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PLUS Döbeln Familienkompass

Plattenbau geht auch anders

Seit vergangenem Jahr werden zwei Wohnblöcke in Ostrau saniert. Es entstehen 32 moderne Wohnungen mit viel Komfort.

Geschäftsführer Thomas Gola (rechts) und Vorarbeiter Daniel Schumann vor dem Wohnblock, bei dem das Dach, die Fassade und ein Teil des Außenbereichs fertig sind. Die Steine der Umfriedung stammen aus dem Kalkwerk.
Geschäftsführer Thomas Gola (rechts) und Vorarbeiter Daniel Schumann vor dem Wohnblock, bei dem das Dach, die Fassade und ein Teil des Außenbereichs fertig sind. Die Steine der Umfriedung stammen aus dem Kalkwerk. © Dietmar Thomas

Ostrau. Jetzt hat der erste Neubaublock, der an der Ernst-Thälmann-Straße saniert wird, Balkone. Ein 70-Tonnen-Kran setzte am Mittwoch die zwölf Quadratmeter großen und jeweils neun Tonnen schweren Platten inklusive Edelstahlumrandung an das Gebäude. Das ist nun wieder ein Stück schöner. Das Mausgrau der Fassade ist verschwunden. Schon von der B 169 aus ist das helle Haus mit den grauen Gauben zu sehen.

„Es geht vorwärts“, sagte Thomas Gola. Er ist Geschäftsführer der Gola Bau GmbH in Weinböhla. Seit elf Jahren kauft er ältere Häuser, saniert sie mit seinem Unternehmen und vermietet die Wohnungen. Die Projekte hat er bisher vorwiegend im Randgebiet von Dresden, in Weinböhla oder Coswig, umgesetzt. „Doch jetzt wird das zu teuer. Es macht keinen Sinn mehr. Da hochwertig saniert wird, müssen wir auch entsprechende Mieten verlangen“, sagte der Geschäftsführer. 

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Dabei greift er in Ostrau allerdings nicht nach den Sternen, wie einige Bürger vermuten. Er denkt, dass eine Miete von 770 Euro für eine 82 Quadratmeter große Wohnung warm angemessen sind. Für 60 Quadratmeter sind 570 Euro zu zahlen. Im fast fertigen Wohnblock sind von den 16 Wohnungen bereits elf vergeben.

Am Mittwoch hat der erste Wohnblock, den die Firma Gola Bau saniert, Balkone bekommen.
Am Mittwoch hat der erste Wohnblock, den die Firma Gola Bau saniert, Balkone bekommen. © Dietmar Thomas

„Der hochwertige Ausbau von Wohnungen steht der Gemeinde gut zu Gesicht“, sagte Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Er und Thomas Gola hoffen, dass Ostrau so auch für Großstädter interessant wird. Schließlich seien die Bedingungen ideal. „Die Leute wohnen ruhig und im Grünen, haben den Anschluss zur Autobahn in Richtung Dresden und Leipzig. Die Kita, die Schule und ein Einkaufsmarkt sind gleich um die Ecke“, nennt Thomas Gola einige Vorteile vom Wohnstandort Ostrau. Außerdem gebe es ein reges Vereinsleben. Wer mehr, wie zum Beispiel Theater Schwimmbad oder Kino, wolle, könne in die nahegelegene Große Kreisstadt Döbeln fahren. 

Dass nun auch noch Karls Erdbeerhof ein paar Kilometer entfernt baut, freut den Geschäftsmann aus Großenhain. „Vielleicht benötigen einige Mitarbeiter eine Wohnung.“ Thomas Gola lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und den Mitarbeitern der Gemeinde. 

Fußbodenheizung und Holzfliesen

Nicht nur äußerlich hat sich an den Wohnblöcken etwas getan. Auch wenn der Grundriss der Wohnungen im wesentlichen erhalten geblieben ist, so hat sich doch einiges durch Wanddurchbrüche und die moderne Ausstattung geändert. Die Räume sind so großzügiger. Bis auf das Bad ist an allen Wänden Strukturputz. 

„Die Wohnungen haben eine Fußbodenheizung und Holzfliesen. Das Bad wirkt durch seine hellen, großen Fliesen sehr edel. Die Keramik fehlt noch. Wegen Corona werden teilweise die Lieferketten für zum Ausbau benötigtes Material unterbrochen. So gibt es zum Beispiel eine Zeitverschiebung bei der Bereitsstellung der Türen. „Trotzdem hoffen wir, dass die Wohnungen im ersten Aufgang bis Weihnachten fertig werden. Versprechen können wir das allerdings nicht. Da braucht es nur einen Corona-Fall auf der Baustelle zu geben und schon steht alles stille“, sagte Thomas Gola. Ist ein Ende der Sanierung in Sicht, gibt er den Mietinteressenten Bescheid. Erst sollten diese ihren alten Vertrag kündigen.

