ihr warm geworden seien. Doch als das dann geschafft war, habe sie in den Leisnigern eine treue Stammkundschaft gefunden.

So einige wissen, dass es Sabine Schönberg nach einem Unfall viele Monate gesundheitlich schlecht ging. Dass sie nun wieder auf dem Posten ist, freut auch die Männer und Frauen vorm Ladentisch. Dass es an dieser Stelle kein Wiedersehen mehr geben wird, stimmt beide Seiten traurig.

Auch Ines Kunze vom Ordnungsamt der Stadt Leisnig ist betrübt. Sie hat die Händlerin jedes Mal abkassiert, wenn sie ihre Produkte angeboten hat. Doch auch Sorgen und Probleme wurden besprochen, während die Standgebühr über den Ladentisch ging.

„Frau Schönberg hat angesprochen, was die Händler gut oder eben auch nicht gut finden“, sagt Ines Kunze. „Wenn mir etwas nicht passt, muss ich selbst etwas tun, damit sich das ändert. Das war immer mein Motto, mit dem bin ich gut gefahren“, so Sabine Schönberg.

Noch bis Mai 2022 beim Bauernmarkt im Kloster Buch

Nach 20 Jahren auf dem Leisniger Wochenmarkt bereitet sich die gelernte Verkäuferin, die später mit ihrem Mann einen eigenen Hühnerbetrieb führte, auf die Rente vor. „Mein Chef hat jetzt noch ein paar andere Aufgaben für mich“, erklärt sie den erstaunten Kunden.

Im Hofladen-Verkauf in Mahlis werde sie jetzt häufiger zu finden sein – und bis nächstes Frühjahr noch auf den Bauernmärkten im Kloster Buch. Der Markt dort liege ihr einfach am Herzen. Und: Die Arbeit mache ihr immer noch Spaß, obwohl Auf- und Abbau des Verkaufsstandes durchaus hart seien.

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Häufig komme sie am Abend erst nach zwölf Stunden wieder nach Hause zurück. „Nur mit Freude an der Arbeit steht man das so lange durch“, sagt sie. Für die jahrelange Bereicherung des Leisniger Wochenmarktes hat sich Bürgermeister Tobias Goth (CDU) am Mittwoch bei Sabine Schönberg mit einer Flasche Wein bedankt

. Marktleiterin Ines Kunze sucht indes nach einem regionalen Anbieter, der die Lücke der Direktvermarkter aus Mahlis auf dem Leisniger Markt füllen kann – 14-täglich wäre schon einmal ein Anfang.

Kontakt für interessierte Händler: Ordnungsamt der Stadt Leisnig unter Tel. 034321 66642

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