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Erinnerung ist immer noch frisch

Dieter Heindl ist nach Auflösung des Kreissportbundes Döbeln in den Ruhestand gegangen. Am Sonntag feiert der Ex-Präsident seinen 75. Geburtstag.

Dieter Heindl kann sein Leben als Rentner genießen. Nach der Auflösung des Kreissportbundes Döbeln, dessen Präsident er war, im Jahr 2008, fiel ihm der Abschied doch schwerer als vermutet.
Dieter Heindl kann sein Leben als Rentner genießen. Nach der Auflösung des Kreissportbundes Döbeln, dessen Präsident er war, im Jahr 2008, fiel ihm der Abschied doch schwerer als vermutet. © Dietmar Thomas

Döbeln. Fast kommt es dem Reporter so vor, dass sich nichts verändert hat. Dieter Heindl ist so gekleidet wie zu seiner Amtszeit als Präsident des Kreissportbundes Döbeln: Poloshirt, Jeans, Jackett. Auch sonst hat er sich gut gehalten, mal abgesehen davon, dass die Haare grau geworden sind. Seine 75 Jahre – er feiert am Sonntag Geburtstag – sieht man ihm nicht an.

Mit der Kreisreform 2008 musste der Kreissportbund Döbeln aufgelöst werden und bildete gemeinsam mit Freiberg und Mittweida den Kreissportbund Mittelsachsen. Für Dieter Heindl stand die Frage, weitermachen oder aufhören. Er habe das Glück gehabt, nahtlos in Rente gehen zu können.

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Enkel sorgen für Ablenkung

Eine Funktion im neuen Verband sei für ihn nicht infrage gekommen. Ein Ehrenamt, wie er es sich vorgestellt hätte, wäre in einem großen Verband wie dem neuen Kreissportbund nicht möglich gewesen. „Ich wollte einen Schlussstrich ziehen, auch wenn das einige nicht verstanden haben“, so Heindl. Er habe viele Einladungen zu Veranstaltungen erhalten, aber keine davon wahrgenommen. „Ich wollte nicht nur herumreden, sondern den Leuten helfen“, sagt Heindl.

Dieser Schritt sei ihm schwergefallen. Er sieht es heute als Fehler, dass „ich von Hundert auf Null gegangen bin“. Es sei nicht einfach gewesen, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Das Haus, der Garten und die Enkel hätten ihm Ablenkung verschafft.

Zum Präsidenten gewählt

Auch nach zwölf Jahren als Ruheständler ist die Erinnerung bei Dieter Heindl immer noch frisch. Der ehemalige Roßweiner lernte den Beruf des Schneiders, ging aber Ende der 1960er-Jahre als Sportkoordinator zum damaligen Rat des Kreises. „Ich war immer einer, der versucht hat, menschlich an eine Sache heranzugehen und etwas zu erreichen“, sagt Dieter Heindl.

Mit der Wende 1989/1990 begann auch für ihn alles neu. Bei einer Versammlung mit Vereinsvertretern sei ein Vorsitzender für den neu zu bildenden Kreissportbund Döbeln gesucht worden. Er sei von Wolfgang Förster und anderen vorgeschlagen worden. „Ich war überrascht und schockiert, weil ich eine solche Funktion noch nicht innegehabt hatte“, erinnert sich Heindl. Er habe sich Bedenkzeit erbeten, dann aber zugestimmt.

Heute blickt er auf eine bewegte Sportgeschichte im Landkreis Döbeln während seiner Amtszeit als Präsident des Kreissportbundes von 1990 bis 2008 zurück.

Gute Infrastruktur geschaffen

Eine der ersten Aufgaben war es, 17 Mitarbeiter der ehemaligen Geschäftsstelle des Deutschen Turn- und Sport-Bundes (DTSB) in Arbeit zu bringen. Einige seien zu verschiedenen Arbeitgebern vermittelt worden, einige wurden über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) des Arbeitsamtes aufgefangen. Im Verlauf seiner Amtszeit seien etwa 880 Sportler in ABM gebracht worden.

Es sei gelungen, eine gute Infrastruktur für den Sport im damaligen Landkreis Döbeln zu schaffen, in dem 84 Vereine mit über 8.000 Sporttreibenden beheimatet waren. Von 1990 bis 2008 seien 27 Millionen Euro an Investitionen in Sportstätten geflossen. Zwei Vorhaben lagen ihm besonders am Herzen, weil sie viel Kampf gekostet haben: das Stadion Bürgergarten in Döbeln und der Sanitärtrakt im Industriestadion Hartha. „Aber auch an die Schaffung der Boxhalle oder der Sporthalle Friedrichstraße in Döbeln sowie der Sporthalle an der Stadtbadstraße in Roßwein denke ich gern zurück“, so Heindl.

Jahrhundertflut großer Einschnitt

Der Zusammenhalt sei damals größer gewesen als heute, so empfindet es Dieter Heindl. „Entscheidungen waren leichter zu fällen, auch weil die Wege kürzer waren. Heute fehlt der Kontakt zu den Menschen“, sagt er.

Ein weiterer großer Einschnitt war die Jahrhundertflut 2002. An den Sportstätten in der Region entstanden 13 Millionen Euro Schaden. Viele Vereine hätten damals vor dem Nichts gestanden, so Heindl. Doch auch diese Situation sei gemeinsam gemeistert worden.

Rückhalt der Familie wichtig

Bei aller Erinnerung weiß Dieter Heindl auch, dass er immer auf den Rückhalt in seiner Familie zählen kann. „Ohne die Familie wäre vieles nicht gegangen“, sagt Heindl, der seit 1965 mit seiner Frau Petra verheiratet ist.

Dieter Heindl hat früher selbst Fußball gespielt. „Gern erinnere ich mich an die Zeit meiner aktiven Laufbahn in den 1960er- und 1970er-Jahren, besonders an die Heimspiele im Bürgergarten vor 4.000 bis 5.000 Zuschauern“, sagt er.

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