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Klares Votum für Wreesmann in Roßwein

Der Sonderpostenmarkt will im Gewerbegebiet bauen. Das passt nicht zum Einzelhandelskonzept. Egal, sagen die meisten Stadträte.

Auf der Fläche neben dem ehemaligen Autohaus könnte der Sonderpostenmarkt Wreesmann einen nächsten Markt bauen. Das Grundstück ist dem Kaufhaus angeboten worden. Die Stadträte stimmen einer Ansiedlung an dieser Stelle zu.
Auf der Fläche neben dem ehemaligen Autohaus könnte der Sonderpostenmarkt Wreesmann einen nächsten Markt bauen. Das Grundstück ist dem Kaufhaus angeboten worden. Die Stadträte stimmen einer Ansiedlung an dieser Stelle zu. © Dietmar Thomas

Roßwein. Die Roßweiner Stadträte sind am Donnerstag einmal nicht dem Vorschlag der Stadtverwaltung gefolgt. Mit großer Mehrheit lehnten sie ab, dem Kaufhaus Wreesmann, das deutschlandweit Sonderpostenmärkte betreibt, eine Abfuhr zu erteilen.

Die Absage sollte damit begründet werden, dass der von Wreesmann gewählte Standort im Gewerbegebiet Goldene Höhe dem Einzelhandelskonzept widerspricht. Das hatten die Stadträte erst im vergangenen Jahr verabschiedet und sich damit darauf festgelegt, Einzelhandel in Zukunft im Zentrum und nicht am Stadtrand ansiedeln zu wollen.

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Wreesmann hat, was die Roßweiner brauchen

Damit erklärte Vize-Bürgermeister Hubert Paßehr (CDU), der die Stadtratssitzung in Vertretung von Verwaltungschef Veit Lindner (parteilos) leitete, den auf die Anfrage des Kaufhauses als Absage formulierten Beschlussvorschlag.

Darüber brachten mehrere Stadträte ihre Verwunderung zum Ausdruck. „Ich kann nicht verstehen, dass wir die Anfrage ablehnen sollen. Denn das, was Wreesmann anbietet, das können wir in Roßwein gebrauchen“, sagte Jens Tamke (AfD). Erst am Tag der Sitzung sei er in einem Wreesmann-Markt in Großvoigtsberg gewesen.

Obwohl eine zentrale Lage aus seiner Sicht anders aussehe, sei der Markt gut besucht gewesen. „Das Sortiment ist breitgefächert. Etwa die Hälfte von dem, was dort in den Auslagen liegt, das gibt es bei uns in Roßwein nicht zu kaufen“, so seine Einschätzung.

Wegen jeder Schraube nach Döbeln

Von ziemlich vielen Roßweinern wird zum Beispiel ein Baumarktsortiment vermisst. „Im Moment müssen wir wegen jeder Schraube nach Döbeln fahren“, hatte eingangs schon Hubert Paßehr festgestellt. „Das ist privat bestimmt schon belastend. Aber es behindert auch den Arbeitsablauf“, sagte Thomas Winter (SPD).

„Wenn der Schulhausmeister mal was braucht, muss er losfahren und ist dann auch gleich mal eine Stunde unterwegs“, sagte Winter, der Leiter der Oberschule in Roßwein ist.

Für Tamke ist das Wreesmann-Angebot keine Konkurrenz zu dem, was es in der Roßweiner Innenstadt zu kaufen gibt. „Einzelhändler gibt es dort sowieso fast keine mehr“, so der AfD-Stadtrat.

Umlenken könnte Rückzug bedeuten

Eher als Bereicherung und nicht als Konkurrenz sieht Rico Söhnel (CDU) das Angebot des Sonderpostenmarktes, sich in Roßwein niederlassen zu wollen. „Und die Fläche, um die es geht, die ist schon 25 bis 30 Jahre ungenutzt“, argumentierte Söhnel. Da könne sie auch gut mit einer Verkaufshalle bebaut werden.

Wie Bauamtsleiter Dirk Mehler erklärte, schließt der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet das Ansiedeln von Handel dieser Art nicht aus – auch wenn es die Kommune lieber gesehen hätte, wenn sich ein Betrieb des produzierenden Gewerbes für dieses Grundstück interessiert hätte.

Aus Mehlers Sicht sind die Chancen eher gering, dass sich der potenzielle Investor auf ein innerstädtisches Grundstück umlenken lässt. Wie der Bauamtsleiter darstellte, sei ein Vertreter Wreesmanns mit Michael Klöden vom Bauamt in der Stadt unterwegs gewesen.

Die Kommune habe mehrere Grundstücke vorgeschlagen, auf denen sie sich solch einen Markt vorstellen könne, sei mit dem Vertreter aber auch an Stellen wie im Gewerbegebiet gewesen, die sich die Kaufhaus-Geschäftsleitung im Vorfeld selbst ausgesucht hat. Der Standort im Gewerbegebiet sei der Favorit von Wreesmann gewesen.

Für Rico Söhnel steht daher fest: „Wenn wir jetzt abblocken, dann sucht sich Wreesmann einen anderen Standort und wir haben als Roßwein wieder einmal das Nachsehen.“

Brache als Standort besser geeignet?

Bernd Handschack (CDU) sieht das anders. Das Gewerbegebiet sollte aus seiner Sicht dem Gewerbe vorbehalten sein. Steffen Thiele (SPD) würde es begrüßen, wenn der Markt im Zentrum entsteht – idealerweise auf einer Brach- oder Rückbaufläche.

In diesem Fall kämen erst noch Verhandlungen mit Grundstückseigentümern hinzu. Für das Gelände, für das sich Wreesmann im Gewerbegebiet interessiert, hat die Kette vom privaten Eigentümer selbst schon das Kaufangebot erhalten.

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„Wenn wir wollen, dass sich überhaupt etwas bewegt, sollten wir dem Sonderpostenmarkt keine Absage erteilen“, sagte Thomas Winter. Das sahen elf Stadträte genauso und lehnten den Beschlussvorschlag der Verwaltung ab. Vier waren dafür. Es gab eine Stimmenthaltung.

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