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„Endlich dürfen wir für euch spielen“

Mit Verzögerung ist der Biergarten des Kulturbahnhofs in Leisnig eröffnet worden. Dort gibt es vieles, aber keine Roster.

Am Sonnabend, bei der Einweihung des Biergartens des Kulturbahnhofs in Leisnig spielte Jens Lübeck auf dem Saxofon und animierte auch zum Tanzen.
Am Sonnabend, bei der Einweihung des Biergartens des Kulturbahnhofs in Leisnig spielte Jens Lübeck auf dem Saxofon und animierte auch zum Tanzen. © Dietmar Thomas

Von Claudia Erbert

Leisnig. Auf den T-Shirts von Kathryn Döhner und Christoph Schönbeck und einigen Gäste steht: „Ich verstehe nur Kulturbahnhof“. Die Oberteile können zur Unterstützung des Projekts erworben werden. Am Samstag gibt es die erste offizielle Veranstaltung passend zum Namen.

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Seit Anfang Mai ist zwar der Biergarten mit Imbisswagen mittwochs bis sonntags geöffnet, aber eine richtige Einweihung war bisher nicht möglich. Die vier Musiker, die den Leisniger Bahnhof gekauft haben, konnten nach dem Tag der offenen Tür letzten Sommer nur für sich auftreten und Videos veröffentlichen, auch für Veranstaltungen im Freien gab es viele Einschränkungen.

Jetzt, da die Inzidenzzahlen im einstelligen Bereich sind, gibt es endlich eine richtige Party. Bereits mittags kommen zahlreiche Gäste zum Bahnhof und freuen sich über die schattigen Plätze unter den großen Bäumen. Eine Gruppe Stammgäste kommt direkt zum Geburtstag feiern und bleibt bis zum Abend.

Auch Dresdner da

„Wir sind inzwischen wirklich gut vernetzt, mit dem Heimatverein, vielen Menschen aus der Stadt“, freut sich Gastronom Andreas Schützeneder, der für das Wochenende verschiedenen Panini und Süßkartoffelpommes vorbereitet hat.

Einer der ersten Gäste ruft ihm von weitem zu: „Ich nehm eine Roster!“. „Roster gibt’s überall, bei uns gibt’s das, was auf der Karte steht“, ruft er lachend zurück. Das Konzept der wechselnden Speisekarte kommt bei den Gästen gut an. „Wir waren jetzt schon dreimal mit dem Fahrrad hier, und jedes Mal haben wir etwas neues Leckeres entdeckt“, bestätigt Familie Münzer.

Doch nicht nur Einheimische kommen zur Eröffnung. Eine Gruppe Freunde aus Dresden hat den kürzlich im Magazin Chrismon erschienenen ausführlichen Artikel über das Konzept „Kulturbahnhof“ gelesen und sich entschieden, sich auf den Weg zu machen. „Wir sind begeistert von dem Elan der Truppe, so viele Ideen, aber ein echtes Konzept und so viel Zuspruch: Das kann doch nur gut werden!“, bestätigt Mathias Köhler, dass sich die Fahrt bei über 30 Grad Hitze gelohnt hat.

Zum offiziellen Beginn kommt die Bahnhofsband im Garten zusammen: „Heute dürfen wir endlich für euch spielen“, freut sich Kathryn Döhner und die vier zeigen ihre Vielseitigkeit mit Stücken aus verschiedenen Ländern.

Steffen Goepel mit der Band Extraherb schwitzt schon beim Soundcheck, aber begeistert immer wieder tollen Rock- und Blues-Nummern. Zwischendurch holt er sich auch Mitglieder der Bahnhofsband dazu, und sie spielen spontan gemeinsam, worauf sie Lust haben. Kathryn Döhner kann sich teilweise kaum halten, wenn er wieder einen lockeren Spruch rauslässt.

Eric Clapton Songs und Klassiker wie „Stand by me“ bringen die Gäste spontan zum Tanzen, dennoch ist Goepel noch nicht zufrieden: „Wenn wir richtig berühmt wären, würdet ihr schon ausrasten, bevor wir singen. Also wenn ich rufe „Are you ready for Rock´n´Roll“, dann will ich was hören!“ Der Aufruf wirkt, das Publikum macht mit.

Am 17. Juli soll es die nächste Veranstaltung geben: ein Schlemmerfest, für das noch Gastronomen aus der Region gesucht werden, die sich beteiligen. Umrahmt werden soll das Fest mit einer Mitmachwerkstatt und einem Trödelmarkt.

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