Neuer Dachstuhl war nicht geplant

Im vergangenen Jahr begannen die Arbeiten an den Dächern der Häuser an der Ernst-Thälmann-Straße 9 bis 15. „Wir hatten eigentlich nicht geplant, den gesamten Dachstuhl zu entfernen. Aber es blieb uns nichts anderes übrig. Wir hätten sonst die Gauben nicht bauen können“, sagte Thomas Gola.

Die Wohnblöcke seien beide entkernt und neue Fenster beziehungsweise Balkontüren eingebaut worden. Dann ging es am ersten Block mit der Innensanierung und dem Anbau der Balkone weiter. Zum Schluss erhalten die unteren Wohnungen eine Terrasse. Auch das Areal des Wohnblockes gegenüber soll im nächsten Jahr wie das erste gestaltet werden. So haben die Bewohner einen schönen Ausblick. 

Die Arbeiten am zweiten Wohnblock gehen im nächsten Jahr weiter. „Wir kommen da schneller voran, da schon einige wichtige Arbeiten erledigt sind“, so Thomas Gola. Für diese Wohnungen gibt es bisher drei Interessenten.

Keine großen Wohnungen

Wohnungen sind in der Gemeinde Ostrau gefragt. In den gemeindeeigenen Häusern mit etwa 70 Wohnungen ist zurzeit alles vermietet. „Wir haben nur die klassischen Angebote von Wohnraum für eine zwei- oder dreiköpfige Familie, so Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). 

Die Wohnungen hätten einen ordentlichen, aber keinen höheren Standard. Deshalb sei auch der Mietpreis mit etwa 4,30 Euro pro Quadratmeter ein guter. „Kommen allerdings Familien zu mir, die eine Wohnung um die 100 Quadratmeter suchen, dann kann ich ihnen nicht helfen. Auch kleine Wohnungen mit 30 bis 40 Quadratmetern können wir nicht bieten“, sagte Schilling. Er verweist dann die Wohnungssuchenden an die anderen Vermieter. Zu ihnen gehören unter anderem die WG Fortschritt Döbeln, eine Berliner Wohnungsverwaltungsgesellschaft und private Anbieter.

Ostraus Bürgermeister Schilling froh über Investor

„In den meisten Fällen handelt es sich auch um die klassischen Wohnungsgrößen und einen normalen Standard. Deshalb sind wir froh, dass sich Thomas Gola für den Standort Ostrau entschieden hat, um in den beiden Wohnblocks an der Ernst-Thälmann-Straße Wohnungen mit einem hohen Standard anzubieten. Wobei gute Qualität nicht mit hohen Mieten wie in Städten gleichzusetzen ist“, so der Bürgermeister. 

Bisher sei es schwierig gewesen, gerade für Ingenieure oder Betriebsleiter eine Wohnung bereitzustellen. Die Nachfrage sei aber da. „Es erfüllt einen schon mit Stolz, wenn sich ein Unternehmer aus Weinböhla, dem Speckgürtel von Dresden, für die Sanierung von Wohnblöcken in unserem Ort entscheidet. Er hat einen externen Blick und sieht Dinge, die für uns manchmal schon alltäglich sind“, sagte der Bürgermeister. 

Dazu gehören die gute Infrastruktur, die Schule und die Kita, der Einkaufsmarkt und auch die schnelle Internetanbindung.

Der vordere Block ist fast fertig. Im nächsten Jahr geht es dann mit dem dahinterliegenden weiter. Der hat schon ein neues Dach und neue Fenster.
Der vordere Block ist fast fertig. Im nächsten Jahr geht es dann mit dem dahinterliegenden weiter. Der hat schon ein neues Dach und neue Fenster. © Dietmar Thomas

Eigenheimstandort wird erweitert

Eine andere Alternative zur Wohnung sei der Ausbau eines älteren Hauses oder ein Neubau. Gerade hat der Gemeinderat zur Sitzung dem Bau eines Einfamilienhauses Am Eichenweg zugestimmt. Auch dort werden die Bauplätze knapp. Deshalb hat sich die Gemeinde entschieden, den Eigenheimstandort zu erweitern.

 Im August gab der Rat die entsprechende Planung in Auftrag. Am Eichenweg soll Platz für bis zu zwölf Eigenheime entstehen. Den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans hatten die Gemeinderäte im Dezember des vergangenen Jahres gefasst. Die Erschließung soll von Nordosten über die Talstraße erfolgen. Das Gebiet hat eine Größe von reichlich 15.000 Quadratmetern. Ein Teil der Fläche gehört der Gemeinde, ein Teil ist privat. „Die ersten Interessenten für dieses Wohnbaugebiet haben wir schon“, so Dirk Schilling.

Im Landkreis Mittelsachsen bewerten die Einwohner bei der großen Online-Umfrage „Familienkompass“ das Angebot an Wohnungen mit 3,35. Der Wert liegt etwas über den Sachsendurchschnitt (3,69). Zufrieden sind rund 28 Prozent der Umfrageteilnehmer. 30 Prozent bezeichnen das Wohnungsangebot als unzureichend und fast 34 Prozent antworteten neutral.

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