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Entsteht hier Harthas neuer "Einkaufstempel"?

Die Stadträte stimmten einem Vorbescheid zum Bau des Komplexes an der Dresdener Straße zu. Doch das sorgt für Verwirrung und Unverständnis.

Auf dem Brachland im Süden von Hartha und links neben dem existierenden Netto-Markt könnte schon bald ein neuer Gebäudekomplex aus Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemarkt entstehen.
Auf dem Brachland im Süden von Hartha und links neben dem existierenden Netto-Markt könnte schon bald ein neuer Gebäudekomplex aus Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemarkt entstehen. © Dietmar Thomas

Hartha. Es ist der Beschluss, der nach der vergangenen Stadtratssitzung in Hartha für Aufregung gesorgt hatte. Die Stadträte stimmten einem Vorbescheid zur Errichtung eines Nahversorgungszentrums an der Dresdener Straße neben dem Netto-Markt zu – ohne weiterführende Diskussion.

Zur Verwunderung einiger Besucher, da das Gremium noch ein Jahr zuvor durch einen Beschluss den Einzelhandel unbedingt in der Innenstadt behalten wollte. Was hat sich geändert? Sächsische.de hat bei den Beteiligten nachgefragt.

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Was steht konkret im zugestimmten Bauantrag?

Laut dem Beschlussvorschlag, den der Bürgermeister den Stadträten vorgelegt hat, geht es um den Neubau eines Nahversorgungszentrums auf dem freien Grundstück links neben dem bestehenden Netto-Markt.

„Gemäß Baubeschreibung soll der geplante Einzelhandelsstandort drei auf die Nahversorgung ausgerichtete Einzelhandelsbetriebe beherbergen“, erklärt Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). „Das Nahversorgungszentrum soll ein Lebensmittelmarkt in der Betriebsform eines Vollsortimenters, einen Lebensmittelmarkt in der Betriebsform eines Discounters und einen Drogeriefachmarkt beinhalten.“

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Die Märkte sollen in getrennten Gebäuden untergebracht werden, sind sowohl betrieblich, als auch funktional unabhängig voneinander und werden unterschiedliche Betreiber haben, so Kunze weiter. Die Verkaufsflächen sollen für den Vollsortimenter etwa 1.500, den Discounter knapp 1.000 und den Drogeriefachmarkt circa 500 Quadratmeter betragen.

Zusätzlich soll im Gebäude des Vollsortimenters ein Backshop beziehungsweise ein Café mit einer Kundenfläche von etwa 100 Quadratmetern entstehen. „Das ergibt eine Gesamtverkaufsfläche der drei Einzelhandelsbetriebe zusammen von etwa 3.300 Quadratmetern“, sagt der Bürgermeister. Baubeginn könne nach ersten Auskünften bei Genehmigung bereits Anfang 2022 sein.

Wer steckt hinter dem Bauantrag für die neuen Märkte?

Auf Anfrage können sich aus datenschutzrechtlichen Gründen sowohl der Bürgermeister als auch der Sprecher des Landratsamtes Mittelsachsen André Kaiser nicht zu dem oder den Antragstellern äußern. Letzteres ist die zuständige Baugenehmigungsbehörde, die Stadt kann sich nur zum Vorhaben äußern.

Nach Recherchen des Döbelner Anzeigers sowie Informationen aus Kreisen des Stadtrates soll es sich jedoch bei den Einzelhändlern um Edeka als Vollsortimenter, Aldi als Discounter sowie Budni(kowsky) als Drogeriemarkt handeln.

Alle drei Akteure werden auch in den Referenzen auf der Internetseite der Dr. Lademann & Partner Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung mbH aus Hamburg aufgeführt, die für den Bauantrag ein Verträglichkeitsgutachten zu den Auswirkungen des Vorhabens erstellt haben.

Auf Anfrage bestätigt Edeka-Sprecherin Stefanie Schmitt, dass die Planungen des Antragstellers bekannt sind, jedoch bittet sie um Verständnis, dass „wir darüber hinaus keine Mitteilung geben können. Sobald sich an diesem Umstand etwas ändert, werden wir auf Sie zukommen.“

Eine Antwort gab es auch vom Discounter Aldi. „Wir haben keine entsprechenden Anträge gestellt. Unserem Kenntnisstand nach plant ein Investor den Bau des Fachmarktzentrums. Naheliegenderweise hat der Investor auch die erwähnten Anträge gestellt“, so Sprecher Axel vom Schemm. „Wir können bestätigen, dass uns im besagten Areal Mietflächen angeboten worden sind, die uns auch interessieren.

