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Elektronische Patientenakte kaum bekannt

Das zentrale Speichern medizinischer Daten wäre für Patienten, Ärzte, Kliniken von Vorteil. Doch es tut sich nicht viel.

Die eigenen Patientendaten einfach übers Handy verwalten: Das soll die elektronische Patientenakte ermöglichen. Doch bisher wird diese Möglichkeit kaum genutzt.
Die eigenen Patientendaten einfach übers Handy verwalten: Das soll die elektronische Patientenakte ermöglichen. Doch bisher wird diese Möglichkeit kaum genutzt. © Christian Juppe

Region Döbeln. Die elektronische Patientenakte (ePA) fungiert wie ein digitaler Aktenordner. Damit können auf dem Smartphone oder Tablet Befunde, Diagnosen und Behandlungsberichte gesammelt und abgelegt werden.

Die Arbeit mit der elektronischen Patientenakte ist seit Anfang dieses Jahres möglich. Doch kaum jemand weiß davon, wie die Nachfrage bei einigen Krankenkassen bestätigt. So gibt es bei den Versicherten der Barmer in Sachsen bisher 367 aktive Nutzer, darunter einen in Döbeln, wie Landesspressesprecherin Claudia Szymula mitteilt.

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Ähnlich ist die Situation bei der DAK. „Bisher haben sich bundesweit Versicherte in vierstelliger Zahl für die Nutzung der elektronischen Patientenakte angemeldet. Zahlen für einzelne Bundesländer oder Regionen können wir leider nicht ermitteln. Der Großteil der Angemeldeten befindet sich noch im Prozess der Aktivierung“, sagte Florian Kastl von der Unternehmenskommunikation.

Zahl der Nutzer hält sich in Grenzen

Rund 2.700 Versicherte der AOK Plus in Sachsen und Thüringen nutzen die ePA, teilt Pressesprecherin Hannelore Strobel mit. „Der Nutzen der ePA für die Versicherten wird allerdings erst dann deutlich erkennbar, wenn Ärzte und sonstige Leistungserbringer wie Physiotherapeuten, Hebammen und Krankenhäuser vollständig technisch und organisatorisch in der Lage sind, Dokumente auf Wunsch der Patienten in deren ePA einzustellen“, so Strobel.

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Zum jetzigen Zeitpunkt sei nach Rückmeldungen aus den Arztpraxen, die bei der AOK Plus ankommen, allerdings erkennbar, dass eine Umsetzung des ePA-Prozesses bei den ambulanten Vertragsärzten noch nicht flächendeckend erfolgt ist.

Arztpraxen müssen vorbereitet sein

Dazu gehöre, dass in jeder Arztpraxis die technischen Voraussetzungen geschaffen worden sind. So müsse ein ePA-fähiger Konnektor installiert, das Update des Arztinformationssystems für ePA eingerichtet und ein Kartenlesegerät zur unmittelbaren PIN-Eingabe des Versicherten verfügbar sei. Zudem müssen auch die organisatorischen Maßgaben – digitaler Heilberufe-Ausweis im Einsatz, Arzt und Praxispersonal zum ePA-Prozess geschult – erfüllt werden.

In den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der Kliniken Döbeln und Mittweida sind die technischen Voraussetzungen für die Anwendung der elektronischen Patientenakte vorhanden. Es gibt aber auch Praxen in der Region, in denen dies noch nicht der Fall ist. Zudem gibt es bisher kaum Anfragen vonseiten der Patienten.

Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben die Möglichkeit, die ePA über ein Smartphone oder Tablet eigenständig zu nutzen. Der Vorteil der App besteht darin, dass sie damit Dokumente in ihrer ePA jederzeit selbst einsehen und organisieren oder auch für andere freigeben können.

Einrichtung auch ohne mobiles Gerät möglich

Aber auch ohne mobiles Gerät können sich Versicherte eine ePA einrichten lassen. Möglich ist dies zum Beispiel bei der Barmer in den Geschäftsstellen vor Ort. Nach Vorlage des Personalausweises oder Reisepasses sowie der Gesundheitskarte kann die ePA auch über die Geschäftsstelle angelegt werden.

Versicherte, die diesen Weg wählen, können dann zukünftig der Arztpraxis vor Ort die Berechtigung für das Einsehen von Dokumente in ihrer ePA oder das Einstellen neuer Dokumente geben. In jedem Fall jedoch bestimmen die Patientinnen und Patienten selbst, wer Zugriff auf ihre Daten in der ePA bekommt.

„Gerade Menschen mit mehreren Erkrankungen können von der ePA besonders profitieren, da sie alle wichtigen Befunde, Medikationen und Notfalldaten übersichtlich dokumentiert. So können beispielsweise Doppeluntersuchungen und Fehlmedikationen vermieden werden. Der Arztbesuch kann für die aktuellen Fragen statt zur Abfrage der Historie genutzt werden“, sagte Dr. Fabian Magerl, Landesgeschäftsführer der Barmer in Sachsen.

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