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27 Millionen Schaden durch Schwarzarbeit

Fast 900 Baufirmen wurden von Beamten des Hauptzollamtes Erfurt kontrolliert - auch in Mittelsachsen. Die IG Bau kritisiert dessen Personaldecke.

Das Hauptzollamt Erfurt hat 885 Baufirmen kontrolliert, auch in Mittelsachsen. Der Schaden, unter anderem durch Schwarzarbeit, soll immens sein.
Das Hauptzollamt Erfurt hat 885 Baufirmen kontrolliert, auch in Mittelsachsen. Der Schaden, unter anderem durch Schwarzarbeit, soll immens sein. © Boris Roessler/dpa

Dresden/Erfurt/Mittelsachsen. Über 630 Ermittlungsverfahren wegen Schwarzarbeit, illegaler Beschäftigung und Lohn-Prellerei in der Baubranche sind im vergangenen Jahr von den Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) am Hauptzollamt Erfurt in die Wege geleitet worden. Darüber informierte kürzlich Holger Bartels, Regionalleiter für Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen der Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt (IG Bau).

Insgesamt 885 Baufirmen seien in dem Zusammenhang überprüft worden. Durch die aufgedeckten illegalen Praktiken in der Branche seien dem Staat und den Sozialkassen 26 Millionen Euro entgangen. Wie viel Schaden dabei konkret von Unternehmen aus dem Landkreis Mittelsachsen verursacht worden ist, dies lässt sich nicht ermitteln, so die Aussage von Holger Giersberg, dem Sprecher des Hauptzollamtes Erfurt. Die Gründe dafür sind vielfältig.

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Zum einen werden die Daten nicht pro Landkreis oder Region erfasst, sondern nur nach aktuellen beziehungsweise vergangenen Standporten der Behörde. „Die Arbeitsergebnisse unserer Finanzkontrolle Schwarzarbeit lassen sich aufgrund unserer statistischen Erfassung nicht auf einzelne Landkreise beziehungsweise Altkreise runterbrechen“, so Giersberg. 

Darüber hinaus werden die Vorfälle in Mittelsachsen an zwei verschiedenen Stellen bearbeitet. „Unser FKS-Standort in Chemnitz ist im Landkreis Mittelsachsen für die Altkreise Freiberg und Mittweida, sowie für die Stadt Nossen sowie für die Stadt Chemnitz und für Teile des Landkreises Zwickau zuständig“, informierte Giersberg.

4.321 Strafverfahren durch Zollkontrollen

Für den Bereich der Landesdirektion Dresden sowie Leipzig ist das Hauptzollamt Dresden zuständig. Dort werden auch die Daten aus der Region Döbeln mit erfasst. Aber auch von Dresden ist keine separate Angabe für den Altkreis sowie speziell für die Baubranche zu erhalten, so Sprecherin Heike Wilsdorf. 

Allgemein wurden von der FKS 2019 vom Hauptzollamt Dresden 1.979 Arbeitnehmer überprüft, 4.321 Strafverfahren sind eingeleitet worden. Die Schadenssumme für den Bereich liegt bei 21,5 Millionen Euro.

Doch für IG-Bau-Bezirkschef Andreas Herrmann reichen auch die allgemeinen Zahlen der Erfurter Behörde, um von einem „erschreckenden Ausmaß krimineller Energie“ zu sprechen. Das Image einer ganzen Branche stehe auf dem Spiel. „Sauber wirtschaftende Firmen dürfen nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten.“

Gerade die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region sei, so die IG BAU Südwestsachsen. Wichtig sei aber auch, dass der Zoll die „schwarzen Schafe“ stärker in den Blick nehme. „Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die FKS mehr Personal“, so Herrmann.

Im Hauptzollamt Dresden waren mit Stand 31. Dezember 2019 240 Beschäftigte tätig. Eingesetzt werde das Personal an den Standorten in Dresden, Bautzen, Leipzig sowie Riesa. „Sie arbeiten flächendeckend im gesamten Hauptzollamtsbereich“, informierte Sprecherin Wilsdorf. 

„Seit mehreren Jahren werden junge Kollegen nach deren Ausbildung priorisiert diesem Arbeitsbereich zugeführt, das heißt, die personelle Ausstattung der FKS wird auch in den nächsten Jahren weiter erhöht werden.“

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