Eine ähnliche Anfrage stellte der Döbelner Anzeiger auch an den Drogeriemarkt Budnikowsky, der jedoch auch nach mehrmaligen Kontaktversuchen nicht reagierte.

Was passiert mit der Versorgung der Harthaer Innenstadt?

Diese Frage ist derzeit noch nicht endgültig geklärt. Erst im letzten Jahr beschloss der Stadtrat den Bebauungsplan „Erhaltung und Entwicklung des zentralen Versorgungsbereiches“, der eine Ansiedlung eines größeren Lebensmitteleinzelhändlers nur in der Innenstadt vorsah.

Diesen Bebauungsplan hob das Harthaer Gremium nach knapp einem Jahr wieder auf. Grund dafür: Die Einzelhändler wollen nicht in die Innenstadt, sie sei „nicht lukrativ genug“. Das sollen Vertreter von Edeka und Aldi nach Informationen des Döbelner Anzeigers in einer nicht-öffentlichen Sitzung deutlich den Stadträten entgegnet haben.

Sollte Edeka tatsächlich an der Dresdener Straße bauen, würde der Standort an der Nordstraße höchstwahrscheinlich wegfallen. Die Markthalle könnte dann leerstehen.

2020 wurde im Stadtrat Hartha der Beschluss gefasst, dass sich neue Einzelhändler nur noch in der Innenstadt (blauer Bereich) ansiedeln dürfen. Dieser wurde 2021 wieder aufgehoben.
2020 wurde im Stadtrat Hartha der Beschluss gefasst, dass sich neue Einzelhändler nur noch in der Innenstadt (blauer Bereich) ansiedeln dürfen. Dieser wurde 2021 wieder aufgehoben. © SZ

Jedoch gebe es nach Angaben von CDU-Stadtrat Ronny Walter bereits Verhandlungen mit einem Investor, der sich einen Standort in der Harthaer Innenstadt vorstellen könnte. Wer der Investor ist, konnte Walter nicht sagen. Auch Bürgermeister Ronald Kunze bestätigt intensive und konkrete Gespräche.

Neben diesem neuen Einzelhändler stünde für die Bürger dann nur noch der zur Rewe-Gruppe gehörende Nahkauf für Besorgungen zur Verfügung. Vor allem für die ältere Bevölkerung wäre der Wegfall von Edeka auch ein Wegfall eines sozialen Knotenpunktes.

Was sagen der Bürgermeister und die Harthaer Stadträte?

Bürgermeister Ronald Kunze hält sich über die möglichen Erbauer des Nahversorgungszentrums an der Dresdener Straße zunächst bedeckt. In Bezug auf die Aufhebung des im Jahr 2020 beschlossenen Bebauungsplanes zur Sicherung der zentralen Versorgung sagt er: „Hartha kann nicht am Markt vorbeileben. Wenn wir uns an einigen Stellen querstellen, bekommen wir die Konsequenzen beispielsweise mit dem Wegzug existierender Lebensmittelgeschäfte.“

Ihm sei die soziale Komponente bei den Lebensmittelgeschäften in der Innenstadt bekannt. Diese wolle Kunze auch beibehalten. Dennoch wolle er genauso wie der Stadtrat „das Beste für die Stadt und die Bürger“. Dazu zähle unter anderem ein Drogeriemarkt, den sich der Großteil der Bevölkerung laut einer Analyse aus dem vergangenen Jahr wünscht.

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CDU-Stadtrat Ronny Walter äußert sich ähnlich. Auch er kann verstehen, dass die Versorgung der Innenstadt zwingend notwendig ist. „Aber was sollen wir machen, wenn die Großkonzerne eine komplett andere Politik verfolgen, als die Kommunen oder das Land? Wir haben keine andere Wahl.“

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Andere leerstehende Gebäude wie der alte Simmel-Markt seien laut den Lebensmittelhändlern nicht mehr modern genug. Deshalb müsse es einen Neubau geben, so Walter weiter.

Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Stadtrat Sören Lungwitz war für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.

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